Vom Tal der Tempel in Agrigent zum Commissario bis Naro

Wir haben schon etliche dorische Tempel gesehen und werden wohl noch einige sehen (dorisch ist der Begriff für die Säulenordnung). In Akragas (Agrigent) stand der wohl grösste Tempel der von einer griechischen Kolonie ca. 480 BC auf Sizilien gebaut wurde. Die Architekten waren offen und entwickelten Details der Tempel. Beim Olympieion-Tempel, oder Tempel des olympischen Zeus, wie er genannt wird, wurden Halbsäulen gestellt und davor figürliche Stützfiguren.  
Die Tempel wurden für ihre Götter gebaut. Im Innern des Tempels ist eine Cella (Zelle, rechteckiger Raum), in welcher die entsprechende Götterstatue aufgestellt wurde. Die Cella war der Ort, ein geschlossener Raum, der nur durch eine Türe betreten werden konnte, in welchem die Gottheit aufgestellt wurde. Die meisten griechischen Tempel sind nach Osten gerichtet. So kam bei tiefstehender Sonne Licht durch die Türe in die Cella und die Gottheit konnte gesehen werden. Zutritt hatten grundsätzlich nur Priester.
Für den Kult stand vor dem Tempel ein Altar. Verehrungen und Anbetungen wurden folglich nicht im Tempel selber, sondern ausserhalb gefeiert. Opfergaben wurden auf dem Altar zelebriert. 
 
Wenn man vor dem Tempel steht und sich vorstellt, wie Menschen vor über 2'500 Jahren auf dem Gelände waren, um einen Kult zu feiern, gehen einem die Gedanken weit. Diese enormen Säulen, die Grösse des Tempels und davor der kleine Mensch, Menschen. Jeder Tempel war einer Gottheit gewidmet und die Gottheit darf nicht erzürnt werden um Wohlstand und Frieden zu halten. Sehr eindrücklich. 


Concordiatempel in Akragas, einer der besterhaltenen Tempel auf der Welt


Akropolis stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet die Hochstadt, in vielen Städten auch die Oberstadt genannt. Es wird angenommen, dass früher auf dem höchsten Punkt der Stadt Agrigent, wo heute der Dom steht, ebenfalls ein Tempel stand. Wenn man das Tal der Tempel besucht geht man eher davon aus, dass es ein Tempelhügel ist. Wir sind fast fünf Stunden über das Gelände gegangen. Wir waren nie in einem Tal. Doch wenn man seinerzeit von der Stadt Akragas auf die Tempel sah, sieht man "in das Tal" hinunter. 

Nachfolgend einige Aufnahmen vom Tal der Tempel

 
  

   

 

 

Warum komme ich vom Tal der Tempel zum Commissario? Einfache Antwort: wir besuchen nicht nur griechische Bauten in Italien und auf Sizilien. Das Land ist so vielseitig wie es gross ist. Wir besuchen Städte, wir machen Wanderungen in Naturschutzgebieten, wir lernen Menschen kennen und dürfen sehen, wie sie leben. Davon werde ich bei Gelegenheit auch berichten. Kommen wir zurück zum Commissario.
Porto Empedoclo, wo wir in einer Ferienanlage am Meer vom 25. Januar bis zum 8. Februar eine feine Wohnung mit Meerblick hatten, war die Geburtsstadt von Andrea Cammilleri. Er war ein italienischer Schriftsteller sowie Drehbuchautor und Regisseur. Der sizilianische Commissario Montalbano war seine erfolgreichste Romanfigur. Die Romane wurden in 30 Sprachen übersetzt.  Ihm zu Ehren steht an seinem Geburtsort eine Bronzestatue. Wir haben sie gesucht und schlussendlich gefunden. 

 Kommissar Br hat die Statue hinter einem Baugerüst entdeckt

Wie bereits festgehalten, besuchen wir nicht nur Tempelanlagen. So haben wir einen Ausflug in der Region von Agrigent gemacht. Mit unserem Cabrio 308cc sind wir etwa 30 Kilometer östlich nach Naro gefahren. Der Name der Stadt hat mich wegen den Zähringern angezogen, weshalb wohl? In der Zähringerstadt Villingen wird jedes Jahr eine grossartige Fasnet gefeiert. Ich durfte mit meiner Frau zwei Mal teilnehmen. Wenn die historische Narrozunft beim Umzug vorbeizieht, wird fröhlich "Narri" gerufen, die Antwort kommt umgehend und ebenso fröhlich mit Naro (wohl Narro) 😉.

Naro ist ein Ort mit gut 7'000 Einwohnern, der bereits in der Jungsteinzeit (bis ca. 2'000 BC) besiedelt war. Die Kleinstadt liegt auf einer Anhöhe und beherbergt das Castello Chiaramontano und mehrere Kirchen. Die Kirchen waren bei unserem Besuch geschlossen, gemäss Angaben im Internet wäre das Castello auch geschlossen. Doch bei unserer Ankunft war die Kasse besetzt, wir mussten unseren Greenpass zeigen und das Schloss wurde uns zur Besichtigung geöffnet. Naro hat eine angesehene Textilindustrie, so waren adelige Kleider in verschiedenen Räumen zu bewundern. Nebst verschiedenen Sälen führte der Weg auf eine Dachterrasse. Wir genossen einen umwerfenden Ausblick von hoch oben über die Stadt und die Landschaft. Wir schlenderten noch ein bisschen durch die Gassen. Die Menschen waren sehr herzlich, haben teils gegrüsst, einige Worte gesagt und gefragt, woher wir kommen. Diese Herzlichkeit hat uns sehr wohl getan. 

  
   
  
   


Auf dem Rückweg machten wir noch einen Halt in Favara. Wir mussten über anspruchsvolle Strassen fahren. Einmal bin ich sogar ausgestiegen und besichtigte die Strasse um zu entscheiden, welchen Bogen ich fahren muss, damit unser Auto nicht irgendwo hängenbleiben würde. Lieder fuhren wir auch durch unglaubliche Müllhalden. Was da alles am Strassenrand liegt ist sehr schade. Da wird einfach alles und überall entsorgt.

  

In Favara befindet sich eine Burg, das Castello Chiaramonte und unter anderen, die Chiesa del Santissimo Rosario. Von aussen unscheinbar, innen voller Stukkatur und Figuren. Die Kirche und das Castello waren leider geschlossen. Wir haben in Naro so viel Schönes gesehen, sodass wir unseren Heimweg anpackten. 

 
 

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