Covid-19 - Booster auf Sizilien
Der Covid-Schreck; plagt er die Menschheit noch länger ? Wünschen wir uns, dass die Pandemie bald ausgestanden ist und wir zu einem gewohnten Leben zurückfinden dürfen.
Forza Italia - Grazie
In den letzten Wochen habe
ich meine Finger beinahe wundgetippt. Deepl.com hat mir für die Übersetzungen
enorm geholfen. Es ist nicht einfach, wenn man etwas nicht Alltägliches
beantragt und dabei die Sprache nicht beherrscht. Beginnen wir von vorne.
Im letzten Dezember habe ich
mitbekommen, dass die Gültigkeit des Super-Greenpasses, wie er in Italien
genannt wird, ab 1. Februar 2022 von neun auf sechs Monate reduziert wird. Ich
habe X Webseiten geöffnet und fand teils gleiche, teils andere Angaben. Ich
habe die nationale Webseite von Italien aufgesucht, Texte kopiert und mit
deepl.com übersetzen lassen. Es war schwierig, zuverlässige Angaben zu
erhalten. Wenn es um die Einreise nach Italien oder umgekehrt geht, da gibt es
nicht nur beim TCS hilfreiche Informationen. Wenn man aber seit zwei Monaten in
Italien ist und weitere zwei Monate bleiben möchte, dann ist man wohl ein
Sonderfall. Dafür habe ich auch Verständnis.
In der Folge habe ich sicher
ein Dutzend E-Mail Adressen von Spitälern, welche auf Covid spezialisiert sind,
staatliche Stellen, ja sogar eine Gemeindeverwaltung angeschrieben. Antworten
habe ich nie erhalten. Vor einer Woche habe ich die Schweizerische Botschaft in
Rom angeschrieben. Ich erhielt prompt eine ausführliche Antwort. Ein Kränzchen
der Botschaft. Nun wusste ich mit Sicherheit, dass unser Grünpass ab 1. Februar
nicht mehr gültig ist. Das heisst, keine Museen, Freilichtmuseen, Hotels und
Restaurantbesuche mehr. Das nutzen des ÖV und Fähren etc. wäre nicht mehr
möglich. Vor vier Tagen erhielt ich für einmal eine Antwort eines
Fährbetriebes, bei welcher wir die Überfahrt von Villa San Giovanni nach
Messina gebucht haben. Sie beruhigten uns etwas. Es sei möglich, die Fähre ohne
Grünpass zu nutzen. Man muss sich melden und kann mit dem Auto auf die Fähre. Die
FFP2 Maskenpflicht besteht und grundsätzlich sollte man im Auto sitzenbleiben.
Bei uns rauchte es aus den
Köpfen. Nach Plan A haben wir bekanntlich unseren Plan B ausgearbeitet. Müssen
wir nun einen Plan C erstellen? Wir haben in alle Richtungen diskutiert. 2'000
Kilometer nach Hause fahren, die Booster Impfung, wenn möglich kurzfristig
erhalten, um dann wieder 2'000 Kilometer zurück zu fahren? Wenn wir
zurückreisen, gehen wir wieder nach Sizilien oder legen wir eine neue
Reiseroute an?
Bei unserer aktuellen
Unterkunft haben wir beim Besitzer nachgefragt, wo wir uns impfen könnten. Er
gab uns das Impfzentrum von Agrigent an.
26. Januar
Wir sind in das Impfzentrum «Palace Congressi Villaggio Mosé» gefahren.
Es ist in einem Kongresszentrum, das uns sehr ans Forum Freiburg erinnerte. Wir
wurden freundlich empfangen, doch niemand konnte weder Englisch, Deutsch oder
Französisch. Ich habe einen Text mit unserem Anliegen auf Italienisch
geschrieben und mit meinem Mobil fotografiert. Den Mitarbeitenden hielt ich
dann mein Mobil «vor die Nase». Einige Bruchstücke Italienisch verstehe ich,
und so kamen wir irgendwie weiter. Die Mitarbeitenden waren sehr hilfsbereit
und freundlich. Vermeintlich am Ziel angelangt teilte man uns mit, dass wir
ohne STP-Code keine Impfung erhalten können. Sie gaben uns die Adresse einer
Stelle an, die uns weiterhelfen könnte. Die «URP Cittadella Sanitaria»
(das Gesundheitsamt in der Metropolitanstadt Agrigent).
27. Januar
Wir haben dank
Navigationsgerät die Büros beinahe gefunden. Wir waren nahe dran, doch die
Strassen waren plötzlich so verwinkelt, dass ich nicht mehr weiter traute. Ich
sagte zu Maria, dass wir die letzten 1.4 Kilometer zu Fuss dorthin gehen, da gerade ein Parkplatz frei war. Zum
Glück gibt es freundliche und hilfsbereite Feuerwehrangehörige. An einer Einsatzstelle
auf der Strasse habe ich mir erlaubt einen Feuerwehrmann zu fragen. Er erklärte
mir genau, wie wir dorthin kommen. Er hat mir sogar auf meinem Mobile im Googel-Map
den Zielort eingegeben - grazie mille. Wir haben die Büros gefunden.
Dort wurden wir bereits vor der
Eingangstüre informiert, dass wir nicht am richtigen Ort sind. Wir müssten
weiter nach «Protezione Civile» gehen. Das war etwa 1.2 Km weiter. Wir sind zu
Fuss dorthin gegangen und kamen kurz nach 11°°Uhr dort an. Mit meinen
Italienischkenntnissen und dem Mobile habe ich mich durchgearbeitet. Zuerst
hiess es, im 1. Stock rechts melden. Dort hiess es, zuerst im Parterre anmelden. Im
Parterre hiess es, dass wir in den 1. Stock gehen müssten. Ich habe mit Händen
und Füssen erklärt, dass wir von dort herkommen. Schlussendlich wurde uns eine
Nummer gegeben. Acht Personen waren noch vor uns. Nach einer halben Stunde
wurden wir in den Wartsaal gelassen. Ich habe gerechnet: wenn jede Person vor
uns 10 Minuten in Anspruch nimmt, so sollten wir eigentlich vor 13°°Uhr an dir Reihe
kommen. Fehlgeschlagen, kurz vor 13°° Uhr waren wir an vierter Stelle.
Plötzlich kam jemand zu uns und sagte, dass die Büros um 13°°Uhr schliessen.
Die Dame an der Rezeption war immer sehr höflich und machte uns gelegentlich
etwas Hoffnung. Da sie wohl Mitleid mit uns hatte, bat sie uns, kurz zu warten,
ihr zu folgen und wieder zu warten. Endlich standen zwei Herren vor uns, die
wir bei der ersten Anlaufstelle auch schon gesehen haben. Sie hatten wohl bedauern
mit uns beiden und nahmen sich uns kurz an. Der Einte sagte, dass wir aus
seiner Sicht leider wohl keine Chance haben, eine Booster-Impfung in Italien zu
erhalten. Der Andere sagte, wir könnten, doch müssten wir für ein Jahr eine
Krankenkassenversicherung in Italien abschliessen. Schlussendlich gaben sie uns
noch eine Adresse an, wo wir allenfalls einen STP-Code (Strichcode) vom «Codice
Fiscale» (Finanzamt) erhalten könnten. Wir haben das Gebäude etwa um 14°°Uhr
verlassen.
Mit frischem Mut sind wir an
die uns mitgeteilte Adresse gegangen. Es war glücklicherweise auch nur knapp
einen Kilometer weiter. Dort angekommen lasen wir die Öffnungszeiten 8:30 bis
13:30. OK, am nächsten Tag heisst es früh aufstehen.
28. Januar 2022
Wir sind früh aufgestanden
und haben uns kurz vor 9:00 bei dieser Stelle gemeldet. Beim Eingang – welche
Freude, der Rezeptionist sprach etwas Englisch. Er gab mir Formulare und machte
Kreuzchen, wo ich auszufüllen habe. Ich füllte die beiden Anmeldebögen für uns
aus und gab sie ihm. Er schüttelte freundlich lächelnd seinen Kopf, stellte wohl fest, dass
wir zu wenig Italienisch verstehen, zerriss die beiden von mir ausgefüllten Formulare und nahm neue Bögen, füllte diese für uns
aus und bat uns zu warten.
Schon nach einer knappen
Viertelstunde rief er uns. Wir wurden an den Schalter 11 gewiesen, wo eine gut
gekleidete ältere Dame sass. Sie nahm die ausgefüllten Bögen und tippte das
notwendige in ihren PC. Sie schrieb im Zehnfingersystem. (Mein Vater schrieb
auch im Zehnfingersystem. Wie er jeweils sagte, tippte er mit zwei Finger und Acht
hatte er in Reserve! Er schrieb dreimal so schnell wie die korrekt gekleidete Dame.)
Maria fragte mich zwischendurch was sie mache und was wir vielleicht noch sagen
sollten sollten. Ich flüsterte ihr leise zu, dass sie nicht sprechen soll, wir
lassen die Dame einfach machen, sie wird uns schon fragen, wenn sie etwas
wissen muss. Kurz darauf gab sie mir die ausgefüllten Bogen zur Kontrolle. Bei der
Postleitzahl war eine Zahl der Visanakarte notiert. Ich korrigierte das und gab
ihr den Bogen zurück. Sie tippte weiter und «schwupps» druckte sie ein
Formular. Von weitem sah ich einen Strichcode, den wohl notwendigen STP! Mein
Herz machte leise Freudensprünge. Das zweite Formular für Maria wurde
eingetippt, wir haben kontrolliert und unterschrieben und «schwupps» kam ein
zweites Formular aus dem Drucker.
Sie überreicht mir die zwei
Formulare und gab uns die ID und Krankenkassenkarten zurück. Ich fragte zur
Sicherheit noch nach, ob wir direkt in das Impfzentrum «Palace Congressi
Villaggio Mosé» gehen können, was sie bejahte. Wir bedankten uns freundlich und
zogen davon. Beim Rezeptionisten machten wir einen kurzen Halt und ich rief ihm
zu «molto gentile, grazie mille» was er mit «it was a pleasure» beantwortete.
Daraufhin sind wir wieder zum
Impfzentrum «Palace Congressi Villaggio Mosé» gefahren. Bei der Ankunft
erhielten wir je eine Nummer und warteten vorerst draussen an der Sonne. Nach etwa 15
Minuten wurden wir mit weiteren acht Personen in den Wartsaal gerufen. Dort
warteten wir erneut einen relativ kurzen Moment. Dann ging es los. Am Schalter
übergab ich stolz die soeben erhaltenen Zertifikate «Certificato di
Attributione del Codice Fiscale». Mit meinen Italienischkenntnissen verstanden
wir die nötigen Informationen. Da wir keine italienische Telefonnummer haben
wurde uns mitgeteilt, dass uns am Folgetag in einer Apotheke melden müssen um
den Greenpass zu erhalten. Am nächsten Schalter gab es etwa sechs Fragebögen,
es versteht sich, alles auf Italienisch, doch hier konnte die Dame etwas
Englisch. Wir haben alles unterschrieben, grundsätzlich im Wissen, um was es
sich handelt. Wir wurden in den Vorraum begleitet. Nach zwei-drei Minuten hat
man uns gerufen.
Auf dem Begleitbogen ist
korrekt «terza vaccinatione» und Moderna aufgeführt. An der letzten Station
sass dem Kittel nach wohl ein Doktor, er prüfte die Formulare.
Sicherheitshalber fragte ich noch einmal «terza vaccinazione» was er
bestätigte. Die «Impfdame» war etwas ungeduldig und zog mich beinahe in die
Kabine. Es pickte kaum und vorbei der Schreck. Ich bin zum dritten Mal geimpft.
Ich kam aus der Kabine und konnte Maria noch einen Hinweis geben, dass es gut
und schmerzlos gehe. Doch auch sie musste der temperamentvollen Dame schnell in die Kabine folgen.
Wir sind drei Mal geimpft! Tutti perfetto – ja und plötzlich ging es schnell.
Grazie Italia
In Anbetracht, dass wir keine italienische Telefonnummer haben, wurde uns wie schon erwähnt nachhaltig mitgeteilt, dass wir uns in einer Apotheke melden müssen, um den Greenpass entgegen nehmen zu können. Wir sind in dasselbe Quartier gefahren, wo wir eine Apotheke gesehen haben. Wir haben den gesamten, mittlerweile angestiegenen Papierkram vorgelegt. In der Apotheke wurden wir freundlich empfangen, die Dame tippte Zahlen um Zahlen ein, schüttelte den Kopf und sagte, dass die Daten noch nicht geladen seien. Wir sollen am Montag vorbeikommen. Am Montag, wieder Kopfschütteln und am Dienstag wieder Kopfschütteln. Wir gaben meine Mobilnummer und die E-Mail-Adresse an und warteten auf Bericht. Heute, am 3. Februar fuhren wir zum vierten Mal die Strecke von 12 km (24 km hin- und zurück) und fragten in der Apotheke nach. Dieselbe Dame gab erneut die Zahlen ein und… schüttelte bedauernd den Kopf. Sie bat uns, doch noch einmal ins Impfzentrum zu fahren. Das haben wir gemacht.
Wir meldeten uns im
Impfzentrum an. Ich fragte, ob jemand Englisch spreche, ein junger Herr sagte, «seulement
un peut français». Meine Augen strahlten, très bien… er sagte uns: «suivez-moi»,
setzte sich an einen PC und nach fünf Minuten erhielten wir die beiden EU-Zertifikate.
Das Geburtstagsgeschenk für Maria, ja für uns beide.
Nun freuen wir uns riesig,
mit den notwendigen Freiheiten und Sicherheiten, die angebrochene Reise
fortsetzen zu dürfen.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen