Algarve pur, Teil II mit Verbindung nach Murten

Katharina Gasser, Andreas Fink und Sir Ibrahim Miró stehen im Mittelpunkt dieses Reiseberichts. Murtner, welche in die Algarve ausgewandert sind und hier ihr Leben in ihrem neuen Heim geniessen. Wir kennen uns seit langem und so habe ich mit ihnen Kontakt aufgenommen. Spontan haben sie uns eingeladen, bei und mit ihnen einige Tage zu verbringen. Dieser Aufenthalt wird ein Höhepunkt unserer Reise bleiben. 


Wir waren noch nicht eng befreundet und so gingen wohl bei ihnen wie bei uns Gedanken durch den Kopf, wie werden diese drei Tage, respektive vier Nächte verlaufen. Was klar war, wir freuten uns sehr auf die Begegnung und ich gehe davon aus, dass sich auch die Gastgeber auf unseren Besuch mit Zuversicht freuten. Als wir bei ihnen eingetroffen sind, begrüssten wir uns herzlich und ich hatte sofort das Gefühl, der Funken ist gesprungen und wir werden einige schöne Tage zusammen verbringen dürfen. Wir bezogen die Einliegerwohnung, welche mit einer grossartigen Küche ausgerüstet ist und, nebst zwei Schlafzimmern und zwei Nasszellen, einen grossen Wohnraum mit herrlicher Aussicht Richtung Südwesten zum Cabeço de Câmara (rund 200 Meter hoher Hügel), genannt "Bodemünzi" bis hin nach Albufeira – und im Hintergrund immer der Atlantik. Um zu ihrem Wohnhaus zu gelangen geht man durch den Eingangsbereich und ein weiteres Schlafzimmer mit Bad, welches direkt mit Ihrem Hausteil verbunden ist. Katharina fragte uns, ob wir mit ihnen zusammen Abendessen. Gerne haben wir zugesagt und wurden mit einem grossartigen Dreigangmenu verwöhnt. Zum Abschluss genossen alle vier einen feinen Singlemalt, bevor wir uns glücklich und zufrieden ins Schlafzimmer begaben. 




Wer ist Sir Ibrahim Miró? Maria hat bekanntlich grosse Angst vor Hunden, ob gross oder klein. Miró ist ein ausserordentlich lieber, lebendiger, folgsamer und schöner Jack Russel Terrier. Seine Art erinnerte mich sehr an unseren Hund, ein Welsh Terrier namens Flocki. Unermüdlich, fröhlich, spielfreudig, kurz einfach ein Hund zum Gernhaben. So hat Maria wohl zum ersten Mal einen Hund in ihr Herz geschlossen. 


Am Tag eins gab es eine Stadtführung durch Loulé. Eine gepflegte Kleinstadt wo ich gut verstehe, dass man sich hier rasch wohlfühlen kann. Andreas gibt sich schon fast als Einheimischer mit seinen Portugiesisch Kenntnissen. Maria bot an, ein chinesisches Abendessen zu kochen. Das wurde gerne akzeptiert, wir kauften Lebensmittel und Wein ein und verbrachten so gemeinsam einen weiteren gemütlichen Abend bei einem feinen Essen. 


Am nächsten Tag gingen wir zusammen nach Quinta do Lago um an der Lagune zu spazieren. Es ist nachvollziehbar, dass man sich hier schnell wohlfühlen kann. Die vielseitige Landschaft vom Meer bis in die Höhen, die Uferlandschaften, Küstenformationen, über die Flächen bis in die Wälder. Die Menschen sind gut gelaunt, die Lebenshaltungskosten tief und es ist im Vergleich zu vielen anderen Ländern, die wir besucht haben, sei es auf dem Land oder in den Städten, sehr sauber. 



Abends genossen wir erneut Katharinas Küche. Abwechslungsweise zauberten Katharina und Maria grossartige Menus auf den Tisch. Andreas und ich wurden nach Strich und Faden verwöhnt. Nach dem Essen kredenzte uns Andreas im Sinne von "the same procedure as every year" einen feinen Singlemalt und so wir liessen jeden Abend gemütlich ausklingen. 

Am Tag drei boten uns die Gastgeber an, mit uns zusammen in ein Naturschutzgebiet zu fahren, wo es Korkeichen gibt. So sind wir zusammen nach Fonte Férrea gefahren. Eine eindrückliche Wanderung mit ortskundigem Führer, welcher die besten Abkürzungen kannte, führte uns durch das kleine Tal mit verschiedenem Gehölz und eben Korkeichen. 

Maria bot an, abends Dumplings zu kochen. Sie war über eine Stunde in der Küche und walzte den frisch gemachten Teig aus und bestückte eine Hälfte mit einer herrlichen Fleisch- und die andere Hälfte mit feiner Gemüsefüllung. Den Abend liessen wir, um es dieses Mal korrekt zu formulieren, nach dem Motto "the same procedure as every night" ausklingen.  


Die vier Nächte sind flugs vergangen und wir verabschiedeten uns bei unseren Freunden und fuhren nach Olhão weiter, wo wir eine Wohnung für eine Woche gebucht haben. Die Küste ab Olhão ist ganz anders als Richtung Westen. Es sind grossflächige Lagunen und Dünen, die das Landschaftsbild prägen. Die Gezeiten sind eindrücklich über das flache Gelände zu sehen. Bei Flut hat man das Gefühl, das Meer beginnt vor dem Haus, ist Ebbe sieht man bis weit in die Ferne über das flache Land, wo auch Menschen wie auf einem Feld nach "Meerfrüchten" suchen und ernten. Die beiden nachfolgenden Bilder zeigen eindrücklich die Tiden. 




Wir besuchten Faro, wo sich auch eine Knochenkapelle befindet. Beim Haupteingang steht auf Portugiesisch geschrieben: "Wir, die Knochen, die hier liegen, warten auf eure". Lassen wir diese noch etwas warten, und überhaupt, meine Knochen müssen einmal nicht zur Schau gestellt werden 😏.


Eine Fahrt mit der Fähre auf die Laguneninsel Armona liessen wir uns nicht nehmen. Der weisse Sand, soweit das Auge reicht, und das typische Touristendorf begeisterten uns. 


Den Naturpark Ria Formosa besuchten wir ebenso. Anscheinend gibt es dort allerlei Gefieder und Pflanzen. Auch Chamäleons, die vor Jahrhunderten unabsichtlich auf dem Seeweg in die Algarve mitgebracht wurden. Leider konnten wir keine sehen. Doch die Gezeitenmühle hat uns sehr beeindruckt. 

Links: Ebbe - Rechts: Flut - Mitte:  Maria am Rand der Gezeitenmühle, das Wasser fliesst kräftig hin und her.


Mit unseren Freunden haben wir noch einen Ausflug nach Tavira gemacht. Eine schöne Stadt, die mir passte. Das Castelo de Tavira, die Gassen und der Frühling, welcher mit vielen farbenfrohen Blüten einzog, erfreute uns. Ein Höhepunkt war der Besuch eines Fado-Konzerts in der Kirche, wo uns Andreas begleitete. Diese bekannte portugiesische Musik interpretiert den Seelenzustand der Portugiesen. In einem typischen und lokalen Restaurant genossen wir vier bei „À do Rui“ in Fuseta ein feines Abendessen; Entschuldigung, wir fünf, Sir Miró war stets mit uns. Er hielt sich immer "muggsmüüslistiu" in seiner Tasche, wenn wir in einer Gaststätte waren oder während der Autofahrt. Nach diesem gemeinsamen Ausflug mussten wir uns definitiv für die nächste Zeit verabschieden. Wir bleiben in Kontakt – vielen Dank euch Drei für die gemeinsamen, schönen und unvergesslichen Stunden.


Geniales Fado Konzert in der Kirche Tavira     -     gemütliches Abschiedsessen bei Rui in Fuseta.


Mit etwas Wehmut haben wir Olhão verlassen und sind mit Freude nach Alcoutim weitergefahren. Dort lebt seit vier Jahren ein Studienkolleg von mir aus der Zeit von Wuppertal. Dank Facebook haben wir einen losen Kontakt. Da wir in der Gegend waren informierte ich ihn entsprechend und wir konnten ein Treffen vereinbaren. Beinahe 50 Jahre sind vergangen, wo wir uns das letzte Mal gesehen haben. Alcoutim ist ein kleines, schmuckes Dorf am Grenzfluss Guardiana zu Spanien. Vis-à-vis ist das spanische Dorf Sanlúca de Guadiana mit seinem Castillo de San Marcos auf der Anhöhe, welches wir im Abendlicht bewundern konnten. In der näheren Umgebung steht der mit 3.14 Meter grösste Menhir Portugals, ein Link zu unserer Reise in der Bretagne. 

Hans-Werner Prinz lebt in einer Blockhütte mit Sicht von seiner Terrasse auf sein Segelschiff und den Fluss abwärts Richtung Alcoutim. Sehr idyllisch gelegen, mitten in der Natur. Schon auf der Hinfahrt sind uns die weiten Felder aufgefallen, wo die Zistrosen uns in voller Blüte begrüssten. Er hat uns ein feines Essen zubereitet und wir genossen den Moment zusammen, wo wir über die Studienzeit berichten konnten und was wir in der Zwischenzeit alles erlebt haben. 


Seit einiger Zeit, mit Ausnahme während der Corona-Periode, wird einmal im Jahr eine Pontonbrücke über den Fluss gebaut. Dieser kann während drei Tagen begangen werden. Das ist ein lokaler Grossanlass, welcher mit einem Slow-up in der Schweiz verglichen werden kann. Wie mir Hans-Werner berichtete, sind tausende Menschen angereist, um über den Fluss zu gehen. Im kleinen Dorf wird während diesen Tagen ein grosses Volksfest organisiert. Leider konnten wir das nicht miterleben, doch die Frage in die Runde zu werfen ist erlaubt. Muss man alles gesehen haben? 



Nach dieser herzlichen Begegnung haben wir Portugal verlassen und sind nach Spanien, genauer nach Sevilla weitergereist. Darüber im nächsten Blog.        


      

                         



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