81 - Hami & Turpan, Provinz Xinjiang
Wir verlassen die Provinz Gansu und erreichen die Provinz Xinjiang. Xinjiang ist, mit knapp einem Sechstel der Fläche (ca. 1'665'000km2), die grösste Provinz in China. Die Schweiz ist mit der Fläche von 41'285 km2 etwa 40x kleiner. Die Distanzen von einem Ort zum anderen, von einem Gebirge zum anderen, von einer Wüste zur anderen sind für uns Schweizer fast unvorstellbar. Wir sind zu Beginn von Hami nach Turpan gereist. Mit dem Zug dauert die Reise knapp zwei Stunden, mit dem Auto fährt man die über 400 Kilometer in viereinhalb Stunden. Das macht man hier so, wie als würden wir bei uns von Bern nach Zürich reisen.
Um nach Hami zu kommen haben wir Dunhuang verlassen und für die ersten 140 Kilometer ein Taxi genommen, da es für diese Strecke keinen Zug hat. Dieses brachte uns nach Liuyuan, an die Grenze zur Provinz Xinjiang. Dort konnten wir mit dem Schnellzug für die restlichen knapp 300 Kilometer nach Hami reisen. Hami diente als Zwischenhalt, damit wir nicht über 800 Kilometer auf einmal bis nach Turpan reisen müssen. Die Kontrolle beim Bahnhof Liuyuan gab uns einen ersten Eindruck, wie streng in der ganzen Provinz Xinjiang und überall kontrolliert wird. Maria hatte nebst einem Victorinox Kreditkartenmesserchen (Swiss Card) eine kleine Schere mit abgerundeter Spitze in der Gesamtlänge von höchsten 12 Zentimeter im Gepäck. Das Scherchen bedeutet Maria sehr viel, da diese noch ihrer Mutter gehörte. Die Beamten wollten diese beschlagnahmen. Maria wehrte sich mit Erfolg und konnte darlegen, dass es keine Stichwaffe sei. Der Beamte mass schlussendlich die Klinge und stellte fest, dass diese in der Toleranz ist. Das Swiss Card Messer haben sie ignoriert. Noch einmal gut gegangen. Wir nahmen den Zug nach Hami, in Uigurisch Kumul, wo wir pünktlich ankamen. Bestimmt gäbe es auch hier viel zu entdecken, doch wir haben uns auf Hami selber konzentriert. Das Hotel war angenehm und so blieben wir drei Nächte in der Stadt.
Hami ist sehr bekannt für seine süssen Melonen. Aus diesem Grund sind diese als Hami-Melonen weitherum bekannt. Auf riesigen Feldern lagen während unserem Aufenthalt tausende Melonen zum Ernten bereit. In Hami besuchten wir zwei Museen, die historische Altstadt und die Moschee sowie das Mausoleum der königlichen Grabstätte der Uigurischen Hui-Könige an der Seidenstrasse. 1696 unterwarf sich Pinyin dem Kaiser Kangxi der Qing-Dynastie. Etwa 200 Jahre wurde das Gebiet von der Hui-Familie regiert. Beim Bauernaufstand der Uiguren im Jahr 1867 wurde der siebte Herrscher Darhan umgebracht. Dieser Herrscher wurde von Kaiser Kangxi als König des Friedens geehrt. Nach einer Bauzeit von etwas über 10 Jahren wurde die Grabanlage fertig gestellt. Im Grabbereich steht auch die Moschee mit der grössten Gebetshalle.
Die Altstadt ist sehr touristisch und wurde entsprechend "modernisiert". Man kann jedoch gut erkennen, wie früher hier gelebt wurde. Sie ist gepflegt und wir gehen davon aus, dass sie jeweils abends sehr belebt ist.
Hami hat gleich zwei grosse Museen nebeneinander. Eines dient der Geschichte und Natur, das andere ist dem immateriellen Kulturerbe (lebendige Traditionen) der Region gewidmet. Generell sind die Museen in China immens. Viel Raum steht für Exponate zur Verfügung. Die Beleuchtung ist nicht immer optimal, es kam auch schon vor, dass ich mit dem Mobile Licht machen musste, um die Texte - wenn in Englisch vorhanden - lesen zu können. Was mir aufgefallen ist, in den meisten Museen gibt es einen Prolog und ein Resümee der Ausstellung, das ich jeweils mit Interesse lese. Der Inhalt ist öfters derselbe; die freiwilligen und friedlichen Zusammenschlüsse der Provinzen sowie die Förderung der einheitlichen Chinesischen Nation werden hervorgehoben. Das Museum des immateriellen Kulturerbes hat mich begeistert. Wenn in der Schweiz (und Murten 😊) ebenso viel Geld und Platz zur Verfügung stünde, das Thema bei uns, die "Solennität", wäre zentral und ich könnte mir vorstellen, dass das Murtenschiessen und der Murtenlauf auch thematisiert würden. Auch das Murtenschlachtpanorama hätte längstens seinen festen Platz😉. Hier in Hami geht es mit einem traditionellen jährlichen Fest um die berühmte Hami-Melonen. Die traditionellen Hochzeitsfeiern und die Naan, das lokale Fladenbrot werden detailliert beleuchtet.
Turpan, auch Turfan genannt, eine Stadt im Tarim-Becken mit gut 600'000 Einwohnern auf etwa 50 m ü.M. hat extrem viel Geschichte. Das Jushi-Königreich (108 BC bis 450 AD) regierte das Land mit seiner Hauptstadt Jiaohe, heute ein UNESCO-Weltkulturerbe. Während der Han-Dynastie liessen sich hier viele Han-Chinesen nieder. Während der Han-Dynastie gab es zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Tibetern, Türken und Han-Chinesen, welche das Tarim-Becken beherrschen wollten. Aus dem Jahr 273 AD wurden erste chinesische Schriftzeichen gefunden. Vor dem Chinesischen und Sogdier Zustrom lebten Kucheanische Sprecher als Ureinwohner hier. Nach der Tang-Eroberung (Tang-Dynastie 617-907 AD) wurden Minderheiten umgesiedelt und Han-Chinesen angesiedelt. Die Stadt ist auf einer Sandsteininsel, links und rechts davon ein markantes Flussbett. Dadurch war sie von Angriffen gut geschützt. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde sie jedoch zerstört und nicht wieder aufgebaut. Seither wird sie auch die Geisterstadt genannt. Turpan war ein wichtiger Ort für Handel und Gastgewerbe für Reisende entlang der Seidenstrasse. Heute natürlich zentral für den Tourismus.
Das Tarim-Becken ist eigentlich eine trockene Region, doch vor allem aus dem Tianshan-Gebirge kommt viel Wasser. Das Karez-Wasserleitungssystem ist beeindruckend. Ähnlich wie im Wallis mit den Suonen, wurde das Wasser aus dem Gebirge gefasst und in eindrücklichen Unter- und Oberirdischen Kanälen kilometerweit geleitet. Das Wasser diente (und dient noch heute) der Landwirtschaft, aber auch um genügend Wasser für die Bevölkerung und die Tiere (Vieh und Karawanen, die vorbei kamen) zu haben.
Das Tal der Reben (in Reisedokumenten Traubengraben genannt) ist etwa 8 Kilometer lang. Durch das kleine Tal fliesst ein Fluss mit reichlich Wasser, das für die Traubenproduktion optimal ist. Sonnenschein hat es hier überdurchschnittlich. Ein grosser Teil der Produktion auf etwa 220 Hektaren wird in den auffälligen Rosinenhäusern getrocknet. Die Trauben sind sehr süss, werden in der Saison frisch genossen, getrocknet oder gekeltert. Auf dem Bild in der oberen Reihe links sieht man den fruchtbaren Graben, links und rechts davon kahle Anhöhen. Wir haben es genossen, in einem Schlauchboot auf einer Wasserrutsche den Graben hinunter zu gleiten.
Nahe von Turpan ist auch die verlassene Stadt Gaochang. Erbaut im 1. Jahrhundert BC bis zu den Kriegen im 14. Jahrhundert war dies eine grosse und wichtige Stadt an der Seidenstrasse. Die Geschichte der Stadt ist nicht sehr gut dokumentiert, doch aufgrund der Ruinen kann man sich die Grösse und entsprechende Bauten von der Schutzmauer bis zu Tempeln und Häusern gut vorstellen.
Das Dorf Maza in der Tuyugouschlucht zeigt, wie die Uiguren leben und gelebt haben. Das Dorf wird heute rein touristisch genutzt. Man bezahlt (Rentnerinnen und Rentner kostenlos, danke China) einen Eintritt. Beim Besuch wird man von unzähligen Verkaufsständen angelockt, wenn man in ein Haus gehen will bezahlt man extra etc. Es hat eine kleine Moschee, die jedoch geschlossen ist. Unser Taxifahrer sagte uns dazu, dass diese Moschee für die Muslime eine grosse Bedeutung habe. Wenn jemand die Moschee sieben Mal besuche entspreche dies einem Besuch in Mekka.
Die Grotten von Bezeklik sind eher enttäuschend, es gibt kaum Grotten zu besuchen. Die Anlage in den Felsen gebaut ist imposant, das ist so etwa alles. In der Nähe hat es ein kitschiges Touristenresort und hatte eine Rutschbahn. Ich ging die Treppe am Berg hoch, leider nur bis zur Mitte. Danach war gesperrt. Doch von dort her konnte man die eindrückliche Schlucht sehen. Dem Wasser entlang ist alles grün, links und rechts davon einfach nur knochentrocken.
Der flammende Berg ist ebenfalls weniger sehenswert. Der Berg als solcher ist eindrücklich, die touristische Anlage enttäuschend. Es wird - nicht bei allen - Eintritt verlangt und man kommt durch ein touristisches Verkaufsgebäude. Dann kann man mit einem Fahrzeug eine Runde drehen, wir haben darauf verzichtet. Man könnte sich fotografieren lassen mit dem Berg im Hintergrund und so weiter. Wir waren nicht lange an diesem Ort.
Das Emin Minarett (Bild oben) mit seiner Moschee ist das Wahrzeichen von Turpan. Dieses Minarett liess Emin Khoja 1778 nach seinem Hadsch in Gedenken an seinen Vater von einem uigurischen Architekten bauen.
Das Museum von Tarpan beherbergt eine grosse Anzahl wunderschöner Exponate aus der Periode der Stadt Gaochang in den Jahren 327-460 AD.
Ein Ausflug an den Aidingsee rundete unseren Aufenthalt in Turpan ab. Dieser Trocken(salz)see liegt 154 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit die vierttiefste Ebene auf der Erde. Ein eindrückliches Erlebnis, rings herum ist einfach alles eben, so weit man sehen kann. Dass sich diese Ebene unter dem Meeresspiegel befindet spürt man absolut nicht.
Falls eine Leserin oder ein Leser eine Reise in die Provinz Xinjiang plant, Turpan und Kashgar (folgt in einem nächsten Bericht) unbedingt notieren. Wir sind sehr beeindruckt.
Ein herzlicher Gruss in unsere Heimat, Maria und Christian.








































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