Tarent, Lecce und Bari


Wir haben Sizilien nach 102 Tagen am 18. April verlassen. Eine eindrückliche und unvergessliche Zeit. Tarent war die erste Destination, die wir wieder auf dem Festland besuchten. Weshalb Tarent? Murtner mögen mich verstehen, der Prinz von Tarent ist ein Begriff 😀. So habe ich im Internet nachgeschaut, ob diese Stadt ein Besuch wert ist oder nicht, auch wenn Tarent, respektive Taranto, wie es italienisch genannt wird, absolut keinen Zusammenhang weder mit der Murtenschlacht noch sonst einem Projekt hat. Ich komme darauf zurück. 

Nach Tarent sind wir noch weiter südwärts gefahren und haben Lecce besucht. Eine eindrückliche Barockstadt. Nach einigen Ausflügen ins Valle d'Itria besuchten wir Bari, eine Wunschdestination von Maria. Doch einmal mehr der Reihe nach. 


Tarent, eine beeindruckende Stadt in vielerlei Hinsicht. Wir haben ein Hotel auf der Insel, die von beiden Seiten her mit einer Brücke verbunden ist, angefahren. Sie hatten noch ein Zimmer und für unseren Cabrio 308cc fanden wir einen Parkplatz direkt vor dem Hotel. Die Altstadt auf der "Isola del Borgo Antico" im ionischen Meer, zwischen dem "Mar Piccolo" und "Mar Grande" beherbergt eine eindrückliche Kathedrale und das Castello Aragonese. 

Das Castello Aragonese wurde ursprünglich von den Byzantinern als Hochburg gebaut. Sie diente als Wehrschutz gegen die türkischen Invasoren und Angriffe der Republik Venedig. Ferdinand von Aragon hat gegen das Ende des 15. Jahrhunderts eine moderne Festung, wie sie heute noch zu sehen ist, daraus gemacht. In der Folge wurde sie noch einige Male verstärkt. Ende des 19. Jahrhunderts ging das Castello in den Besitz der italienischen Marine. Wir hatten ausserordentlich Glück. Als wir im Castello ankamen, begann gerade eine Führung durch einen Marineoffizier. Da wir der italienischen Sprache nicht mächtig sind, erhielten wir eine Informationsschrift in Englisch. Er führte uns durch die Mauern und erklärte die verschiedenen Bau- respektive Ausbauetappen. Die Brücke beim Castello ist eine faszinierende Drehbrücke, welche vom Castello her bedient werden kann. 

Mitte: Ein Modell der Altstadt mit den beiden Brücken von den Halbinseln her. 


Die Kathedrale wurde im Jahr 1071 erstmals auf Ruinen eines Tempels errichtet. Nach verschiedenen Zerstörungen wurde diese mehrmals umgebaut. Die Barockfassade ist aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts. Im Oktober 1964 erhielt die Kathedrale vom Papst Johannes XXIII den Titel "Basilica minor". 


Als wir durch die Gassen der Altstadt gingen hatten wir das Gefühl, dass die Zeit hier stehen blieb. Viele eindrückliche und markante Gebäude, alte Mauern, teils mit zugemauerten Eingangsbereichen, verwinkelte Gassen, ab und zu mit einigen Blumen geschmückt. Die Altstadt ist fast nicht mehr bewohnt, es hat schlicht zu wenig Parkplätze. Auf der einten Seite der Insel ist der Bahnhof und die Industrie, auf der anderen Seite wurde eine moderne Stadt mit Einkaufsstrassen à la Via del Corso in Rom gebaut. Längs der Strassen sind wunderschöne Palmenalleen gepflanzt, es hat moderne Wohnsiedlungen, die Neustadt lebt, ist gepflegt und schön. Die Altstadt, eigentlich ein Juwel, ist dem Zerfall nahe. Die politischen Behörden haben dies erkannt und sind nun daran, ein Projekt zu erarbeiten, um die Altstadt wieder zum Leben zu bringen. Das wird nicht einfach sein und vor allem Kosten verursachen. 

Wie eingangs erwähnt erinnert mich diese Altstadt an regelmässig auftauchende Forderungen einiger Parteien nach einer autofreien Altstadt in Murten. Unsere pittoreske Altstadt lebt dank einem geordneten Verkehr und knapp genügend Parkplätzen. Die Zähringer haben ihre Städte weitsichtig geplant, mit breiten Hauptgassen, damit diese der Zeit entsprechend genutzt werden können. Früher für Handwerk, Handel, Ross und Wagen, heute sind Autos an ihrer Stelle. Zum Glück sieht unser Städtchen nicht so aus wie die Altstadt von Tarent. "Häbe mer sorg zu üsere Perle".


Lecce wird auch Florenz des Südens genannt. Vom Charme her stimme ich dem zu. Sehr viele Bauten sind im Barockstil. Das Baumaterial ist vor allem aus dem weichen Tuffstein, welcher in der Umgebung abgebaut wird. 

Mitten in der Stadt, auf dem Piazza Sant'Oronzo, befindet sich das Amphitheater. Kaiser Augustus liess dieses bauen. Es hatte eine Kapazität für etwa 20'000 Zuschauer. 

Die Barockgebäude, Kathedralen, Kirchen, Paläste sind einfach umwerfend. Man kommt aus dem Staunen kaum heraus. Die Stadt lebt von und mit seiner Kultur. Es scheint wirklich lebenswert zu sein, man fühlt sich auf jeden Fall wohl. 



Bari, eine Wunschdestination von Maria. Sie hat in einer chinesischen Fernsehserie über Reisedestinationen in Europa einen Bericht über Bari gesehen. Seit dieser Sendung haben wir oft gesagt, dahin reisen wir einmal, gesagt, getan.

Bei unserer Ankunft begann gerade die Prozession des Schutzheiligen Nikolaus. Die Figur war in einem geschützten Glaskasten in der Basilika zu besichtigen. Sie wurde dann herausgenommen und an die Tür der Basilika mit Blick auf den Platz getragen. Anschliessend wurde sie in den Chor gebracht und es wurde eine Messe zelebriert. Nach der Messe, wir haben nicht so lange gewartet, wurde die Figur in ein "Papamobil" geladen. Die Prozession führte anschliessend durch die Gassen der Stadt. Die Basilika wurde Ende des 12. Jahrhunderts fertig erstellt und wird auch von der Orthodoxen Kirche genutzt. Die Zusammenarbeit scheint hier bestens zu funktionieren. Der scheinheilige russische Schlächter des 21. Jahrhunderts hat die Kirche 2017 besucht.

Einmal mehr schlenderten wir ohne Druck beinahe planlos durch die Stadt. Wir haben jeweils keinerlei Programm, an welches wir uns halten müssen, damit wir zum Beispiel in kürzester Zeit alle Highlights einer Stadt gesehen und besucht haben. Es versteht sich, dass ich mich vor jedem Besuch im Internet etwas vorbereite, damit wir wichtige Sehenswürdigkeiten möglichst nicht verpassen. Und wenn wir einmal etwas verpassen sollten… wir haben so viel gesehen, dass wir nicht unglücklich darüber wären. In einem Tourismus-Center oder einem Hotel holen wir uns jeweils einen Stadtplan und markieren die Orte, welche wir besuchen möchten. Für Bari nahmen wir uns wie in Lecce zwei ganze Tage Zeit. Es hat sich gelohnt. In Bari ist, wie in vielen italienischen Städten, die Stadt einfach gewachsen. Es gab früher wohl oft keine Stadtplanung, wie es die Zähringer pflegten. Die verwinkelten Gassen haben ihren Reiz, doch manchmal kommt man ohne Stadtplan in der Hand oder der MapsMe-App kaum an das gewünschte Ziel. Wie wir den Palazzo Fizzarotti gefunden haben, habe ich in Erlebnisse V festgehalten.

 

Die Normannisch-Schwäbische Burg (Castello Normanno Svevo) hat eine bewegte Geschichte. Die Anlage ist gewaltig und die Exponate interessant.


Besonders eindrücklich ist die "Nudelgasse", wo die "Nonnas" vor ihrer Haustüre frische Nudeln herstellen, die sogenannten Orecchiette (Öhrchennudeln). Die geschickten Hände drehen Röllchen, schneiden kleine Rädchen und pressen mit dem Daumen das Öhrchen. Das geht blitzschnell, man kann den Bewegungen fast nicht folgen. Gerne hätten wir einige Orecchiettis gekauft und mit nach Hause gebracht. Da diese Teigwaren jedoch nicht gut getrocknet sind, eben frisch, sollte man diese rasch konsumieren. Bei längerer Lagerung werden diese aufgrund der Feuchtigkeit grau.

Auf einem Festplatz fand eine Werbekampagne für Matera statt. Das hat uns sehr beeindruckt und "gluschtig" gemacht. Wir sind flexibel und haben spontan eine Unterkunft gesucht und gefunden. Von diesem Ausflug berichte ich separat. Einmal mehr ein unvergessliches Erlebnis. 


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