85 - Zhuhai, Macao, Hongkong und Shenzhen
Zhuhai, ist eine grosse Stadt nahe Hongkong und an der Grenze zu Macao. Während der Qing-Dynastie im 18. Jahrhundert wurde die Yuanming Anlage gebaut. Es ist eine Kopie in kleinerem Rahmen des Palastes und der Gartenanlage des Yuanming Yuan Sommerpalasts in Peking. Der Palast und die Gärten wurden nach dem zweiten Opiumkrieg und während des Boxeraufstands zwischen 1899 und 1901 von den anglofranzösischen Truppen stark beschädigt. Heute ist dieser Ort aus meiner Sicht das historische Zentrum der Stadt. Hier kommt auch die moderne Zeit dazu. Ein Spielplatz mit vielen Angeboten für Kleinkinder, ein Wasserpark für Jugendliche und ein offener, mit Schutzdach gestalteter Konzertplatz. Nebst den Garten- und Teichanlagen rundet eine Seilbahn das Angebot für Besucher ab. Sie bringt Wanderfreudige auf die Anhöhe, wo ein schöner Wanderweg beginnt. Dazu eine Ergänzung später im Text.
Zhuhai wurde im 1982 zur Sonderwirtschaftszone ernennt. Es ist heute ein wichtiger Wirtschafts- und Tourismusstandort. Im Oktober 2018 wurde die Hongkong-Macao Brücke eröffnet. Am rechten Ufer der Mündung des Perlflusses wurde eine künstliche Insel gebaut, auf welcher die Grenzübergangsanlagen nach Zhuhai und Macao errichtet wurden. Die Brücke führt 22.9 Kilometer bis zur linken künstlichen Insel, in der Mitte des Perlflusses vor Hongkong. Dort beginnt ein fast sieben Kilometer langer Unterwassertunnel, welcher bei einer weiteren künstlichen Insel ans Tageslicht führt. Die Brücken- Tunnelkonstruktion für die Überfahrt von Macao nach Hongkong ist knapp 30 Kilometer lang.
Meine Rechenkünste haben mit den Jahren etwas nachgelassen. Mein Visum war für 180 Tage gültig, also sechs Monate. Nach dieser Zeit muss ich für mindestens einen Tag China verlassen, um erneut 180 Tage in China verweilen zu können. Die Monate sind jedoch unterschiedlich lang. Folglich sind wir zwei Tage zu spät aus China ausgereist. Wir wurden von den Zollbeamten darauf aufmerksam gemacht und "genossen" einen längeren Aufenthalt in Zhuhai als vorgesehen. Da wir ja Zeit haben war das für uns vielleicht etwas unangenehm, jedoch nicht ärgerlich. Wir profitierten davon, die Region entdecken zu können. Der Küste entlang ist es vielseitig, da ist auch das Opernhaus und die Statue des Fischermädchens. Weiter hat es Wander- und Velowege soweit das Auge reicht.
Etwas im Landesinnern führen zwei Wanderwege, oder besser gesagt Wanderstege durch den subtropischen Regenwald, die beide fast 10 Kilometer lang sind. In vier Etappen haben wir von den beiden Wanderwegen profitiert. Sehr angenehme Wanderungen erlebten wir auf der Höhe mit herrlicher Aussicht in das Landesinnere und über das Meer. Unser Hotel war gut 100 Meter von der Küste entfernt und ich konnte einige Male laufen gehen. Einmal haben wir ein Velo gemietet und sind der Küste entlang geradelt.
Etwa 50 Kilometer von Zhuhai entfernt ist die kleine Stadt Doumen, welche wir besuchten. Wenn man die Häuser sieht stellt man fest, dass das kein ursprünglich chinesischer Stil ist. Die Stadt wurde von chinesischen Rückkehrern gebaut. Man erkennt einen für China eigentlich fremden Baustil.
Macao, bekannt als Casinostadt, wurde vor 6'000 Jahren von chinesischen Fischern und Bauern besiedelt. Mitte des 16. Jahrhunderts wurden drei Inseln, welche in der Zwischenzeit mit Aufschüttungen und Brücken mit dem Festland verbunden sind, an das Königreich Portugal verpachtet. Ein internationaler Handel mit vielseitigen Gütern im Luxusbereich wie Seide, Tee, Porzellan, Kupfer und japanischem Silber brachte Macao einen hohen Wohlstand. Anfang 19. Jahrhundert zwang England Portugal die Häfen für die britischen Schiffe zu öffnen. Die portugiesische Handelsflotte brach zusammen und verlor die Vormachtstellung im Asienhandel. Mit Opium- und Teehandel konnte sich Macao wieder auf Kurs bringen. Ende des 19. Jahrhunderts begann für Macao ein florierender Sklavenhandel. Eine wesentliche Anzahl Kulis wurden von hier aus in die ganze Welt "verschifft". Chinesen, welche nicht freiwillig auswandern wollten, wurden mit Gewalt von "Kulijägern" zur Unterschrift gezwungen und «exportiert». Es kann kaum anders genannt werden - unglaublich. Ein interessanter Artikel kann bei https://de.wikipedia.org/wiki/Kuli_(Tagelöhner) gelesen werden.
1835 ist die Kirche St. Paul abgebrannt. Heute gilt die vordere Fassade als Wahrzeichen der Stadt. In der Stadt sieht man noch etliche Gebäude, die von der portugiesischen Architektur geprägt sind. Es gibt, neben all den Casinos auch ein neues riesiges Quartier, in welchem Luxushotels und Einkaufszentren auf höchstem Niveau stehen. Um diesem Quartier auch einen Namen zu geben wurden kopierte Sehenswürdigkeiten integriert. Da steht einmal der Eifelturm von Paris, dann der Big Ben von London und eine Anlage mit einem kleinen Kanal, wo Gondolieri wie in Venedig eine Fahrt in der Gondel anbieten.
Im Dezember 1999 wurde die Wiedervereinigung Macaos mit China zelebriert. Jang Zemin, damaliger Präsident, sagte anlässlich der Feier, dass die Rückkehr von Macao das endgültige Ende der westlichen Kolonialherrschaft über Asien symbolisiert.
Hongkong ist heute nach New York, Singapur und Shanghai die viertteuerste Stadt der Welt. Für uns als Touristen ist das in den Hotelpreisen erkennbar, sonst eigentlich eher weniger. Es ist die Stadt mit den meisten Wolkenkratzern. Sie beherbergt über 350 Gebäude die höher als 150 Meter sind. Die Stadt bietet wohl viel, doch sie ist nicht so in unseren Herzen angekommen. Das Museumsviertel ist grossartig und interessant. Die abendliche Lichtshow am Ufer im Perlflussdelta ist eindrücklich. Der Victoria Harbour und der Victoria Peak sind schöne touristische Attraktionen. Der Kern der Altstadt ist eher schmutzig und alles ist sehr eng. Die Stadt ist über Jahrzehnte gewachsen und hat daher enge Strassen. Es hat deshalb viele Einbahnstrassen mit sehr viel Verkehr. Der Kowloon Park neben dem Hotel, in welchem wir residierten, ist erholsam. Bestimmt hätte es noch einige Sehenswürdigkeiten, vom Tian Tan Buddha, der Pferderennbahn bis zur längsten Rolltreppe der Welt. Als nicht ortskundige ist es nicht einfach, die Metrostationen zu finden. Die Metro selber erschien uns als unübersichtlich. Die Stationen sind nicht auffallend angeschrieben, meistens sogar in irgendeiner kleinen Querstrasse und so mussten wir immer wieder suchen. Überall kann man mit Karte bezahlen, doch um die Metro zu nutzen geht es nur mit HK-Dollar und in bar. Also mussten wir eine Wechselstube suchen um 100 CNY in HKD zu wechseln. Wir fühlten uns nicht so wohl und blieben folglich nur drei Tage in Hongkong.
Noch eine kurze geschichtliche Zusammenfassung. Die britische Ostindien-Kompanie betrat 1699 zum ersten Mal China. Die Briten importierten Opium, welches zum ersten Opiumkrieg im Jahr 1841 führte. Hongkong wurde besetzt. Mit dem Vertrag von Nanjing wurde das Gebiet von China an das vereinigte Königreich abgetreten. Hongkong wurde unter England ein wichtiger Militärstützpunkt und zugleich ein zentraler Handelsplatz für Asien. Um die Stadt aufzubauen wurden unzählige billige chinesische Arbeitskräfte ausgenutzt. Die Stadt entwickelte sich als Weltstadt und galt bald als attraktiver Finanzplatz. 1997 wurde Hongkong an China übergeben. In der gemeinsamen Erklärung von Hongkong wurde das Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" vereinbart. Dadurch galt eine gewisse Meinungsfreiheit, die im Jahr 2014 jedoch einseitig gekappt wurde.
Das Honkong Palace Museum hat uns begeistert. Nachfolgend einige Impressionen. Das Thema der Wechselausstellung lautet noch für einige Zeit: "Von Botticelli bis Van Gogh" (...von beiden war jeweils ein Originalbild zu bewundern). Eine zusätzliche Ausstellung widmete sich dem Thema "Gesichter von Sanxingdui". Es werden Objekte eines alten und geheimnisvollem Königreichs in der Nähe des heutigen Chengdu aus der Bronzezeit, welche 1929 erstmals entdeckt wurden, präsentiert. Diese Entdeckung ist ebenso spannend, wie die Terrakotta-Armee in Xi'an. Die Gusstechnik, welche vor über 1'000 Jahren BC angewendet und entwickelt wurde ist faszinierend. Auch die für unsere Wahrnehmung modernen Figuren begeistern einfach.


Hongkong Palace Museum, Museumsgelände, da kommt noch Neues, ein Aufenthaltsraum im Museum.


Sir Thomas Lawrence (1769-1830), Van Gogh Animation, Wanli-Kaiser, der 14. Kaiser der Ming-Dyn. (1563-1620)


"Gesichter von Sanxingdui", teils Goldmasken. Relikte aus dem Neolithikum (Jungsteinzeit) bis zur Shu-Kultur (Shang- und Zhou-Zeit) in den Jahren 2'800 bis ca. 800 BC.
Nach dem Kurzaufenthalt in Hongkong sind wir nach Shenzhen weitergereist. Shenzhen ist eine sehr moderne Stadt, die sich bestimmt im Schatten von Hongkong als sehr wichtiger Handelsplatz für Festlandchina entwickelte. Sie wurde 2008 von der UNESCO als City of Design aufgenommen. Über 14'000 Hightech-Unternehmen haben hier ihren Sitz, entwickeln, verkaufen und produzieren. Shenzhen ist ein bedeutender Wirtschaftsstandort und beherbergt ein riesiges Ausstellungsgelände, wo regelmässig Messen organisiert werden. Einige Hundert Millionen Mobiles werden hier jedes Jahr hergestellt. Huawei, Xiaomi, aber auch Apple (mit Foxconn), Nokia und Samsung sind hier präsent.
Shenzhen wurde 1410 während der Ming-Dynastie erstmals erwähnt. Im Perlflussdelta wurde das fruchtbare Ackerland vor allem für Reisanbau bewirtschaftet. 1950 war der Ort mit seinen knapp 5'000 Einwohnern noch eher unbekannt. Ende des 20. Jahrhunderts waren plötzlich über 5 Mio und heute leben hier gegen 20 Mio Menschen. Im Gegensatz zu Hongkong sind die Strassen vier bis sechsspurig. Zwischen den Gebäuden gibt es viel Raum, sodass viele Alleen und grosszügige Parks Platz haben. Ganze Quartiere werden aus dem Boden gestampft. Die Entwicklung der Stadt ist kaum zu bremsen. Irgendwo in der Mitte der Stadt befindet sich Nantou City, die kleine ursprüngliche Siedlung, welche teils erhalten ist und besucht werden kann.
Es ist sehr spannend, die Städte Zhuhai mit Macao, Hongkong und Shenzhen zu vergleichen. Zhuhai und seine Region hat viel Geschichte, Macao und Hongkong haben eine lange und bewegte Geschichte. Shenzhen ist eine neue Stadt, im wahrsten Sinn des Wortes. Sie hat Geschichte, jedoch in einem sehr bescheidenen Rahmen.



































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