77 - Lanzhou am Yellow-River, Provinz Gansu
In Lanzhou am Yellow-River hatten wir einen Aufenthalt von drei bis vier Nächten geplant. Schlussendlich blieben wir über 10 Tage. Die Stadt liegt an der Seidenstrasse und bietet viel zu entdecken. In der weiteren Region fanden wir Landschaften und historische Orte, welche wir von hier aus gut besuchen konnten. Für zwei Reisen haben wir in einem örtlichen Reisebüro, welches uns vom Hotel empfohlen wurde, gebucht. Übrigens, das Hotel - besser geht es kaum. Das 5-Stern Grand Soluxe Hotel Gansu war sehr angenehm. Das Zimmer sauber und gross genug, nebst einem grosszügigen Bett hat es ein kleines Schreibpult und ein Sofa daneben. Das Bad war sehr gepflegt, die Dusche mit einer Glaswand abgetrennt, was in China nicht immer der Fall ist. Das Frühstück könnte besser kaum sein. Chinesisch und kontinental, ich kam nicht zu kurz. Die Lage vom Hotel ist zentral und man ist schnell am Gelben Fluss. Da haben wir einige Wanderungen und gemütliche Momente verbracht. Uns wurde ein Sonderpreis mit Frühstück zu knapp 440 CNY angeboten. Das sind umgerechnet wenig über 50 CHF.
Im Gegensatz zu Harbin (150 müM) ist die Stadt Langzhou, auf gut 1'500 müM. Sie hat knapp vier Millionen Einwohner und ist die Hauptstadt der Provinz Gansu. Lanzhou ist eine sehr alte Stadt mit viel Geschichte und war ursprünglich Teil des Qin Reiches. Einige Jahre vor Christus gehörte sie dann zur Han-Dynastie und war Hauptstadt der Region. Sie ist auch bekannt als die Goldene Stadt. Tibet hat im Jahr 763 die Region eingenommen. 80 Jahre später wurde es von der Tang-Dynastie zurückerobert. Im Norden und Westen gab es viele kriegsführende Stämme. Um die Region bei Lanzhou zu schützen wurde die chinesische Mauer einige hundert Kilometer nördlich bei Donhuang, bis zur Stadt Yumen weiter gebaut.
Lanzhou ist seit 1666 (Qing-Dynastie) Hauptstadt der Provinz Gansu. Im Jahr 1909 wurde die erste feste Brücke über den Yellow-River eröffnet. Die Zhongshanbrücke aus Eisen ist ein Wahrzeichen der Stadt. Früher wurde die Stadt auch als die Goldene Stadt bezeichnet. Dezember und Januar sind die kalten Monate. Es hat Schnee, man kann auf wenig anspruchsvollen Pisten Skifahren. Die Stadt wird fast ausschliesslich mit Kohle (heute Fernwärmeheizungen) beheizt.
Der imposante Wasserrad-Park (teils mit Doppelwasserrädern), mit vielen riesigen Wasserrädern längs dem Gelben Fluss, diente seinerzeit zur Bewässerung. Die älteste Anlage stammt aus der Ming-Dynastie um Ackerland zu bewässern. Im Laufe der Zeit wurden über 250 Wasserräder gebaut, dazu kam ein Staubecken, um während der trockenen Zeit die Bewässerung sicherstellen zu können.
Der "Fünf-Quellenpark" liegt am nördlichen Fuss des Gaolan-Berges. Die Chongqing-Tempel der Ming-Dynastie und Quellen-Teiche sind spannende Elemente in diesem Park, wo man gut und gerne einige Stunden verbringen kann.
Wir besuchten auch die eindrückliche, 150 Millionen Jahre alte Danxia Landschaft mit ihren farbigen Hügeln. Mit einem Bus wurde man zu verschiedenen Aussichtsplattformen gebracht, oder man konnte in bestimmten Bereichen dazwischen selbständig wandern. Ich hatte Lust, zu einem Pavillon hoch zu gehen. Es war anstrengend, aber lohnte sich der Aussicht wegen und körperlich mal wieder den Puls zu fördern. Bei der Rückfahrt machten wir einen Halt in der Altstadt Hekou. Es hat einzelne alte, historische Gebäude, die Stadt ist jedoch touristisch konzipiert und wird auch entsprechend vermarktet.
Mit der Gondelbahn überquerten wir den Gelben Fluss und genossen eine Wanderung auf dem Baitashan, dem weissen Pagodenhügel. Die Aussicht auf den Fluss und die Stadt ist beeindruckend. Die weisse Pagode haben wir fast nicht gefunden. Von der Stadt aus sieht sie gross aus, ist aber schlussendlich "nur" 17 Meter hoch. Sie wurde während der Yuan-Dynastie vor gut 800 Jahren gebaut.
Wunderschöne Aussicht vom Baitashan her auf Lanzhou.
In Lanzhou findet jeden Abend ein riesiger Abendmarkt statt. Fahrbare rote Stände werden ab etwa 18:30 aus allen Richtungen in die Fussgängerzone gezogen. Dort werden sie in Reihen platziert und mit verschiedensten Waren gefüllt, die zum Verkauf angeboten werden. Im selben Quartier hat es auch eine sogenannte "Food Street", eine Speisengasse könnte man übersetzen. Hier werden vielseitige Speisen angeboten, ich probierte nicht alles, eher nichts.
Mit einem neuen Tram (drei Jahre alt) und einem Bus sind wir von Maiji nach Tianshui gefahren, um den historischen Fuxi-Tempel zu besuchen. Diese gut erhaltene Tempelanlage aus dem Ende des 15. Jahrhunderts gilt dem Gott Fuxi, welcher als einer der Vorfahren aller Chinesen galt. Fuxi lebte der Legende nach 168 Jahre und gilt als menschlicher Vorfahre. Es gibt viele Mythen über Fuxi. Ganz kurz zusammengefasst; er heiratete seine Schwester und sie zeugten zusammen viele Menschen. Auf einem Bild ist Fuxi mit seiner Schwester als halb Mensch und halb Schlange dargestellt. Es gibt eine Schöpfungsgeschichte analog der Sintflut, wo nur Fuxi und seine Schwester Nuwa überlebten. Ein weiterer Mythos sagt, dass Fuxi die Menschen lehrte von Hand zu fischen. Dem Drachenkönig, dessen Untertanen die Fische waren, passte das nicht und er schloss einen Pakt mit einer Schildkröte um das zu verhindern. Daraufhin erfand Fuxi das Fischernetz.
Die Stadt Tianshui beherbergt auch ein sehr gut erhaltenes Herrschaftshaus der Familie Hu, welches vom wohlhabenden Hu-Clan während der Ming-Dynastie (1368-1644) im traditionellen Stil der chinesischen Architektur erbaut wurde. Als wir vor der Anlage standen, wurden gerade die Türen geschlossen. Maria sprach mit den Personen am Eingang. Möglicherweise, weil sie sahen, dass ein Laowei (Langnase) dabei war, erlaubten sie uns, das eindrückliche Herrschaftshaus zu besuchen. Als wir durch einen Keller gingen, wo früher Gold und Silber aufbewahrt wurde, ging plötzlich das Licht aus. Es war uns etwas unwohl und wir liefen schnell zum Ausgang, wo glücklicherweise die Türe noch nicht geschlossen war. Diese Stadt ist zusammen mit dem Maijishan sehr empfehlenswert zu besuchen.


Bild links und Mitte: Herrschaftshaus Hu. Bild rechts: Konfuziustempel neben dem Herrschaftshaus.
Der heilige Berg Maijishan ist ein eindrückliches Werk der Natur. Buddhistische Mönche haben ab dem fünften Jahrhundert begonnen, Höhlen in den Berg zu meisseln um unzählige Figuren teils getöpfert und bemalt darin zu platzieren. Schlussendlich zählt man 194 Höhlen und über 2'000 Statuen oder Figuren verschiedenster Grössen. Die drei grössten Reliefs an dem Berg stammen aus dem sechsten Jahrhundert. Vom Fuss des Berges bis zu den höchsten Höhlen sind es ca. 80 Meter.




















































Kommentare
Kommentar veröffentlichen