86 - Hainan I - von Haikou bis Wanning

Am Tag vom Heiligabend sind wir in Haikou, auf der Insel Hainan im Südwesten von China, angeflogen und haben ein Hotel in der Stadt bezogen. Das normale Zimmer war okay. Maria sprach mit der Reinigungskraft und fragte, was für Zimmer angeboten werden. Wir schauten eine Suite und ein weiteres Zimmer, welches nebst dem Schlafzimmer einen angemessenen Wohnraum hat, der mit einem Sofa und einem zweiten TV ausgestattet ist. Dieses wurde uns zu einem Preis von CNY 329 (ca. CHF 40) inklusive Frühstück angeboten. Das passte perfekt und wir blieben mehrere Nächte dort. 



Hier, am Ufer in Haikou, begann unser Jahr 2024.


Die Insel Hainan ist mit knapp 34'000 km² etwas grösser als Sizilien mit gut 25'000 km². Die Insel wird von etwa 10 Mio Menschen belebt. (In Sizilien sind es zirka 5 Mio). Das Klima ist subtropisch, es hat nie Schnee und die Temperatur ist kaum unter 15° und höchstens etwa 33°. Auf der Insel leben viele Pensionierte, vor allem aus dem Norden von China. Viele Wohnungen werden auch als Zweitwohnung genutzt. Die Eigentümer residieren nur während der Winterzeit hier.

In Anbetracht dessen, dass die Bevölkerung auf der Insel in grosser Bescheidenheit lebte, um nicht in Armut zu schreiben, wurde die Insel 1988 zu einer wirtschaftlichen Sonderzone ernannt. Der Tourismus und die Landwirtschaft sind die wichtigsten Pfeiler. Es werden viele verschiedene Früchte und Gemüsearten gepflanzt. Ich kann nicht alle aufzählen, doch mich beeindruckten die Vanille-, Pfeffer- und Kokosnussplantagen besonders. Auch sah ich Früchte, die ich absolut nicht kannte. Im Dreijahresplan 2008 von Beijing wurde die Insel zur Freihandelszone ernannt. Seither gibt es viele Duty-free-Shops. Nicht nur Ausländer, auch Festlandchinesen können hier zollfrei einkaufen. 

 
  


Die Stadt Haikou hat uns positiv überrascht. Schon am ersten Tag spazierten wir in die Altstadt, welche knapp zwei Kilometer von Hotel entfernt ist. Wir kamen in eine Fussgängerstrasse, welche eher an Europa als an China erinnert. Wunderschöne Häuser zieren die Gasse, es heimelte uns schon etwas. Die KP hat eine andere Sicht auf die Pflege ihrer Kulturgüter. Fassaden werden erhalten, was dahinter ist scheint egal zu sein. Der Unterhalt, ich kann es nicht anders schreiben, ist miserabel. Es ist oft schmutzig und ungepflegt, was einen doch traurig stimmt. Ein brillantes Beispiel, wie es erhalten und gepflegt werden könnte ist ein Teehaus. Da sieht man, auch im Innenbereich, wie hier nobel gelebt wurde. Während unserem Aufenthalt haben wir diesen Strassenzug mehrmals besucht. 



Eine Seitengasse führte zu einem sehr einheimischen Quartier. Da hat es viele kleine Restaurants und Takeaway, die lokale Spezialitäten anbieten. Maria kostete zwei Speisen, ich zog es vor, nicht einmal zu probieren. Die Stimmung in diesem Quartier war herzlich und es herrschte emsiges Treiben. 


Über die grosse Hängebrücke haben wir den nördlichen, modernen Stadtteil besucht. Es hat enorme Wohnhausüberbauungen (auch Evergrande). Teils bewohnte Wolkenkratzer, welche gut zehn Jahre alt sind, jedoch aussehen als hätten sie das vierfache Alter. Etliche Gebäude sind noch im Bau. Etwas weiter zurück ist ein neues, fertigerstelltes Quartier mit einem kleinen Hafen. Ultramoderne Gebäude, welche nachts eindrücklich beleuchtet sind. Es hat ein riesiges Einkaufszentrum, in welchem auch viele gepflegte Restaurants untergebracht sind. 





Wir besuchten das Xiuying-Fort, welches 1891, nach dem chinesisch-französischen Krieg, während der Qing-Dynastie (1644-1911) gebaut wurde. Zu dieser Zeit war es direkt am Meer. Es hat eine Festungsmauer, fünf riesige Krupp Kanonen Kaliber 24cm mit einer Reichweite von 8 Kilometern und Truppenunterkünfte sowie einen gut geschützten Kommandoraum. Die Kuomintang nutzte die Festungsanlage gegen den Angriff der Japaner während dem zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg (1937-45). In der ehemaligen Truppenunterkunft ist ein interessantes Museum zum Thema integriert. Nach dem Besuch gingen wir ans Meer. Heute muss man vom Fort aus etwa 800 Meter weiter spazieren, um an das Meer zu gelangen. Die Ufer wurden aufgeschüttet und es stehen mehrere Wolkenkratzer und Wohnhäuser dazwischen. Wir haben anschliessend den Spaziergang dem Meer entlang genossen und uns eine Kokosnuss gegönnt. 



Tempel der fünf Minister. Während der Ming-Dynastie (1368-1611) lebten hier fünf hochrangige Beamte, welche ins Exil verbannt wurden. Sie sind während ihrer Amtszeiten in Ungnade des Kaisers gefallen. Der später für diese Persönlichkeiten erbaute Tempel mit einer gepflegten Gartenanlage, ist mit einem Gedenk- und Erinnerungsraum für jeden einzelnen ergänzt. Angrenzend ist ein Tempel des Philosophen Su Shi, welcher auch die Dongpo Akademie, ca. 80 Kilometer von Haikou entfernt gründete. Sie existiert immer noch und beherbergt einen Tempel, der an ihn erinnert.  


Wir besuchten die Grabstätte und den Tempel von Hai Rui (1513-1587). Hai Rui gilt noch heute als der ehrlichste und unbestechlichste Beamte in China. Sein Lebenslauf ist äusserst spannend. Er verlor seinen Vater als er drei Jahre alt war. Seine Mutter unterrichtete ihn und brachte ihm das Lesen der klassischen Literatur bei. 1554 war er Lehrer in Nanping. Dort ermutigte er seine Schüler, den Konfuzianismus zu studieren. Er forderte von ihnen die strikte Einhaltung von Vorschriften und predigte ihnen Gemeinsinn und Sparsamkeit als die Grundlage für Unbestechlichkeit. Seine Unbestechlichkeit und Gerechtigkeit zum Wohl der Allgemeinheit brachte ihn später nach Beijing an den Hof des Kaisers, wo er zum Sekretär des Finanzministeriums ernannt wurde.  Er hat sich erlaubt, den Kaiser Hai 1566 offen und ehrlich zu kritisieren, was ihn ins Gefängnis brachte. Bald nach dem Tod des Kaisers 1567 wurde er aus dem Gefängnis entlassen und wieder in seinem Amt eingesetzt. Kurz darauf wurde er nach Nanjing berufen, wo er seinem Beamtenstab erklärte, dass er alle korrupten Praktiken beseitigen würde. Das passte einigen Herren und Grossgrundbesitzern nicht und sie schafften es 1570, ihn zu beschuldigen. Er war gezwungen, sich zurückzuziehen. 

Während seinem Ruhestand baute er sich eine grosse Bibliothek auf, lebte in einem bescheidenen Haus auf seinem kleinen Grundstück. 1585 wurde er als Mann des Volkes zum stellvertretenden Leiter des Zensurministeriums in Nanjing ernannt. 1586 wurde er zum Oberzensor ernannt. Seine Ehrlichkeit passte nicht allen Beamten. Er starb im Jahr 1587. Im Ming-Reich galt sein Name als mutig, loyal und unbestechlich. Dafür wird er heute noch geehrt. 




Haikou beherbergt ein riesiges Museum, welches sich auf einer Fläche von 8'000 m² mit der Geschichte der Insel befasst. Es konnten tonnenweise Keramik und viele weitere Handelsgüter von gesunkenen Schiffen gehoben werden. Sehr gut erhaltene Objekte sind hier zu bestaunen. Generell sind Museen in China überdimensional und vielseitig. Wir benötigen jeweils mindestens drei Stunden, um uns von der Geschichte, Kultur und der Entwicklung von China ein angemessenes Bild machen zu können. 


Etwa 15 Kilometer südlich von Haikou ist der Volcanic Global Geopark, ein Vulkanpark. In einem Raum sind die weltweit bekannten Vulkanparks genannt. Unter vielen auch der Vulkanpark Eifel genannt. Eine interessante Reise ins Tertiärzeitalter (40 Mio Jahre) zurück. Man kann in den Vulkankrater hinunter steigen und sieht auf dem Hinweg eindrückliche Lavasteinfelder.


Wie eingangs bereits erwähnt gibt es auf Hainan viele Duty-Free-Shops. Unglaublich grosse und moderne Einkaufszentren locken in- und ausländische Touristen an, um die Steuer zu sparen. Alle renommierten Marken sind vertreten. In den gepflegten Läden steht Personal in Hülle und Fülle bereit, Kundschaft ist eher in Minderzahl. Wir haben uns ein bisschen erkundigt. Es ist aus unserer Sicht etwas kompliziert. Anscheinend kauft man im Laden die Ware, darf sie aber nicht mitnehmen. Am Flughafen und wohl auch am Bahnhof kann man dann die Ware abholen. Jemand gab eine Information, dass die bezahlte Ware im Prinzip sechs Stunden nach Kauf beim Abfahrtsort zum Abholen bereit sei. 



Es gäbe noch viel zu entdecken und berichten, doch wir haben uns entschlossen mit dem Zug nach Wanning weiterzureisen. Wanning am südöstlichen Ufer der Insel beherbergt drei Orte, welche uns begeisterten. Zuerst besuchten wir den ersten Berg auf Hainan, wie er genannt wird. Der Dongshan Berg war einfach zu erklimmen. Es hat Treppenstufen vom Eingang her bis zum Gipfel, wo wir eine herrliche Aussicht Richtung Hainan-Gebirge und zum Meer geniessen konnte. 

Einst führte eine Seilbahn zum Gipfel.

Das zweite Ausflugsziel war der Botanische Garten Xinglong. Eine riesige Fläche mit verschiedensten Pflanzen und langlebigen Pflanzen (damit sind botanisch gesehen Bäume gemeint). Die Saison war für die Blumenwelt nicht ideal, doch wir konnten uns trotzdem an einigen blühenden Blumen erfreuen. Was mich faszinierte war die Vanille-Plantage, was ich zum ersten Mal gesehen habe. 




Der dritte Besuch gehörte dem Bali Village, gleich gegenüber dem botanischen Garten. Eine interessante touristische Anlage wo historisch dargestellt wird, wie die Rückwanderer aus 21 verschiedenen Ländern, Mitte des 20. Jahrhunderts, sich wieder in ihrer Heimat, in Xinglong sesshaft gemacht haben. Sie brachten sichtbar die über Generationen aufgenommene Kultur aus ihrem Exil zurück in die für sie neue Heimat. Sie wurden nach Generationen im Exil in ihren Gastgeberländern als Unerwünschte erklärt. Sie wurden teils bedroht, sodass viele nach China zurückreisten und sich auf Hainan, wie auch in Festlandchina, wieder sesshaft machten. 


Kokosnüsse haben ihr Gewicht - es ist nicht leicht, einen Bund zu heben.




Hainan Teil zwei folgt sogleich. Bis bald mit den herzlichsten Grüssen in die Heimat. 





Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Paestum - Neapel zum Jahresbeginn 2022

106 - Nanjing, Yangzhou, Wuxi und Suzhou. Anschliessend Vorbereitungen zur Heimreise in Shanghai.

103 - Von Zhangjiajie und seiner Region bis zum Fanjing-Berg