75 - Harbin - Anreise und erste Eindrücke im Juni 2023
75 - Harbin – Anreise und erste Eindrücke im
Juni 2023

Harbin, unser Aufenthalt während knapp zwei Monaten buchstäblich in einem Wolkenkratzer (30. Stock).
Nach
zwei Wochen Aufenthalt in Beijing und Umgebung haben wir uns entschlossen, den
Weg Richtung Harbin einzuschlagen. Wir liessen uns von eimem Aussenbezirk
Beijings, von Mutianyu, in einem Taxi an den neuen Bahnhof in Huairou, wo auch
die Schnellzüge anhalten, fahren. Ein recht neuer, moderner Bahnhof steht vor
uns. In der Hoffnung, dass wir zwei Fahrkarten nach Chengde kaufen können, sind
wir in die Bahnhofhalle eingetreten. Gähnende Leere, ein knappes Dutzend
Fahrgäste sassen im Wartebereich, der wie in einem Flughafen aussieht. Etwa
zwei Dutzend Beamte und einige Reinigungskräfte standen herum und liessen die
Zeit verstreichen. Wir passierten die elektronische Kontrolle, das Gepäck wurde
durch den Durchleuchtungstunnel transportiert, am Kontrollpunkt hinter dem
Bildschirm sassen vier Damen. Eine schaute auf den Bildschirm, die anderen auf
ihr Mobile. Nachdem ich durch die Schleuse gegangen war musste ich auf einen
kleinen Sockel stehen. Die Beamte in diesem Bereich suchte mich mit einem
Detektor ab. Ihr Handzeichen erklärte mir, dass ich mich drehen muss damit sie
mich von hinten kontrollieren kann. Das Prozedere konnte für mich und Maria mit
Erfolg abgeschlossen werden. Wir bewegten uns zum Schalter, wo eine Dame vor
ihrem Mobile sass. Maria erklärte ihr, dass wir zwei Fahrkarten nach Chengde
kaufen möchten. Der «Longnose», also ich, musste mich mit einem Ausweis zu
erkennen geben. Sie schaute in den Pass, auf meinen Kopf und nach zweimaligem
Prozedere – ich trage auf dem Foto im Pass keinen Bart – nickte sie zustimmend.
Dann begann sie einzutippen. Irgendetwas schien nicht zu klappen, sie wurde
kurz darauf von einem jüngeren Herrn abgelöst. Vielleicht war der offizielle
Schichtwechsel der Grund, wer weiss. Der Herr begann zu tippen, dann kam er zu
meinem Namen, der ist nicht alltäglich. Er drehte die Tastatur in unsere
Richtung und bat mich, meinen Namen gleich selber einzutippen, was ich
selbstverständlich machte. Das Geburtsdatum tippte ich ebenso in sein Formular.
Er tippte weiter und kam ins Stocken. Irgendetwas wollte nicht so, wie es
müsste. Er begann von Neuem und bat mich noch einmal, den Namen einzutippen,
was ich erneut umgehend machte. Das Geburtsdatum kannte er mittlerweile wohl
auswendig. Wie heisst es so schön, aller guten Dinge sind drei, etwas wollte
immer noch nicht so wie es sollte. Ich durfte meinen Namen ein drittes Mal
eintippen. In der Zwischenzeit kamen andere Beamte und eine Diskussion begann.
Maria erklärte mir, dass eine Frau gesagt habe, dass sie hier keine Tickets an
Ausländer verkaufen könnten. Der Mann glaubte ihr zum Glück nicht und plötzlich
ertönte ein leichtes Geratter im Drucker und wir konnten zwei Tickets bezahlen
und entgegennehmen. Das ganze Prozedere dauerte über eine halbe Stunde. Zum
Glück war hinter uns keine Schlange mit Passagieren, die auch ein Ticket kaufen
wollten. Das hätte mich nervös gemacht. Zwar hat es dort vier Schalter, aber
eben, nur der Eine war bedient. Glücklich setzten wir uns zu den anderen
Reisenden, in angemessener Distanz, in die Wartehalle vor dem Gate A. Covid ist
immer noch ein Thema hier in China.
Nach
einer Wartezeit von einer knappen Stunde wurde unser Zug ausgerufen. Wir gingen
zum Kontrollgate mit etwa zwei Dutzend anderen Reisenden, die vor und nach uns
noch eingetroffen waren. Als Ausländer musste ich neben den automatischen
Kontrollsäulen, wie man sie auch in den Metrobahnhöfen kennt, bei einem Beamten
vorbei gehen. Er wollte erneut meinen Pass und die Fahrkarte sehen. Nach der
Kontrolle liess er mich freundlich passieren und ich sagte lächelnd «Sissié».
Als wir per Rolltreppe auf den Perron gelangten mussten wir gut 200 Meter nach
vorne gehen. Wir hatten Tickets im zweitvordersten Wagen. Der Zug rollte
pünktlich ein und wir konnten unsere Plätze einnehmen. Nach einer guten Stunde kamen
wir in Chengde an und bezogen ein Hotel für vier Nächte.
Nach dem
kurzen Aufenthalt stellten wir uns darauf ein, erneut viel Zeit für den Kauf
eines Bahnbilletts nach Harbin einzuplanen. Wir erreichten den Bahnhof in
Chengde und traten in die Eingangshalle. Hier hatte es etwas mehr Menschen, die
in einem Zug eine Reise antreten wollten. Erneut eine Gepäck- und
Personenkontrolle, wie man es sich in den Flughäfen gewohnt ist. Wir gingen an
den Bahnschalter um ein Billett zu kaufen. Es versteht sich, dass ich meinen
Pass vorweisen musste. Nach einigen Minuten konnten wir ganz unkompliziert zwei
Fahrkarten nach Harbin kaufen. Nach entsprechender Wartezeit konnten wir einsteigen
und kamen nach einer fünfstündigen Fahrt gut in Harbin an.
Nach
einer 20-minütigen Fahrt im Taxi erreichten wir das Hotel, welches wir via
booking.com gebucht haben. Ein einfaches Hotel nahe vom historischen Zentrum in
Harbin, wir fühlten uns wohl. Das Zimmer und der Komfort waren angenehm. Bei
der Buchung ist erwähnt, dass man Frühstück vor Ort reservieren und bezahlen
kann. Wir baten darum, doch sie bieten diese Dienstleistung nicht mehr an. Der
Zimmerpreis war knapp Yuan 300 (ca. CHF 40) pro Nacht.
Nach der langen Reise genossen wir die Nacht um uns auszuruhen. Wir haben das Hotel erst gegen 10Uhr verlassen und sind zuerst in die Innenstadt durch die «Central Avenue», die oft Central-Road genannt wird, gegangen. Eine alte, lange Strasse aus Kopfsteinpflaster. Längs der Strasse reihen sich teils noch ältere Gebäude, die von den roten Garden (Kulturrevolution) verschont blieben. Man hat das Gefühl, dass man sich in diesem Strassenzug eher in einer europäischen Stadt befindet. Über Russland hat die europäische Architektur in Anlehnung an den Barockstil Einzug gehalten. Der Strasse entlang ist eine gepflegte Allee angepflanzt. Altmodische Kandelaber säumen die Strasse. Darin sind Lautsprecher eingebaut, man wird laufend mit Musik in gut hörbarer Lautstärke berieselt. Dazu haben viele Geschäft zusätzlich ein kleines Megaphon neben der Ladentüre, wo man mit Werbung berieselt wird. Weiter kommen Verkäufer, die lautstark mitteilen, was sie in ihrem Geschäft verkaufen. Ausnahmslos an jedem Tag sind tausende Besucher auf der Strasse, gehen auf und ab und kaufen in den Geschäften ein.

Es gibt einige Spezialitäten, wo die
Menschen teils Schlange stehen um zum Beispiel ein Eis kaufen zu können.
Wir
haben uns umgeschaut, ob es ein Hotel gibt, welches noch näher im Zentrum liegt
und tatsächlich eins gefunden. Das Zimmer war etwas grösser und hatte eine
Sitzgruppe mit zwei Sesseln und einen Arbeitstisch mit einem Stuhl. Dieses
Hotel passte uns ausserordentlich, sodass unser Aufenthalt hier gleich 12 Tage
dauerte. Der Preis war knapp Yuan 200 pro Nacht. Sie boten kein Frühstück an,
doch wir fanden etwa 300 Meter entfernt ein kleines, sauberes Restaurant, wo
wir gut frühstücken konnten. An der Rezeption waren zwei verschiedene Damen.
Beide jung und kompetent. Die einte Dame hat viele Tatoo am Arm und sogar auf
den Fingerbeeren. Sie schaute immer so, als würde es gleich zu regnen beginnen.
Wenn sie etwas machen musste ging das gemütlich und trocken. Wenn sie sich vom
Sessel entfernen musste, schlarpte sie langsam hin und her. Wenn die Auskunft
erfüllt war hatte man den Eindruck, dass sie zufrieden war, da sie sich wieder
ihrem Mobile widmen konnte. Die andere Rezeptionistin war das pure Gegenteil.
Immer freundlich, lächelnd und ebenso kompetent. Wenn sie mich in der Lobby sah
winkte sie mir diskret zu. Auch die gepflegte Dame und Verantwortliche im
Hintergrund sendete uns oft ein Lächeln mit einem Gruss zu.
Von
diesem Hotel aus mussten wir etwa 200 Meter gehen, um in die Central Avenue zu
kommen. Wir sind fast jeden Tag durch die Strasse gezogen. Es ist beeindruckend
und schön, doch wie schon erwähnt, es hat immer viele Menschen auf der Strasse
und es ist laut. Zum Songhuariver waren etwa 600 Meter zu gehen. Dem Fluss entlang
zu gehen ist spannend, zwischendurch halt auch sehr laut. Überall kann man
Gruppen von Menschen sehen, die TaiChi, Kung-Fu, einen Tanz oder sonst eine chinesische
Kunst ausübten. Dabei war fast immer ein Lautsprecher mit eigenproduzierter
oder dazu passender Musik, meistens nicht leise. Aber die Menschen strahlen
Glück und Konzentration aus. Regelmässig kann man auch Musikanten bewundern.
Sie trommeln, singen, spielen Saxophon, Geige oder traditionelle chinesische
Instrumente, teils allein, teils in Gruppen. Ab und zu steht sogar ein Dirigent
mit weissen Handschuhen vor dem oder den Musikanten, der den Takt angibt. Auch
hier ist die Musik manchmal in ohrenbetäubender Lautstärke. Wenn eine Person
ein Lied singt tönt es für unsere Ohren nicht immer angenehm, aber laut ist es
immer.
Die
Wohnungssuche war nicht so einfach wie in Europa mit airbnb und booking.com. An
einem Nachmittag besichtigte Maria drei Wohnungen, diese passten ihr jedoch
nicht. Am folgenden Tag wartete ich vor einem Gebäude auf Maria und las, dass
es hier Appartemente zu mieten gibt. Sie fragte nach und erhielt einen guten Kontakt. Der Wohnungsanbieter
nannte ihr einen Preis von Yuan 5'000 für eine schöne Wohnung für einen Monat. Seine Frau sprach von
Yuan 6'500. Wir besichtigten die grosse 3½-Zimmer Wohnung im 30. Stock. Dank
dem guten Verhandlungsgeschick von Maria einigte man sich bei Yuan 5'000 für
einen Monat. Am 26. Juni konnten wir die Wohnung beziehen. Es ist zurzeit sehr
warm (Aussentemperatur bei 30-35 Grad). Da wir im obersten Stockwerk sind, ist
es in der Wohnung wohl etwas wärmer als in niederen Etagen. Es hat jedoch eine
sehr wirksame Kühlanlage in der Wohnung.
Wenn man
der Strasse entlang geht kommt es öfters vor, dass hinter einem ein Geräusch
wie «Chhh-Chhhhh-Chhh» ertönt, da muss man aufpassen. Normalerweise pflatscht
in der Folge ein Spuck auf den Boden. Dabei habe ich mein Bein auch schon mal
zurückgezogen um nicht getroffen zu werden. Ich erinnere mich dabei an meine
Jugendzeit. Da war ein Emailschild im Wartsaal der MOB in St. Stephan mit dem
Text «Auf den Boden spucken verboten». Menschen pflegten seinerzeit in der
Schweiz Spucknäpfe mitzutragen. Diese Kultur kennt man hier nicht. Im Rathaus
in Murten gibt es noch die «Crachoirs», welche zum Glück nicht mehr genutzt
werden.
Am
Vortag des Mietbeginns besuchten wir die Vermieterin in ihrem Büro, nahe bei
unserem Hotel, um ein Depot von Yuan 2'000 zu bezahlen. Für das Mietobjekt
schrieb sie einen «Vertrag» von Hand in ein Heft. Maria stellte fest, dass
etwas nicht korrekt ist, die Vermieterin schrieb den Vertrag ein zweites Mal
auf eine neue Seite in ihrem Heft, riss die erste Seite heraus und zerriss
diese. In der zweiten Version war erneut etwas nicht so klar formuliert. Sie
schrieb zum dritten Mal die Konditionen in das Heft und zerriss ebenso die
zweite Version. Während dem Prozedere kamen ab und zu andere «Kunden» in das
Büro und sie liess sich zwischendurch ablenken. Das ist in China wie in anderen
Ländern üblich. Endlich stimmte alles nach dem Vereinbarten. Wir bezahlten die
Yuan 2'000 Depot und sie gab uns die Quittung. Diese war etwas kompliziert
formuliert, sodass sie eine zweite Quittung schrieb, die unseren Erwartungen
entsprach. Nach einer Stunde verliessen wir ihr Büro und vereinbarten, am Abend
nach 18°°Uhr in der Wohnung zu sein, um einerseits die Schlüssel entgegen
nehmen zu können und den vereinbarten Mietpreis zu bezahlen.
Im 30.
Stockwerk zu wohnen ist doch etwas Besonderes. Harbin, um die vorletzte
Jahrhundertwende eine neu gegründete Stadt mit ca. 100'000 Einwohnern,
entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Knotenpunkt von Moskau bis
Wladiwostok und Beijing. Mitte der Fünfzigerjahre wurden eine Million Einwohner
gezählt. Während der Kulturrevolution 1966 wurden sehr viele historische
Gebäude in der Stadt zerstört. So wurde unter anderem die einzigartige Kathedrale
St. Nicolas, die im Jahr 1900 eingeweiht wurde, von den roten Garden
niedergebrannt. Dieses Gotteshaus wurde ausnahmslos aus Holz gebaut, kein
einziger Nagel oder andere Metallteile wurden verwendet. Heute zählt die Stadt
etwa acht Millionen Einwohner (es gibt verschiedene Statistiken in den mir
zugänglichen Webseiten. Google und Wikipedia sind leider blockiert). Der
Betonwald ist vor allem in den letzten Jahrzehnten rapid gewachsen. Es wurden
immer höhere Wohnkomplexe gebaut. Aus unserer Wohnung sehen wir, soweit das
Auge reicht, nur ein einziges Häusermeer. Zwischendurch entdeckt man kleine
Parks und Alleen einzelner Strassen. Auf einer bescheidenen Fläche kann man die
Sanddünen- und Moorlandschaft dem Songhua-Fluss entlang erkennen. Aus dem 30.
Stock sieht es aus als würde man von der falschen Seite her durch den
Feldstecher gucken. Die Autos auf den Strassen sind wie Spielzeugautos und die
Menschen kann man gerade noch erkennen. Wir lassen die Fenster die Nacht durch
offen, zum Glück mit Mückengitter versehen. Durch die offenen Fenster hören wir
durchgehendes Rauschen, als wäre ein kleiner Bergbach oder Wasserfall in der
Nähe. Zwischendurch hört man Geräusche wie ein Geheul eines wilden Tieres. Beim
näheren Hinhören stellt man jedoch fest, dass der Ursprung dieses Geheuls von
den hupenden Autos stammt. Natur sieht aus unserer Sicht doch etwas anders aus.
Es ist spannend, in so einem Umfeld leben zu können..., wenn man weiss, dass es
nur für einen bestimmten, kurzen Moment ist.
Die
Chinesen sind grundsätzlich sehr herzliche, aufmerksame und zuvorkommende
Menschen…, wenn sie einen kennen oder es um Business geht. Wenn nicht, empfängt
man eher einen misstrauischen Blick. Ich stelle öfters mit Erstaunen fest, dass
sie kein Chinesisch verstehen. Beim Hauseingang zu unserer Wohnung ist (zum
Glück) ein Lift. Wenn jemand zusteigt sage ich aus Gewohnheit «Nihao», entweder
sind sie schwerhörig oder sie verstehen die Sprache nicht. Maria meint dann
immer, grüssen sei hier nicht nötig, doch ich lasse mir das nicht nehmen. Denn
ab und zu schaut mich dann doch jemand freundlich an und erwidert mit einem
sympathischen Lächeln meinen Gruss, teils auch mit «Hello». Es kommt auch vor,
dass vor allem Kinder einen anlachen und «Hello» sagen. Ich antworte in der
Regel mit «Nihao» und sie freuen sich sichtbar darüber.
Als ich
in ein Taxi eingestiegen bin sagte ein Taxifahrer einmal zu meiner Verwunderung
«Nihao», das ist ausserordentlich selten. Beim Bezahlen der Fahrt rundete ich
den Betrag auf und sagte, das sei für die nette Begrüssung. Er freute sich
riesig.

Die Central Avenue wird täglich bis ins
Detail gepflegt und sauber gehalten.
Die Central
Avenue ist sehr sauber und gut überwacht. Polizisten stehen überall herum,
teils fast unbeweglich in Achtungsstellung. Bei Strassenübergängen steht
meistens nicht nur einer herum. Wenn Rot für die Fussgänger ist, halten sich
viele Fussgänger nicht daran und überqueren die Strasse zwischen den Autos
hindurch. Die Polizisten bleiben stumm stehen und schauen möglichst in eine
andere Richtung. An einem Tag beobachteten wir eine Mutter mit zwei Buben. Der
kleinere, vielleicht 4-5 Jahre alt, ging von Stand zu Stand und hat
buchstäblich Lebensmittel und Spielsachen gestohlen. Lebensmittel wurden dann
später auf der Strasse liegen gelassen, da der Bub etwas anderes entdeckte und
an sich riss, zum Beispiel Süssigkeiten. Die Mutter folgte den Buben
kommentarlos. Der Inhalt Süssigkeiten einer Dose fiel auf die Strasse. Der Bub
und die Mutter nahmen die Süssigkeiten von der Strasse und füllten diese wieder
in die Dose zurück. Die Mutter stopfte sich den Mund zwischendurch voll. Die
Verkäufer waren perplex hinter ihrem Stand und wussten nicht was machen. Die
Polizisten in der Nähe rührten sich nicht vom Fleck, es gehört wohl nicht in
ihr Pflichtenheft.
Am
Eingang zu einer Seitenstrasse steht meistens ein Polizeifahrzeug, daneben ist
eine kleine Bühne. Auf dieser stehen still und stumm den ganzen Tag durch zwei
Polizisten. Auf dem Weg zum Songhuariver steht fast immer ein Militärfahrzeug
mit laufendem Motor. Darin sitzen zwei Männer beim Mittagessen, oder sie stehen
am Strassenrand und haben es lustig.
Am 22. Juni in diesem Jahr fand gerade das Drachenfest statt. Am Vorabend wurden Gitter aufgebaut, vor allem längs dem Songhuariver, ich schätze etwa vier Kilometer lang. Über 5'000 Polizisten wurden, gemäss einer Auskunft eines Polizisten vor Ort, aufgeboten. Dazu gesellten sich auch uniformierte Militärangehörige und weitere Personen, die eine ganz spezielle Uniform trugen. Weiter waren unglaublich viele freiwillige Helfer, welche eine rote Weste trugen vor Ort. Dazu hörte man regelmässig ein bis zwei Helikopter längs dem Songhuariver nach fliegen. Am Songhuariver standen während wohl 36 Stunden ununterbrochen alle paar Meter Polizisten und wiesen die Besucher an, nicht nahe an die Absperrung zu gehen. Auch um ein Foto zu machen gab es keine Ausnahme. Wir waren am 22. Juni um 05°°Uhr am Fluss und warteten auf das Drachenrennen. Laufend kamen immer mehr Menschen und um 06:30 kamen die ersten Boote mit regelässigem Trommelschlag den Fluss hinab. Auf einem Boot waren etwa 20 Ruderer, ein Trommler und ein Steuermann. Lustig war zu sehen, dass der Schall von der Trommel erst bei uns eintraf, wenn der Trommler die Hand schon wieder oben hatte, ist ja eigentlich logisch. Eine unglaubliche Menge an Menschen schauten dem Spektakel zu, das eigentlich kein besonderes Spektakel war, da etwa 15 Boote nur einzeln den Fluss hinunter ruderten. Es war folglich nicht spannend zu sehen, ob das einte oder andere Boot kräftig aufholt oder sogar überholt, wie an den Olympischen Spielen bei Zweier, Vierer oder mehr. Auch auf der Central Avenue bewegten sich unvorstellbar viele Menschen. An diesem Tag wurden die Strassenüberquerungen von der Polizei und der Armee geregelt. Bei zwei kleineren Überquerungen waren etwa ein Dutzend Uniformierte, welche auf Kommando entweder die Autos oder die Menschen zum Anhalten zwangen. Bei der grossen Strassenüberquerung standen bestimmt 40 Uniformierte. Auch hier, auf Kommando bewegten sie sich in einem Glied und im Marschschritt von der einten Seite zur anderen, um entweder die Autos oder die Menschen passieren zu lassen.
Eine lebhafte Stadt mit besinnlichen Momenten.































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