Der Teutoburgerwald, "Als die Römer frech geworden"

"Als die Römer frech geworden, tä tärä tä tä tä tä...", dieses Lied hat mein Vater öfters gesungen und wir Kinder haben aus voller Kehle mit eingestimmt. Die Handlung haben wir verstanden, zwei Kriegsparteien, der "böse" Angreifer verliert, die Sympathie ist natürlich beim Gewinner, der sein Land verteidigen konnte. Um welchen Krieg es sich genau handelte, wann, warum und so weiter war uns Kinder weniger bewusst. Das Lied hingegen bleibt ein richtiger Ohrwurm. Nun habe ich Zeit. Wir haben das Hermannsdenkmal im Teutoburgerwald besucht und ich begann mich mit dieser Geschichte zu befassen. Da gibt es unendlich viele Seiten im Internet und immer wieder kommt man auf Spannendes und Interessantes. Nach mehrmals einigen Stunden spannender Lektüre am Notebook entschied ich mich, keine Doktorarbeit zu schreiben. Diese Zeit will ich mir nicht dafür nehmen, ich hätte da andere Themen.

Vor gut 2'000 Jahren lebten die Römer, die im 8. Jahrhundert BC das römische Reich gründeten. Um das ganze Mittelmeer bis hin nach England haben sie ein Imperium aufgebaut, das schlussendlich etwa im 5. Jahrhundert AD zusammenbrach. Der letzte Kaiser des weströmischen Reiches, Romulus Augustulus, wurde im Jahr 476 AD bei einer germanischen Revolte abgesetzt. Es gibt unzählige Theorien zum Untergang des römischen Reiches. Waren es die Reformen, die zum Untergang führten, war der Einfluss des Christentums massgebend, ist die Ursache bei der Völkerwanderung zu suchen oder war es in moderner Form ausgedrückt ein Missmanagement der römischen Regierung. Auch ich habe meine Theorie, welche wohl stimmt, "das Wissen die Götter". 


Kommen wir zurück zur Schlacht im Teutoburgerwald (die Varusschlacht). Dass es Germanen gab und gibt ist mir seit immer bekannt. Dass es so viele verschiedene germanische Stämme gab war mir nicht bewusst. Neben den Cheruskern mit ihrem Führer Arminius im Jahr 9-16 AD, welcher in die Schlacht gegen Varus zog, gab es auch die Sueben, Langobarden, Friesen, Markomannen, Goten und viele mehr. Varus hatte den Auftrag von Rom, Germanien definitiv zu einer Provinz des römischen Reiches zu machen. Dieser zog mit drei Legionen (ca. 20'000 Mann) gegen die Cherusker. Die Cherusker hatten vergleichsweise ein bescheidenes Heer, ähnlich wie bei der Murtenschlacht. Sie waren mit der hochnäsigen und arroganten Art von Varus nicht mehr einverstanden und zogen gegen die drei Legionen, welche im Anmarsch waren. Arminius, der Führer der Cherusker gewann die Schlacht im Teutoburgerwald. Übrigens, Arminius hatte zu Beginn eine gute Beziehung zu Rom, er war dort in "Ausbildung". Weshalb er sich von Rom distanzierte, wie geschrieben, ich will keine Doktorarbeit schreiben. 

Vor knapp 200 Jahren wurde Arminius zu "Hermann" umbenannt und wurde damit Teil des deutschen Gründungsmythos. Hermann kommt wohl aus dem Altdeutschen "heri", das Heer/der Krieger und "Man" der Mann. 

Für Interessierte der Link zum Studentenlied. Übrigens auf Youtube findet man das auch musikalisch. https://de.wikipedia.org/wiki/Als_die_Römer_frech_geworden

* * *

Ursprünglich wollte ich eine Wohnung in Paderborn finden. Doch dort hatte es wenig und die waren im Hochpreisniveau. Ich suchte in der Region und fand in Detmold eine tolle Wohnung. Bei der Beurteilung des Standorts stellte ich fest, dass Detmold für die geplanten Ausflüge sehr zentral gelegen ist. Ich buchte, ein Glücksfall - es war eine sehr schöne Wohnung mit einem herzlichen Vermieter-Ehepaar. 

Bei der Anfahrt machten wir einen Halt in Wuppertal, wo ich vor 45 Jahren die Eisenwaren- und Wirtschaftsfachschule nach zwei Jahren mit Erfolg abgeschlossen habe. Eine Fahrt mit der Schwebebahn, die ganze Länge hin und her hat uns begeistert und ich erinnerte mich an schöne alte Zeiten. 



In Detmold besuchten wir das Freilichtmuseum. Wir entdeckten 500 Jahre westfälische Alltagskultur auf sehr spannende Art. Das Museum ist mit unserem Ballenberg zu vergleichen. Wir sind über vier Stunden durch die Anlage gewandert und haben tolle Liegenschaften bewundert. Die "Katzenglocke" (Ausdruck von mir frei erfunden) hat mich fasziniert. Auf den Höfen hatte es seinerzeit sehr viele Ratten und Mäuse. Sie hielten vor allem Katzen und kauften weniger Mäusefallen von Neroth ein. Bei den Kochstellen vor den Wohnungen im Ökonomieteil des Hauses, hatte es nach dem Kochen mit Holz immer noch etwas Glut. Katzen suchen bekanntlich die Wärme. Um zu verhindern, dass die Katzen an der Glut Feuer fangen und mit brennendem Schwanz durch das Tenn rennen, wurden diese "Katzenglocken" über die Glut gestellt. 


Ein Kirchenschulhaus, das habe ich noch nie gesehen, warum nicht.

Mitte: ein Ofenhaus. Rechts: eine "Glocke" oder eben meine Version, eine "Katzenglocke" 😊.


In Detmold kann man einen Teil des Schlosses mit Führung besichtigen. Das Schloss ist seit 1123 immer noch im Besitz der des Adels von der Lippe. Stephan, Prinz zur Lippe ist der heutige Chef des Hauses Lippe. Die junge Dame führte uns mit Begeisterung und spannenden Geschichten durch die 10 öffentlich zugänglichen Räume. 




Wir haben die Stadt Paderborn und das Schloss Neuhaus besucht. Der Hohe Dom zu Paderborn ist sehr eindrücklich. Karl der Grosse und Papst Leo III gründeten 799 das Bistum Paderborn. Ein eindrücklicher Bau mit seinem besonderen, 93m hohen Turm. Das Dreihasenfenster ist dabei bekannt. Drei Hasen, drei Löffel und doch hat jeder Zwei!




Das Schloss Neuhaus unweit von Paderborn ist ebenso eindrücklich. Es beherbergt heute eine Grundschule und ein kleines Museum, das natürlich am Montag geschlossen ist. 


Das Hermannsdenkmal       


Der Teutoburgerwald ist sehr eindrücklich. Manchmal hat man das Gefühl, soweit man schauen kann, Wald, Wald und nochmals Wald. Doch zum Glück hat es, wenn man durch das Land fährt, viele Getreidefelder, welche im Moment kurz vor der Ernte sind. Herrliche Farben, das Ocker im Zusammenspiel mit den verschiedensten Grüntönen. Wir haben eine eindrückliche Wanderung durch den Teutoburgerwald gemacht und können uns auch vorstellen, dass bei Unkenntnis in diesem Gelände keine Schlacht gewonnen werden kann. 




Die Externsteine können geologisch klar definiert werden. Man geht davon aus, dass die wahrscheinlichste Entstehungszeit dieser Steinformation vor etwa 110 Mio Jahren war. Vor 70 Millionen Jahren begann die nördliche Verschiebung der afrikanischen Platte. Die Steine sind aus einem Sandstein. Durch die Jahrhunderte wurde die Formation verschoben und gehoben. In den Wäldern sieht man ab und zu auch einzelne, freistehende Steinblöcke. Diese sind jedoch viel kleiner und unauffälliger. 

Umso mehr gibt es viele Sagen, Mythen und Geschichten. Es gibt Menschen, die glauben an einen spirituellen Ursprung wie Stonehenge. Da ist es nachvollziehbar, dass Esoterik-Fanatiker hier Einzug halten. Eine Sage ist mir hier sympathischer. Es geht einmal mehr um den Teufel. Dieser ärgerte sich, wenn Christen einen Gottesdienst vor den Externsteinen vor dem Felsbild mit Jesus und dem Kreuz abhielten. Aus Ärger nahm er eines Tages einen grossen Stein und warf ihn gegen den betenden Pfarrer. Dieser reagierte postwendend und hielt sein Kreuz gegen den Teufel. Der Stein verfehlte den Pfarrer und landete auf einem der Externsteinfelsen. Der Teufel war so wütend, dass er mit seinen Krallen den ganzen Felsen stürzen wollte. Dazu hatte er zu wenig Kraft. Er war ausser sich vor Wut, zog mit Gestank und Rauch von dannen und überliess den Mönchen von Paderborn die Stätte. Übrigens, es gibt so einen "Wackelstein" auf einem der Felsen (siehe Bild Mitte und Links) und einen schwarzen Abdruck in einem Felsen, der eine Klaue des Teufels darstellen könnte 😂...wie der Felsbrocken bei der Teufelsbrücke in der Schöllenenschlucht. 


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