95 – Yunnan II, von Lijiang bis Shangri-La
Wir haben Xishuangbanna verlassen und sind mit dem Flugzeug sehr angenehm direkt nach Lijiang geflogen. Der Flug dauerte nur eine gute Stunde. Ein junges Paar gab uns diesen Tipp, ansonsten wären wir vier Stunden mit dem Zug gereist und es wäre erst noch doppelt so teuer gewesen.
Für zwei Nächte haben wir
unser Gepäck im Hotel ausserhalb der Altstadt gelassen und haben mitten in der
Altstadt in zwei verschiedenen Home-Inns übernachtet. Das erste war in einem
ruhigen Quartier. Es hat einen traditionellen, gemütlichen Innenhof. Das Zimmer
war einfach, es passte uns, da wir genau das leben wollten. Die zweite Nacht
war in einer älteren Liegenschaft nahe dem Partyquartier. Wir dachten, dass es
vielleicht zu laut sein wird, doch es war auch angenehm. Am Fenster hatte es
einen kleineen Tisch mit zwei Stühlen. Wir sassen gerne am Fenster und
beobachteten das Treiben auf der Gasse. Da hätten wir es noch einige Nächte
länger ausgehalten. Der Komfort rief uns jedoch ins Hotel zurück.
Die Altstadt ist sehr gut erhalten und gepflegt. Lijiang war ursprünglich die Hauptstadt des Königreichs Naxi. Im 13. Jahrhundert eroberte Kublai Khan während der Yuan-Dynastie die Stadt. In der Folge wurde ein gutes Kanalsystem für Brauchwasser sowie für die Be- und Entwässerung gebaut, das immer noch funktioniert und genutzt wird, natürlich touristisch in erster Linie. Es war eine florierende Handelsstadt zwischen dem Tibet und Yunnan. Ein Erdbeben anfangs 1996 zerstörte etwa einen Drittel der Stadt. Viele traditionelle Bauten überlebten das Beben, moderne Betonbauten stürzten vermehrt ein. Mit dem Tourismus, einem wichtigen Wirtschaftszweig, entdeckte man die Zukunft und so wurde das Stadtzentrum im traditionellen Stil wieder aufgebaut.
Dank dem, dass wir zwei Tage direkt in der Stadt waren, hatten wir die Gelegenheit, das Leben hier in der Stadt zu fühlen. Ich bin morgens «früh» gegen 08°°Uhr durch die Stadt gegangen. Einzelne Geschäfte, welche Backwaren und Milch im Sortiment führten, waren geöffnet, andere noch nicht. Auf den Gassen praktisch keine Menschen. Eine kleine Geisterstadt. Gegen Mittag öffnen die Händler die «Brettverschläge» vor ihren Geschäften, die sie tagsüber auf der Seite oder längs einer Treppe anstellen. Das Leben kehrt so langsam in die Stadt hinein. Je später der Abend umso voller sind die Gassen bis hin, dass man sich fast nur mit der Masse bewegen kann.

Wie schon geschrieben, auf
dem Schneeberg Yulong selber waren wir nicht, doch in derselben Region
befindet sich die Hochland Yak Wiese auf 3'650 m.ü.M. und einige kleine,
künstlich angelegte Seen. Es passt in die Landschaft, doch es ist aus meiner
Sicht schon etwas kitschig. Tausende von Touristen schwärmen hierhin, mieten
traditionelle Kostüme und lassen sich in allen Posen fotografieren. Das ist in ganz
China weitverbreitet und sehr beliebt. Der Ausdruck «kulturelle Aneignung» ist
hier nicht bekannt, nicht einmal als Fremdwort. Ich habe auch schon darüber
geschrieben. Leider war das Wetter all die Tage nicht so überwältigend, eine
wohl schöne Fernsicht blieb uns während unserem ganzen Aufenthalt in Lijiang vorenthalten.
Nach einem Spaziergang zum Wangu
Pavillon, auf einer kleinen Anhöhe am historischen Stadtrand, wo man ein herrliches Bild
über die Dächer der Altstadt hat, flanierten wir, nach einem gemütlichen
Kaffeehalt, wieder durch die Altstadt.
Die Wanderung auf den Hausberg
beginnt beim Hei Long Tan Park. Es geht recht steil aufwärts. Der Weg
führt meistens durch den Wald. Das war bei der entsprechenden Hitze angenehm.
Oben angekommen wird man mit einem schönen Panorama überrascht, doch der
Schneeberg versteckte sich auch heute hinter den schweren Wolken.
Der Königspalast Mufu, respektive die königliche Residenz der Naxi des Mu Clans, ist sehr gross und beeindruckend. Die verschiedenen Hallen für Empfang, Gerichtbarkeit, Besprechungen, zum Speisen bis hin zum Tempel am Berghang. Seit neuem wird hier ein Freilichtspiel aufgeführt, das wir besuchten. Es handelt vom chinesischen Geographen und Schriftsteller Xu Xiake. Xu bereiste bis 1641 zu seinem Tod 16 Provinzen des Landes. Er sammelte Landkarten und Dokumente und erforschte die Geographie, Pflanzenwelt und die lokalen Kulturen.
Die Tigerschlucht am
Yangtse, ein gewaltiges Naturspektakel, war ein wichtiges Reiseziel für uns. Die
Tigerschlucht ist eine der tiefsten Schluchten der Welt. Der Yangtse, welcher
hier Jinsha-Fluss genannt wird, führt eine gewaltige Wassermasse Richtung Meer.
Wir haben ein Taxi für einen ganzen Tag gemietet. Dies kostete 500 CNY, was
etwa 63 CHF entspricht. Eine spannende Fahrt das Tal hinauf, wo einem die
Felswände manchmal zu verschlucken schienen. Am Ziel angekommen begann unsere
Wanderung steil talabwärts. Der vielseitige Pfad lässt, umgeben von der
Schönheit der Natur, das Herz höher schlagen. Auf jeden Fall erlebte ich das
so. Unten angekommen bewunderten wir die Kraft und Gewalt der Natur, wie sich
die Wassermenge in verschiedensten Tonarten schäumend durch die engen Felswände
drängte. Wir setzten unsere Wanderung fort, dieses Mal aufwärts. Da ging es
teils extrem steil. Metalltreppen verhinderten zwischendurch Kletterpartien die
Felswand hoch. Die Wanderung dauert für geübte Wandersleute zwei Stunden, wir
nahmen es gemütlich und genossen die Zeit während drei Stunden.
Anschliessend ging es mit dem Taxi weiter zum «Tigersprung», dem Touristen Hotspot. Ein Platz, wo ein Tiger vor dem Jäger flüchtete und einen riesigen Sprung über den Yangtse machte. Der Mythos entspricht dem Hirschsprung im Schwarzwald. Dieser Platz ist voll touristisch. Mit einer langen Rolltreppe kommt man bequem zum Wasser. Auch hier kann man die Kraft des Wassers beobachten. Unter vielen Menschen schiesst man einen Moment lang einige Fotos und dann geht es per Rolltreppe wieder hoch.
Auf dem Rückweg haben wir noch einen kurzen Fotohalt bei der ersten Flusskurve des Yangtse gemacht.
Die antike Stadt Baisha, ein schmuckes, altes Städtchen nahe von Lijiang begeisterte uns ausserordentlich. Es ist die früheste Siedlung der Naxi, einer Minderheit in China. Der Chef des Mu Klans «Tusi» kam hier auf die Welt. Während der Ming-Dynastie wurden der Dabaoji-Palast, Liuli-Tempel und der Wenchang-Palast gebaut. Hier findet man die berühmten Baisha-Fresken. Gemälde, wie man sie in Dunhuang findet. Das war sehr beeidruckend.
Schade, dass man nicht im Voraus weiss, ob sich ein Besuch lohnt oder nicht. Wenn wir es in diesem Fall gewusst hätten, wir hätten diese Stätte nicht besucht und uns in der Altstadt Baisha mehr Zeit gegönnt. Wir besuchten die «Minderheiten-Anlage», das Jadewasser-Dorf. Das einzig Interessante waren die Schriftzeichen der Naxi verglichen mit den chinesischen Schriftzeichen. Die Anlage selber ist eher ungepflegt und wir waren fast die einzigen Besucher. Wir können uns vorstellen, dass vielleicht ein bis zwei Mal einige Rituale von einheimischen im Jahr gefeiert werden. Mir kommt es vor wie eine typische kommunistische, überdimensionierte Grossanlage um der Welt zu zeigen, wie gut die KP zu den Minderheiten schaut. Dass einzelne Minderheiten auf dem Weg zum Aussterben sind haben wir in Kunming aufgenommen. Sie werden nur noch als museale Attraktion erhalten. Da sie in der Schule ihre eigene Sprache nicht mehr lernen können geht der Verlust einer Sprache und einer Minderheit verloren. Auf jeden Fall, ein Besuch dieses Tempels lohnt sich nicht, es ist eher eine Touristenfalle.
Nach einer guten Woche sind wir mit dem Zug nach Shangri-La weitergefahren. Unweit der Altstadt und seinem historischen Kern auf 3'400 Meter fanden wir ein neu eröffnetes, angenehmes Hotel. Die Altstadt ist recht gut erhalten und es macht Spass, durch die Gassen zu flanieren. In der Mitte der Stadt ist auf einer Anhöhe der Guishan-Park, ein riesiger Tempel. Daneben steht eine der grössten Gebetsmühlen im tibetischen Raum.
Die gepflegte Altstadt passte uns und Maria liess es sich nicht nehmen, am abendlichen Tanz auf dem Stadtplatz mitzumachen.
Wir haben uns schlussendlich entschieden, nicht ins Tibet zu reisen. Das eindrückliche Lhasa bleibt uns also verschlossen. Hier steht jedoch der sogenannte buddhistische «Klein-Potala-Palast». Beim Besuch dieser religiösen Stätte erhielten wir zumindest den Eindruck, vor dem Potala-Palast zu stehen. Ein grossartiger Palast mit vielen Tempeln auf einer Anhöhe. Davor ist ein kleiner Teich. Ich fand ein Plätzchen, wo der Wind die Seeoberfläche nicht kräuseln konnte. Ich bin ganz glücklich, dass ich dadurch ein Postkartenfoto knipsen konnte.
Von Shangri-La her haben wir zwei grössere Ausflüge gemacht. Einmal machten wir eine Fahrt zu den Baishuitai Kalksteinterrassen. Die Fahrt dauerte etwa zwei Stunden mit dem Bus durch das Gebirge. Dort angekommen gab man uns etwa 1½ Stunden Zeit, um die Terrassen zu besuchen. Dann hiess es wieder, in den Bus zu steigen um die Rückfahrt anzutreten. Eine schöne und spezielle Naturlandschaft. Sie ist mit Pamukale in der Türkei zu vergleichen, wobei der Kalk in der Türkei weisser ist. Die Landschaft über Pässe und durch Täler war eindrücklich. Wir haben das Glück, nur selten solche Gruppenreisen buchen zu müssen. Doch ab und zu ist es auch gut so.
Beim zweiten Ausflug besuchten wir den Potatso Nationalpark. Als Pensionierte hatten wir kostenlosen Zugang. Wir mussten für die Busfahrt einige Franken bezahlen. Der Buschauffeur fuhr uns zum ersten Punkt und informierte, dass wir hier aussteigen und bei der nächsten Bushaltestelle wieder zusteigen können. Die traumhafte Landschaft, dem kleinen Bächlein entlang, begeisterte uns. Ich fühlte mich mitten in der Schweiz, in unserer Heimat. Wir stiegen wieder in den Bus und fuhren bis zu den Seen. Dort konnte man dem Ufer entlang spazieren und die faszinierende Landschaft bestaunen. Hier waren wir wieder in China, eine andere Landschaft als bei uns. Alles ist riesig und vor allem, wir waren nicht mehr so alleine.
Bis zum nächsten Reisebericht, ein herzliches Nihao in die Heimat






























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