Italien, Erlebnisse IV

Capella della Santissima Trinità alla Zisa

Im Internet habe ich entdeckt, dass die Sommerresidenz Castello della Zisa der normannischen Könige am Montag geöffnet ist. Pech gehabt, in Google-Map wurden die Öffnungszeiten nicht angepasst, ich hätte die Webseite öffnen sollen. Nach einer stündigen Wanderung durch die Stadt Palermo war die Enttäuschung gross, vor geschlossenen Türen zu stehen. Wir entdeckten gleich daneben einen Kircheneingang und streckten unsere Nasen hinein. Niemand war da, trotzdem wagten wir einige Schritte hinein. Eine kleine sehr spezielle Kirche die uns die Herzen erwärmte. Im nächsten Raum war ein Herr mit drei Personen, der ihnen die Geschichte der Kirche erzählte. Er rief uns sympathisch zu: "Andiamo!". Wir folgten der Gruppe. Eine Dame konnte etwas Englisch, so konnten wir nebst den italienischen Ausdrücken, die mir bekannt sind, den Ausführungen folgen. Wir hatten das Glück bis in den Dachstock hochgehen zu dürfen. Auf einer oberen Etage stand ein Stuhl hinter einem Fenster mit Blick auf die Zisa-Residenz. Der Kirchenführer packte Maria am Arm und sagte: "Madame" und zeigte auf den Sessel und deutete mit seiner Hand auf das Mobile von Maria "Scattare una Foto". Ein genialer Blick auf den Palast. (Siehe Foto links) Er erklärte auch, dass die Kirche im Jahr 1165 gebaut wurde, also zwei Jahre vor dem Abschluss des Palastes im Jahr 1167. 
Aus Erfahrungen anderer Begegnungen, eine typische sizilianische Herzlichkeit mit Stolz verbunden. 





Hausfrauenleben

Von den Herren der Schöpfung habe ich auch schon berichtet, dass sie oft in kleinen Gruppen auf Plätzen, Strassenzügen oder vor Kirchen stehen und wichtige Themen mit energischen Handbewegungen betont diskutieren 😊. Die Damen der Schöpfung sieht man kaum im öffentlichen Raum. Die Herren habe ich dokumentiert, für die Dokumentation der Damen war es etwas komplizierter. Welche Frau hätte es gerne, wenn sie im Morgenrock vor dem Haus putzend fotografiert wird. In Isola delle Femmine ist mir ein Schnappschuss auf dem Weg zum Bäcker, um Brot zu kaufen, gelungen. Die Dame auf dem Bild habe ich zwei Mal beobachtet, wie sie fein säuberlich die Laube und das Trottoir vor ihrem Haus wischt. Genau bis zur nächsten Liegenschaft, wo der Schmutz nicht in eine Schaufel genommen, sondern auf die Strasse geschupst wird. Zu ihrer Ehre, den Schmutz auf der Laube hat sie aufgenommen. 

Fast überall wo wir gewohnt haben und Nachbarbalkone oder Terrassen gesehen haben, die Frauen waschen täglich Kleider, Bettwäsche und so weiter, hängen auf und ...ich gehe davon aus, bügeln, falten und legen in die Schränke. Zwischendurch sieht man Frauen über den Balkon hinweg, wie sie mit Nachbarinnen - wohl auch - wichtige Themen diskutieren. 


 


Briefmarkenkauf im Hauptpostamt Palermo

Ich habe auch schon über die Poststellen in Italien berichtet. Immer, wenn wir durch eine Gasse gehen oder durch ein Wohngebiet fahren und man eine Menschenansammlung sieht, wussten wir, da ist eine Poststelle. In Palermo, im riesigen Hauptpostgebäude mit Säulen wie bei einem griechischen Tempel, war für einmal keine Menschenansammlung. Wir sind in die Schalterhalle gegangen. Ich habe mich herumgeschaut, wo man eine Nummer ziehen kann. Es hatte nur eine grosse Maschine mit Covid-Kontrolle. Ich fragte Jemanden, der auch in die Post kam. Leider waren es auch Ausländer wie wir, und sie konnten mir keine Antwort geben. So versuchte ich es selber. Ich begab mich zu der Covid-Pass Maschine und hielt mein Greenpass an den Scanner und siehe da, es blinkte grün, da mein Zertifikat gültig war und ich erhielt eine Nummer. Erste Hürde geschafft. 
Die Schalterhalle war nicht gefüllt mit Kundinnen und Kunden, so erschien meine Nummer schon nach einer knappen Viertelstunde. Zweite Hürde geschafft. Ich begab mich zum Schalter. Ein netter Herr fragte nach meinem Wunsch. Ich bat um sechs Briefmarken für Ansichtskarten, die wir in die Schweiz senden möchten. Er stand auf, diskutierte mit Kolleginnen und Kollegen und verschwand einen Moment und kam dann mit sechs Briefmarken welche von Hand eine notierte Nummer aufwiesen. Er setzte sich wieder auf seinen Sessel und eine Kollegin hat ihn kurz beraten. Er tippte auf seine Tastatur, es kam ein A4 Papier aus dem Drucker. Er halbierte das Druckerzeugnis. Ich bat, mit der MasterCard zu bezahlen. Im Gegensatz zur Schweiz ist das hier möglich. Er tippte wieder auf seine Tastatur, erneut spukte der Drucker ein Druckerzeugnis aus, welches erneut von Hand halbiert wurde. Es war die MasterCard Quittung. Nach Abschluss des Kaufs erhielt ich die sechs Briefmarken und die zwei Belege. Mit einem freundlichen Ciao wurden wir verabschiedet und auch wir erwiderten: "Grazie mille, buona giornata". 



Mitten im Dreh

Die Diva, die hier in einem Film eine Rolle fand, kannten wir nicht. Vielleicht war es auch nur ein Foto-Shooting für ein Modeblatt, wer weiss. Was der Mann mit seiner Karton-Bitte für eine Rolle spielte, wussten wir ebensowenig. Bestimmt hatte er keinen grossen Erfolg, denn die Teilnehmenden am Shooting waren zu sehr auf ihre Arbeit konzentriert, sodass er nach einigen Drehungen mit seinem Plakat und gekonnten Lächeln bald mal aufgegeben hat, die Aufmerksamkeit auf sich zu führen. Der Piazza Bellini mit seinen drei Kirchen ist grandios und... unterhaltsam. 


 




Mitbewohner die nicht alle gerne haben

Eine Wohnung, welche wir gemietet haben, entsprach wie viele unseren Erwartungen. Jian hat uns mit einem Besuch erfreut. Er konnte mit EasyJet von Basel herkommen. Wir konnten den Aufenthalt in der Wohnung verlängern. Die gemeinsame Zeit war sehr angenehm und für Maria ein riesiger Aufsteller. In Anbetracht, dass das Schlafsofa nicht angenehm war, hat sich Jian entschieden, in der Nähe ein Zimmer zu suchen. So haben wir die Tage zusammen verbracht und abends entweder im Restaurant oder in der Wohnung zusammen gegessen. Am Vorabend seiner Rückreise raschelte etwas und ich sah ein graues kleines Ding verschwinden. Ich bat Jian, sein Mobile mit Video bereit zu machen. Ich zog das Mikrowellengerät aus der Ecke und... schupps, sprang eine kleine Maus um die Ecke, fiel in das Spülbecken, sprang drei-vier Mal hoch, schaffte es herauszuspringen und um alle Ecken zu verschwinden. Jian und ich fanden das lustig, Maria etwas weniger. Am nächsten Abend fragte Maria, ob die Maus wohl noch in der Küche sei. Ich antwortete, dass diese bestimmt das Weite gesucht habe und dort hinaus ging, wo sie hineingekommen sei. Überhaupt, seien Mäuse nicht gefährlich. Maria ging schlafen und ich sass noch einen Moment in der Küche. Unserem Mitbewohner scheint es bei uns zu gefallen. Sie zeigte sich noch zwei Mal, eine hübsche kleine Maus mit vier weissen Pfötchen. Zur Sicherheit habe ich alle Nahrungsmittel auf den Tisch gestellt und diesen in die Mitte geschoben. So war der Zugang für die Maus bestimmt unerreichbar. Dass die Maus immer noch mit uns zusammen wohnt habe ich Maria erst am Abreisetag gesagt. 


 





Greenpass

Ich habe berichtet, wie wir Ende Januar in Agrigent zu unserem Greenpass gekommen sind. Wenn man während den Covid-Massnahmen Museen oder öffentliche Anlagen und ab und zu einen Restaurantbesuch bis hin zu einer Hotelunterkunft buchen möchte, kommt man ohne diesen Pass nicht weit. Jian ist gerade noch gekommen, wo der Pass benötigt wurde. So musste er für den Flug einen Test machen. Dieser war 72 Stunden gültig. Nach drei Tagen suchten wir eine Apotheke, welche die Tests anbietet. Dort wurde - wie er mitgeteilt hat - in beiden Nasen gebohrt. Es sei sehr unangenehm gewesen. Doch nach einer halben Stunde erhielt er einen Ausweis der für 48 Stunden gültig war. Beim Betreten von Museen oder im Restaurant musste er auch immer wieder erklären, dass das Dokument des Tests korrekt sei. Zum Glück sind die meisten Massnahmen nun aufgehoben. Es ist schon angenehm so. Wünschen wir uns, dass diese Corona-Geschichte in einer lebensfähigen Endemie angekommen ist. 






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