103 - Von Zhangjiajie und seiner Region bis zum Fanjing-Berg

Nach dem Aufenthalt in der riesigen Stadt Chongqing und der Flussfahrt auf dem Yangtse zogen wir in das Wuling-Gebirge Richtung Zhangjiajie. Wenn man Werbung von Zhangjiajie sieht werden vor allem Bilder der «Avatar-Berge» und die Himmelspforte mit seinen 999 Stufen gezeigt. Die Avatar-Berge, wie auch die bis 2022 mit 430 Metern längste Glasbrücke der Welt (heute ist die längste Glasbrücke mit 632 Metern in Vietnam), befinden sich jedoch bei Wulingyuan, knapp 40 Kilometer von Zhangjiajie entfernt. Die Wulingyuan Scenic Area ist der erste offizielle Nationalpark in China.

 

Nun aber schön der Reihe nach. Das erste Reiseziel nach der Flussfahrt auf dem Yangtse war Enshi. Wir logierten zwei Nächte in der Stadt selber, besuchten die touristische Altstadt, welche nicht so unseren Vorstellungen entsprach. Massenhaft Touristen, Vorführungen in der neu gebauten Altstadt und viel Lärm. Ich war froh, dass ich mit Stöpseln meine Ohren schützen konnte. In Enshi suchten wir ein Hotel beim Eingang zum Enshi Grand Canyon. Wir fanden ein einfaches, sauberes Hotel mit einer grossen Fensterfront, wo wir direkt zum Gebirge sahen. Die Gondelbahnstation war 100 Meter neben unserem Hotel. Wir wurden vom Hotelier jedoch zum offiziellen Eingang gefahren, der etwa zwei Kilometer weiter weg ist, da wir Billette kaufen mussten. Das konnte man bei der Gondelstation nicht. Wir nahmen einen kleinen Zug, der uns zurück zur Talstation der Gondel brachte. Dann konnte es losgehen. Da etliche Touristengruppen unterwegs waren, gab es bei den Sehenswürdigkeiten manchmal ein unangenehmes Gedränge. Einmal hat sich zuhinterst in der Reihe eine reife Frau gebückt, hat sich zwischen den Beinen den vorderen Fotografierenden durchgedrängt und stellte sich in der ersten Linie wieder auf. Lustigerweise hat niemand reklamiert.

Nach der Wanderung über den Berg zogen wir noch durch die Schlucht, die dann praktisch bei unserem Hotel …und der Gondelstation endete. Wir waren sehr glücklich, dass wir nicht noch einmal zum Haupteingang zurückkehren mussten.     

In Enshi bestiegen wir einen Bus, der uns nach Zhangjiajie fuhr. Eines der Reiseziele, welches auf unserer Reiseliste weit oben stand war erreicht. Auch hier bezogen wir ein Hotel nahe der Gondelbahn, übrigens ist sie mit 7'455 Metern eine der längsten Gondelbahnen der Welt. Wir kauften Billette um zur Himmelspforte und auf den Tianmen-Shan zu gelangen. In Anbetracht der grossen Anzahl Touristen konnten wir nicht mit der Gondel nach oben fahren. Wir wurden mit einem Bus eine knappe halbe Stunde zum Eingang der Himmelspforte gefahren. Wir gingen die 999 Stufen hoch, eine anspruchsvolle und eindrückliche Leistung. Oben angekommen nahm man eine Rolltreppe, Entschuldigung, es waren mehrere Rolltreppen, um ganz auf den Berg zu gelangen. Oben angekommen wanderten wir von der Touristenmasse weg in die andere Richtung. Eine eindrückliche Wanderung auf der Bergplattform mit wunderschönem Panorama. Wir konnten die Rundwanderung nicht abschliessen. Ich hatte ein ungutes Gefühl, dass wir nicht mehr ins Tal gelangen könnten, falls wir nicht rechtzeitig bei der Gondelstation ankamen. Es klappte und wir konnten mit der Gondel die lange Strecke hinuntergondeln.

Anfahrt zur Himmelspforte; Ankunft; es gilt steile Treppen zu meistern.


Am anderen Tag war es leider nicht möglich, mit der langen Gondel hochzufahren. Wir mussten beide Strecken mit dem Bus fahren. Wir gondelten mit der kurzen Gondelbahn bis zur Mittelstation. Die Treppen zur Himmelspforte konnten wir dann mit einer zusätzlichen Rolltreppe umgehen. Es sind bis oben auf dem Berg etwa 12 Rolltreppen die durch einen Tunnel führen. Wir standen fast eine halbe Stunde nur auf diesem Transportmittel. Oben angekommen wollten wir den zweiten Teil der Rundwanderung machen. Uns blieb es nicht erspart, zuerst mit der Touristenmasse mitzugehen. Das war sehr unangenehm, man bewegte sich mit der Masse. Nach etwa einer halben Stunde bewegte sich die Masse zur Gondel-Bergstation. Wir atmeten auf und genossen den Rest der Wanderung bis zum Sonnenuntergang.

 



Drei Tage später zogen wir weiter nach Wulingyuan, wo sich der Haupteingang zum Zhangjiajie Nationalpark befindet. Wir fanden in unserem oberen Budgetrahmen ein sehr angenehmes Hotel. Es war perfekt und der Service lobenswert. Mein Adapter gab beim Einstecken einen Funken und ich konnte mein Notebook nicht mehr aufladen. Der Hoteldirektor persönlich hat sich des Problems angenommen und brachte mir zwei Stunden später einen neuen Adapter. Er wollte mir diesen sogar schenken. Nach dem Bezug des Zimmers gingen wir zum Haupteingang des Nationalparks und informierten uns über die Möglichkeiten. Wir stellten fest, dass es einen Viertagespass gibt, wo man die Busse und Gondeln so oft nehmen kann wie man wünscht. Für uns beide kostete dieser Pass zusammen keine 500 CNY (Gut 60 CHF). Wir haben uns dafür entschieden und den Aufenthalt im Hotel entsprechend verlängert.

Der Haupteingang zum Nationalpark Zhangjiajie, welcher seit 1992 zum UNESCO-Welterbe gehört, beginnt in Wulingyuan. Er ist auf einer Fläche von 48.15 km2 des Wulingyuangebiets, das 397.5 km2 hat. Zum Vergleich, der Kanton Zug hat eine Fläche von 239 km2.

Tag 1: Mit Bus zur ersten Gondel, oben angekommen wanderten wir gut vier Stunden ins Tal hinunter. 


Tag 2: Mit dem Bus zum Lift, oben ausgestiegen machten wir eine Rundwanderung. Dabei konnten wir die Avatar-Landschaft bewundern. 


Tag 3: Mit dem Bus zum Lift, oben angekommen mit einem Bus zur dritten Gondelbahn. Mit der Gondel hinunter zur Talstation, anschliessend Wanderung bis zum Ausgang Süd und dann mit dem öffentlichen Bus zum Hotel zurück. 


Tag 4: Mit dem Bus zum goldenen Tal. Wanderung durch das Tal hin und zurück. Anschliessend zur Gondel Nummer 1. Hier fuhren wir hoch, genossen das Panorama zum Abschluss noch einmal und stiegen in die Gondel zur Talfahrt.

Zum Schluss des Aufenthalts fuhren wir am nächsten Tag mit einem Taxi zur Glasbodenbrücke Zhangjiajie. Ein atemberaubender Moment, über die Glasbrücke zu gehen. Die anschliessende Wanderung durch die Schlucht war direkt erholsam.

Nach diesen erfüllenden Tagen im Gebirge sind wir weiter nach Furong, der Altstadt über dem Wasserfall gefahren. Dort hatten wir die Absicht, zwei Nächte zu bleiben. Die Gastgeberin sagte uns, dass ein Tag genügend sei. Folglich blieben wir nur für eine Nacht. Mit einem Taxi fuhren wir weiter und besuchten den Redstone Forest Park. Der Taxifahrer fragte uns, ob er uns bis nach Fenghuang fahren solle, er würde uns auf dem Weg noch eine Miao-Altstadt zeigen.  

In Fenghuang logierten wir einige Nächte in der Phoenix-Altstadt. Wir fanden ein neues Hotel gleich neben der Brücke um in die Altstadt zu gelangen. In einem Restaurant probierte Maria ein Fleischgericht. Da waren etliche geräucherte Speckstreifen, eine Spezialität der Region. Für Maria war das Fleisch etwas zu hart und ich esse kaum Fleisch in China. Es war im Verhältnis teuer und wir hätten es schade gefunden, dass diese Spezialität weggeworfen würde. Wir liessen es einpacken. Auf dem Weg zur Altstadt sass ein älteres Ehepaar vor der Brücke. Maria hat sie angesprochen und gefragt, ob sie Lust auf das Fleisch hätten. Der Mann sagte nur, das sei sehr teures Fleisch. Nach etwas Zureden nahmen die beiden die Portion gerne. Das freute uns sehr.


Wir verliessen Fenghuang und reisten weiter mit einem Auto nach Tongren. Auf dem Weg dorthin besuchten wir die Grosse Mauer von Miaojiang. Sie wird auch die «südliche chinesische Mauer» bei Nanfang im Kreis Fenghuang genannt. Diese hat eine Länge von 190 Km. Der Zweck dieser Mauer war nicht zum Schutz vor Dschingis Khans Kriegern und Banditen, sondern um die unter sich etwas zerstrittene Miao-Bevölkerung zu trennen. Die, welche dem Gericht nicht gehorchen wollten wurden dadurch getrennt. Am Ende der Ming-Dynastie gab es eine Rebellion und etliche Mauerbereiche wurden dem Erdboden gleich gemacht.

 

Wir kamen in Tongren an, wo wir ein passendes Hotel fanden. Wir flanierten durch die neu gebaute Altstadt und fuhren einmal mit dem Drachenboot auf dem Jin Jiang Fluss. 

Von Tongren aus machten wir einen Tagesausflug zum Fanjing Berg. Wir nahmen ein Taxi, das uns hinfuhr und riefen an, um abgeholt zu werden. Wir bestiegen gleich zwei Berge. Einerseits der Hauptgipfel «goldener Phönix-Dom» mit dem interessanten Schiefergestein und andererseits der Nebengipfel «goldener Gipfel der roten Wolke», welcher aus zwei steil hochragenden Felsen besteht. Die zwei kleinen Tempel auf der Höhe erreicht man nach vielen, teils sehr steilen Stufen. Dieser Gipfel ist auch ein bedeutendes spirituelles Zentrum des chinesischen Buddhismus, das seit 2018 zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt.  

 
Bild links: In der Mitte die "Zwillings-Felsen". Vom Winkel und dem Licht her leider nicht zu erkennen. 

Bilder in der Mitte: Die kleine Brücke, welche die beiden Felsen verbindet. Es geht steil hinauf und wieder hinab. 

Nach dieser unvergesslichen Zeit durch das Wu-Gebirge mit den so verschiedenen geologischen Landschaften reisten wir nach Guiyang weiter. Fortsetzung folgt. 

 

Ein besonderer Gruss in die Heimat – «Nihao»

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