Piazza Armerina & Villa Romana del Casale bis Enna

Nebst historischen Stätten aus der griechischen und römischen Zeit, Kirchen, Burgen, Stadtzentren usw. bietet auch die Natur vielseitige und schöne Erlebnisse. Einen Ausflug ins Landesinnere haben wir vorerst nicht in Betracht gezogen. Zwei Gründe haben uns dazu gebracht, trotzdem einen Abstecher in das Gemeindekonsortium Enna zu machen. Erstens, die Stadt Piazza Armernina und zweitens die Hauptstadt Enna, welche auf 1'000 MüM liegt. Wenn wir diese Reise in das Landesinnere nicht gemacht hätten, wir hätten etwas ganz Besonderes verpasst. Zuallererst Piazza Armerina (ein Tipp meines Schlaraffenfreundes Rt. Bio-Topp), eine wunderschöne Stadt und vor seinen Toren die Villa del Casale mit seinen Mosaiken. Für diesen Tagebucheintrag könnte ich Seiten füllen, so beeindruckt hat uns das Erlebte. 


Piazza Armerina belegt erste Siedlungen im 8. Jahrhundert BC. Die heutige Stadt wurde 1080 gegründet, 1161 von den Normannen zerstört und ab 1163 wieder aufgebaut. 1296 tagte das sizilianische Parlament hier. Die Stadt ist sehr sauber und gepflegt. Die Menschen sind überdurchschnittlich freundlich. Wenn wir jemandem eine Frage stellten wurden wir freundlich und ausführlich, ja sogar geduldig, da wir die Sprache nicht beherrschen, informiert. Wir haben einander verstanden. So gab uns eine Dame den Tipp, nebst dem Dom unbedingt den Piazza Garibaldi zu besuchen. In der alten Bibliothek empfing uns eine Dame und führte uns durch das Gebäude. Sie erklärte uns viel und mit grosser Begeisterung. Als wir am Schluss 10 EURO für einen Kaffee oder die Bibliothek geben wollten, wurde das deutlich abgelehnt. Wegen uns haben sie die Bibliothek sogar 10 Minuten später geschlossen. 


Die eindrückliche Gemeindebibliothek beherbergt viele besondere Bücher. Eines der ältesten ist aus der Zeit von Christoph Kolumbus von 1492, der Entdeckung Amerikas. Wir haben auch ein Buch von oder über Konfuzius gesehen. Die Bibliothek mit der besonderen Deckenmalerei ist ein Bijou. 


Ein Herzstück ist mit Sicherheit die Villa Romana del Casale. Es wird angenommen, dass die Villa einer Adelsfamilie gehörte. Die Wissenschaftler sind sich noch nicht so einig. Was bestimmt ist, die Villa stammt aus dem 4. Jahrhundert. 1929, als die ersten Ausgrabungen durchgeführt wurden, fand man über 3'500 m2 Mosaike. Die Villa wurde wahrscheinlich durch Erdrutsche zerstört. Wohl aus diesem Grund blieben viele Mosaike in einem sehr guten Zustand. Wir waren von der Vielfalt an Themen und detaillierten Szenen überwältigt. Die Villa erstreckt sich über eine Fläche von 1.5 Hektar. Die Mosaike können von verschiedenen "Laufbrücken" aus der Höhe bewundert werden. Seit 1997 ist die Villa Weltkulurerbe der UNESCO. 







Im Vorfeld haben wir für den Besuch von Piazza Armerina etwa zwei bis drei Stunden geplant. Wir haben ohne Hin- und Rückfahrt mehr als fünf Stunden an diesen Plätzen verbracht. 

Am folgenden Tag war eine Wanderung mit einer Besichtigung des Schwefelbergbau Floristella-Grottacalda geplant. Den Naturschutzpark haben wir nicht auf Anhieb gefunden. Es war nicht so gut beschildert wie die Anfahrt zur Villa del Casale. Wir haben einen verrosteten und verbogenen Wegweiser gefunden. Die Strasse war für unser Cabrio nicht geeignet. Also parkierten wir auf einer grossen Fläche und begannen die Wanderung. Wir haben einige Schwefelbergbaugebäude gefunden, der Wald war schön und angenehm. Plötzlich hörte man von weitem Hundegebell. Da war Maria etwas verunsichert und bat mich, einen Stock zur Hand zu nehmen. Ich schmunzelte etwas, aber ihr Wunsch war mir Befehl. Wir kamen ohne Hundebegegnung wieder zu unserem Auto zurück. Ich sagte Maria, dass wir noch einen Anlauf nehmen. Wir setzten die Fahr fort über eher schlechte und kleine Strassen. Wir kamen wieder auf die Hauptstrasse und bogen rechts ab. Nach etwa 300 Meter, in letzter Sekunde, entdeckte ich von der Strasse zurückversetzt ein unauffälliges Plakat "Parco minerario di Floristella-Grottacalda". Ich wendete umgehend und siehe da, wir haben das Gesuchte gefunden. Es hat sich gelohnt. 

Wir konnten unsere schöne Wanderung durch das Gelände geniessen. Bei einem Grubenturm war wohl eine Berufsschulklasse. Ich sprach kurz mit dem Lehrer, welcher mir den Tipp gab, den Weg noch etwas weiter zu gehen. Wir könnten dort bis zum Bach gehen. Wir befolgten den Rat und waren beeindruckt vom kleinen Wasser, das wie Waschwasser aus dem Hügel floss, wo auch der Bach begann. Der Schwefelgeruch war sehr intensiv. 





Ich habe gelesen, dass im Dorf Leonforte ein ganz exklusiver Brunnen steht. Der Brunnen Granfonte steht auf der vorgesehenen Rundfahrt. Wir hatten noch Zeit und auch dieses Ziel hat sich gelohnt. Dieser monumentale Brunnen im Renaissance-Barock-Stil hat eine Länge von 24 Meter. Aus ebenso vielen Bronzespeiern fliesst frisches Quellwasser. Der Brunnen wurde 1651 gebaut. Er war, ist und bleibt - wie man sieht - immer noch Treffpunkt für die Bevölkerung des Ortes. 



Auf der Rückfahrt haben wir noch einmal kurz angehalten. Wir erfreuten uns einen Moment an den prächtigen, blühenden Mandelbaumplantagen. Das muss einfach festgehalten werden. 




Am Rückreisetag besuchten wir noch einmal die Hautpstadt Enna. Die Stadt liegt auf etwa 1'000 MüM auf dem hufeisenförmigen Gipfel des Monte San Giuliano, des Monti Erei Gebirges. Es ist schon beeindruckend, wie viele Städte in Italien auf der Höhe verschiedenster Berge gebaut sind. Das hatte strategisch seinen Grund. Nebst dem Castello di Lombardia, welches wir am Anreisetag besichtigten, sind der Dom und die Chiesa Santa Chiara aus dem frühen 17. Jahrhundert, die heute als Gedenkstätte für gefallene Soldaten des ersten und zweiten Weltkrieges dient, beeindruckend. Ein Lederfachgeschäft begeisterte uns, das Cuoiarte ist ein Geschäft des Handwerkers, welcher wunderschöne Artikel handfertigt. Maria ist glückliche Besitzerin einer tollen Handtasche. 






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