Von der Vulkaneifel habe ich berichtet, eine spannende Region. Mayen ist touristisch eine interessante Stadt mit einer vielseitigen Region. Mit seinem Lukasmarkt im Oktober pflegt Mayen eine alte Tradition seit 1405, welche jedes Jahr gegen 300'000 Besucher anlockt. Nebst bekannten Trödlermärkten, Jahrmarktleben findet jeweils noch ein Schafmarkt statt. Ich stelle mir das vor wie früher in Murten, wo noch ein Viehmarkt, ein Säuli- und Schaf- und Ziegenmarkt am Martinsmarkt stattfand.
Diesen Markt konnten wir nicht erleben, doch was wir alles in dieser Region entdecken durften war schlichtweg grossartig.
Wir besuchten das Schloss Bürresheim. Ein sehr gepflegter Sitz, der bis 1921 von der letzten Besitzerin bewohnt war. Die ursprüngliche Erbin, die Schwester der letzten Besitzerin, war von Ihrer Hochzeit nach Hause gefahren. Nach einem tragischen Unfall auf der Rückreise konnte man nur noch ihren Tod feststellen. Das Schloss wurde im 12. Jahrhundert gebaut und welch ein Glück, es wurde nie weder erobert noch zerstört. Im Schloss selber hat es teils sehr alte Möbel, wie zum Beispiel eine Getreidetruhe aus dem 16. Jahrhundert. Ebenfalls eine Ledertapete von 1730 kann bestaunt werden. Das Schloss besitzt eine Aussenküche, welche im Sommer und eine grosse Küche im Innern, welche in den Wintertagen genutzt wurde. Ebenso findet man eine Ahnentafel, auf welcher die Adelswappen nach einander aufgemalt wurden. Ein Stammbaum, wie wir ihn kennen, wurde viele Jahre später auch erstellt. Leider durfte man im Innenbereich keine Fotos machen.


Links: Schloss Bürresheim Rechts: Philippsburg und Löwenburg in Monreal
Maria Laach, das Benediktiner Kloster, in welchem noch 35 Mönche leben und das Maar sind stimmungsvoll. Benedikt von Nursia wurde in Nursia bei Perugia geboren. Die schlechten Sitten gefielen ihm nicht. Er zog sich drei Jahre in eine Grotte zurück. Anschliessend engagierte er sich bei der Errichtung einiger Klöster. In der Folge verliess Benedikt mit einer kleinen Gruppe diese und gründete 529 auf dem Monte Cassino (welchen wir während unserer Reise durch Italien besucht haben) das erste Kloster der Benediktiner. Dieses Kloster ist nach wie vor das Stammkloster des Benediktinerordens, wo die Ordensregel für die Mönche verfasst wurde.


Unsere Wohnung war am Stadtrand von Mayen. Wir waren die ersten Gäste in einer neu renovierten Wohnung mit top moderner Küche und einem grosszügigen Badezimmer mit einer angenehmen Dusche. Das
Auto konnten wir hinter dem Haus parkieren und um in die Stadt zu gelangen,
hatten wir nur etwa 700 Meter. Die Stadt bietet einen historischen Rundgang an. Ich habe diesen auf mein Mobile geladen und wir besuchten alle 14 Plätze. Am Sonntag besuchten wir ein Musical, welches anlässlich der diesjährigen Festspiele aufgeführt wurde. Das Geschehen ist in einem kleinen Moselstädtchen. Ein Weinbauer führte sein alteingesessenes und angesehene Weingut. Er hat zwei Söhne, den einten hat er als Bub verstossen, da dieser sich als Mann nicht wohl fühlte. Das wusste nur sein Vater und seine Frau. Als es darum ging, das Weingut seinem zweiten Sohn zu übergeben überfiel den Vater Reue. Er entschied sich, ab nun, wie sein Sohn, eine Frau zu sein. Das gab nachvollziehbar in seiner kleinen Stadt viel Gesprächsstoff. Schlussendlich wollte er sogar Weinkönigin werden. Seinem zweiten Sohn passte das nicht und er überzeugte seine Braut, sich auch als Weinkönigin zu bewerben. Diese war nicht so begeistert, da sie lieber Bier trinkt, doch machte sie einen Moment mit. Kurz vor der Ernennung der Weinkönigin wurde der Sohn in das Geheimnis eingeweiht, dass er einen Bruder habe. Sofort zog er nach Paris, fand seinen Bruder und versuchte ihn zu überzeugen, dass er in seine Geburtsstadt komme. Dieser - oder eben diese - lehnte dankend ab. Doch am Tag der Krönung erschien "sie" plötzlich und sagte als Weinkönigin zu. Doch nach einem Jahr werde "sie" wieder nach Paris zurückkehren. Sein Vater streifte seine Frauenrolle ab und entschuldigte sich bei seinem Sohn für das Leid, das er ihm mit der Verstossung zugefügt habe. Er habe in diesen zwei Jahren erfahren können, was Menschen in dieser Situation durchmachen müssen. Das Stück heisst: "Brigitte Bordeaux" und wurde professionell, sehr schön, mit vielen Wortspielereien, guter Musik und Gesang aufgeführt.
Genovevaburg Mayen vom Marktplatz her, Mitte links altes Rathaus, rechts Genovevaburg vom Stadtrand her.
Monreal wird mit seinen Fachwerkhäusern, wo noch drei alte Steinbrücken über die Elz führen, auch als schönstes Dorf der Eifel genannt. Wirklich ein malerisches kleines Dörfchen. Man darf es ruhig Städtchen nennen, denn es hatte einst eine Ringmauer. Auf der mittleren Brücke steht der heilige Johannes von Nepomuk. Er war ein böhmischer Priester und Märtyrer. Er gilt als Brückenheiliger und Patron des Beichtgeheimnisses. Im Hintergrund stehen stolz die beiden Burgruinen Löwenburg und Philippsburg. Im Pfarrgarten fühlten wir uns wohl, wir genossen einen Flammkuchen mit Pfifferlingen und ein feines Glas Wein dazu. Ich erinnerte mich dabei mit Freude an den Gartensitzplatz vor dem Pfarrhaus in Murten und einen speziellen Sitzplatz im Blessonay.
In Andernach, römisch Antunnacum (wohl aus dem Keltischen), liess Gaius Julius Caesar in den Jahren 55 & 53 BC zwei Brücken über den Rhein nach Neuweid bauen. Andernach gilt als eine der ältesten Städte in Deutschland. Sie feierten 1988 ihr 2'000-jähriges Bestehen. Hier kann man eine Geysir-Expedition machen. Wir waren dabei. Zuerst besucht man ein interaktives Museum, um die Entstehung der Vulkaneifel zu verstehen. Anschliessend geht es mit dem Boot gut 20 Minuten Rheinabwärts um den Geysir zu bestaunen.
1903 wurden Bohrungen gemacht, um Kohlenstoffdioxid für Mineralwasser zu gewinnen. Zu dieser Zeit wurde der Geysir das erste Mal eruptiv und erreichte eine Höhe von 40 Meter. 1957 wurde die Produktion eingestellt. Ende 1990 kam die Idee, diesen Geysir touristisch wieder zu beleben. Auf dem Gelände im Eigentum der Stadt Andernach wurden 2001 neue Bohrungen vorgenommen. Das herausspeiende Wasser stammt aus dem Bohrbrunnen aus einer Tiefe von 350 m. Der Geysir ist also echt, doch man hat mit der Bohrung den Standort festlegen können. Der Druck, welcher das Wasser in die Höhe speit, wird ganz natürlich erzeugt. Ist schon spannend.
Auf der Rückfahrt besuchten wir noch das Römerbergwerk Meurin. Schon interessant, wie und dass zu dieser Zeit bereits unterirdisch von römischen Bergmänner der Bimsabbau in einem Steinbruch gefördert werden konnte. Man kann auch erleben, wir die Steinblöcke ausgeschnitten und dann aus dem Stollen auf Rundholz hinausgerollt wurden. Ebenso wird die Technik des Hebens eindrücklich gezeigt.
Zum Schluss wanderten wir noch durch den Vulkanwald bei Kottenheim. Auf dieser Rundwanderung sahen wir all die verschiedenen Zeichen der Vulkanzeit. Krater, klein, mittel bis gross, welche auf dem Waldboden sehr gut sichtbar sind. Da bestaunten wir Lavagestein in verschiedensten Formen auf dem Sieben Stuben Weg. Übrigens, in diesen "Stuben" suchte die Bevölkerung während dem zweiten Weltkrieg Schutz vor Luftangriffen. Imponierende Basaltwände und von der Höhe eindrückliche Weitsicht.








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