Wir sind so richtig in der Normandie eingetaucht und entdecken eindrückliche Regionen, offene Menschen und, leider in diesen Tagen eher bedrückend, unzählige Kriegsdenkmäler in den Städten und der Küste entlang. Es geht mir nicht in den Kopf, dass es immer wieder grässliche Menschen wie Putin gibt, der in ein Nachbarland einmarschiert, Krieg führt und behauptet, es sei kein Krieg. Der Schulen, Spitäler und Wohnsiedlungen bombardiert und behauptet, er schütze die Zivilbevölkerung, der keinen Krieg will und behauptet, die anderen sind schuld. Der sich entsprechend äussert, dass Russland zu Verhandlungen bereit sei, vorausgesetzt sie erhalten was sie wollen. Es ist schlicht unglaublich. Meine Gedanken sind bei den Menschen, Soldatinnen und Soldaten beidseitig auf dem Feld und ich wünsche, dass in absehbarer Zeit Frieden einkehren wird.



Eine eindrückliche Natur haben wir in Étretat bewundert. Die Alabasterküste ragt kilometerlang bis über 100 Meter steil in die Höhe. Fantastische Formationen werden von der Natur geformt. Es hat nur einzelne Taleinschnitte, wie zum Beispiel in Étretat. Das Städtchen ist ein Bijou. Von dort her kann man in beide Richtungen erholsame Wanderungen mit Blick auf das Land, der Küste entlang und in die Ferne über das Meer erleben. Es ist so schön, dass ich später nochmals darüberschreibe.
Dieppe ist die erste Stadt, die wir in der Normandie besuchten. Sie beherbergt eine Burg aus dem 14. Jahrhundert, eine vielseitige und lebendige Altstadt mit schönen Restaurants und Geschäften. Die Hafenanlagen sind enorm. Unzählige Boote schaukeln im Wasser und warten darauf, in See stechen zu können, sei es zum Freizeitvergnügen oder für den Beruf.





Mit 22 Jahren reiste ich mit dem Zug nach Rouen und Le Havre. Ich erinnere mich an die eindrückliche Kathedrale, doch die Stadt als solche war mir nicht mehr so präsent. Ich führte seinerzeit ein Skizzentagebuch. Ich hatte vor, nach meiner Pensionierung die Malkunst wieder aufzunehmen. Das Umfeld dazu muss stimmen, ob ich das nochmals finden werde...
Meine Reiseeindrücke im 1976 mit Tusche geschrieben und skizziert. (Links, Mitte = Rouen, Rechts = Le Havre)
Zurück, nach 46 Jahren, immer noch eine grossartige Stadt. Maria war vom ersten Moment an begeistert und ihre Feststellung war sogleich: "Wieso bleiben wir nicht länger in dieser Stadt?" Ich habe diese Stadt in positiver Erinnerung, doch war ich mir des Reichtums an Baudenkmälern, Geschichte und Kultur nicht mehr bewusst. Der Seine entlang ist es eher trist, doch nach einigen Schritten ist man mitten in der Altstadt, und fühlt sich in einer anderen Welt. Viele Fachwerkhäuser säumen die Gassen, manchmal sieht man noch alte Abwasserbächlein und der eindrückliche Uhrenturm fasziniert. Rouen, die Hauptstadt der Normandie mit dem Justizpalast, seiner kopfsteingepflasterten Fussgängerzone und dem Marktplatz sind gewaltig. Wir besuchten das Museum "Jeanne d'Arc". Die Geschichte wird auf eine originelle Art in einem Seitentrackt der Kathedrale auf verschiedenen Stockwerken erzählt.
Claude Monet hat 1892/93 zahlreiche Gemälde von der Kathedrale gemalt. Ein Freund überliess ihm einen Platz in seiner Wohnung vis-à-vis der Kathedrale. Es ist eine ausserordentlich spannende Stadt, die wir vielleicht noch einmal besuchen werden.
Le Havre, eine Stadt, die während dem zweiten Weltkrieg dem Erdboden gleichgemacht wurde. Da geht mir gleich wieder der Gedanke der russischen Besatzer durch den Kopf, die Mariupol ebenfalls dem Erdboden gleich gemacht haben und Putin belügt sein Volk indem er mitteilt, dass sie nur militärische Anlagen bombardieren. Ende der Feststellung.
Nach dem Ende des Kriegs war der Architekt August Perret der Stadtplaner für den Wiederaufbau von Le Havre verantwortlich. Er gilt als Meister des Eisenbetonbaus. Im Stadtkern ist alles rechteckig geplant und gebaut. Die Opera "Le Volcan" ist mitten in der Stadt. Le Havre bietet viel, doch wir fühlten uns nicht so wohl. Es hat kein so richtiges Zentrum, teils marschiert man meterweise an Betongebäuden entlang ohne Geschäft, Restaurants etc. Es hat eine Markthalle, doch auch um diese herum ist kein Zentrum für Begegnungen. Die Kirche von aussen ist etwas Besonderes, markant, aber nicht so einladend. Sie erinnert an einen Leuchtturm. Im inneren der Kirche haben wir jedoch eine längere Zeit verweilt. Die 12'768 mundgeblasenen (?) bunten Glasfenster sind unten massiger und gegen oben feiner. Je höher man schaut, umso heller ist der Lichteinfall. Die Künstlerin Marguerite Huré liess sich vom Sonnenlauf inspirieren. Die Farben rosa und lila als Symbol der Geburt, Gold und Orange als Triumpf Christi, anschliessend Rosarote Töne bis zu den blauen Farben der Jungfrau Maria. Die Kirche wurde 2005 in der Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.


Rechts: "Pont de Normandie", Schrägseilbrücke über die Seine, mit 858m die grösste Spannweite in Europa.
Um die Region zu entdecken ist Le Havre ideal. Wie schon geschrieben genossen wir einen sonnigen Tag in Étretat. Ich hätte Lust gehabt am Strand zu baden. Doch die Wanderungen an der Küste hatten Priorität. Wir sind mehrmals über die "Pont de Normandie", welche von Le Havre nach Honfleur führt gefahren. Die Schrägseilbrücke, ein gewaltiges Bauwerk, kann man von weitem sehen. Wenn man den "Brückenzoll" von EURO 5.60 sparen möchte, fährt man eine Strecke von über 70 Kilometer anstelle von 25. Da ist die Rechnung wohl schnell gemacht.
Deauville und Honfleur entdeckten wir an einem Tagesausflug. Deauville ist bekannt für den Pferdesport. Es beherbergt zwei Pferderennbahnen, es wird Polo gespielt, Jagdreiten, Dressurreiten, kurz, es scheint, dass hier alle Pferdesportarten gepflegt werden. Deauville selber hat eine bildschöne Altstadt, war uns jedoch etwas zu gross. Wir waren nur einen kurzen Moment in dieser Stadt. Wir sind dann nach Honfleur weitergefahren. Eine kleine sympathische Stadt mit vielen kleinen Geschäften, Restaurants um den Segelhafen herum, eine Kirche mit "zwei Hälften" wie wir es noch nie gesehen haben. Hier fühlten wir uns wohler.
In Étretat haben wir beim Kaffee ein Schweizer Ehepaar kennengelernt, die auf einer Busfahrt vom Waadtland her in die Region gefahren sind. Sie erzählten uns, welche Ortschaften sie während der Reise besuchten. Dabei war Lisieux ein Thema. Kurzum sind wir dorthin gefahren und besuchten die Basilika, welche im 20. Jahrhundert gebaut wurde und die zweitwichtigste Wallfahrtsstätte Frankreichs ist. Die Bauarbeiten begannen 1929 und wurden 1954 abgeschlossen. Über zwei Millionen Menschen besuchen dieses Gotteshaus jährlich. Die Basilika im neuromanischen Stil ist der Karmelitin Thérèse Martin, bekannt unter Thérèse vom Kinde Jesu geweiht. Sie wurde 1925 heiliggesprochen. 2015 wurden auch ihre Eltern von der römisch-katholischen Kirche heiliggesprochen.
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