97 - Chongqing & Chengdu

Mit dem High-Speed-Zug sind wir von Dali her in der Provinz Sichuan angekommen. Die Provinz beherbergt viel Landwirtschaft vor allem auf dem riesigen Sichuan Becken, der Tieflandregion im Südwesten von China. Sie wird auch «Land des Überflusses» oder Kornkammer, respektive eher Reiskammer Chinas genannt. Westlich ist die Gebirgskette, welche an das Tibet grenzt, nordöstlich ist ebenfalls eine eindrückliche Gebirgslandschaft. 


Wir haben als erstes die Stadt Chongqing besucht. Mit der Fläche von 82'200 km2, fast doppelt so gross wie die Schweiz, ist Chongqing die grösste Stadt der Welt. Wenn man im Web nachschlägt stösst man oft auf diese Information. Als grösste Metropolregion gilt jedoch Tokyo. Nun denn, Statistik hin oder her, was wir bestätigen können ist, Chongqing ist eine riesengrosse und vielseitige Stadt.


Jian verbrachte seine Sommerferien in China. Wir freuten uns darauf, da wir etwa 10 Tage zusammen verbringen durften. Am 23. Juli ist er in Chongqing angekommen, wo wir uns getroffen haben. Dann ging es zusammen weiter nach Chengdu, bevor er dann via Shanghai wieder in die Schweiz zurückkehrte. Es waren besondere Tage für uns, die wir sehr genossen haben.

Beginnen wir mit dem modernen Teil der Stadt. Das Chaotianmen Dock ist ein wichtiger Knotenpunkt für den Wassertransport. Hier fliesst der Jialing-Fluss in den Yangtze. Im Jahr 314 BC wurde dort ein Stadttor gebaut. Die lokalen Beamten knieten nieder um die Aufträge des Kaisers zu erhalten. Der Kaiser wurde als Sohn des Himmels wahrgenommen. Chaotian bedeutet «in Richtung Himmelstor». Hier steht nun der moderne Stadtteil, die heutige Visitenkarte von Chongqing. Das Raffles-City, ein ultramodernes Gebäude, welches in seiner Art absolut an ein Himmelstor erinnert, beherbergt modernste Geschäfte, Büros und es versteht sich, auf der obersten Plattform einige Attraktionen. Ein kitzeliges Angebot liess sich Jian natürlich nicht nehmen. Eine Schaukel, welche über den Gebäuderand hinaus schwingt. Maria und ich sagten zu uns, dass es ja auch Zuschauer braucht.

Bild rechts: Das Raffles-City. Die Schaukel befindet sich am Rand der runden, gebogenen Dachkonstruktion.

Eine Times Square wie in New York gibt es auch hier. Der Jefangbei ist jedoch etwas bescheidener, doch es leuchtet und blinkt auf allen Seiten. Gleich daneben ist das Chongqing-Denkmal, welches an die Befreiung mit dem Sieg über die Japaner im zweiten Weltkrieg erinnert. 1950 wurde das Denkmal umbenannt. Es erinnert nun an die kommunistische Eroberung des Gebiets.

 

Die Altstadt mit ihren Treppen am Ufer des Jialing, einem Zufluss zum Jangtze, leuchtet besonders abends als eindrückliches Quartier Hongyadong. Es wird angenommen, dass der Gebäudekomplex des Ba-Staates, aus der Zeit vor Christus stammt. Während der Ming-Dynastie wurden Häuser auf Stelzen gebaut. Bis 1949 waren die Häuser noch bewohnt. 2005 liess die Regierung die Häuser abreissen und baute im ähnlichen Stil der Bayu Diaojiaolou den heutigen Komplex. 

Die Metrostation Liziba ist wohl einzigartig auf der Welt. Da fährt die Metro mitten in ein Haus und verlässt es kurz darauf auf der anderen Seite wieder. Wir besuchten ein weiteres Einkaufszentrum der Superlative, das «The Ring». Es beinhaltet den grössten traumhaften botanischen Garten innerhalb eines Einkaufszentrums. 70'000 tropische Pflanzen und ein 20 Meter hoher, künstlicher Wasserfall können bewundert werden. Ansonsten die üblichen Markenartikelgeschäfte, Restaurants und Unterhaltungsangebote.


Wir besuchten den Aussichtsplatz & das Museum des antijapanischen Kriegs Chongqing Anti-Japanese War Site Museum. In der Schlussfolgerung im bescheidenen Museum wird auf den Widerstandskrieg gegen Japan hingewiesen. Dieser sei der schwierigste Abschnitt der Verjüngungskur der chinesischen Nation, so Xi. Er sprach dazu, dass alle Chinesen Helden sind, die zu diesem Sieg beigetragen haben, sei es im rückwärtigen Dienst oder an der Front. Einige Häuser sind nicht in einem optimalen Zustand. Das Haus, wo seinerzeit Chiang Kai-shek residierte, konnte besucht werden. Am 25. Oktober 2010 wurde ein Denkmal anlässlich des 65. Jahrestages der Wiedereingliederung Taiwans in die Volksrepublik China eingeweiht. Dieses wurde vom Zentralkomitee der Demokratischen Autonomen Allianz Taiwans und der Volksregierung der Stadt Chongqing errichtet. Man beachte, dass das Denkmal mit einer Allianz und nicht mit der Regierung von Taiwan erstellt wurde. Wenn man die Anlage auf einem Wanderweg verlässt kommt man zu einem eindrücklichen Aussichtspunkt, wo man über die Stadt Chongqing sehen kann.  

Bild links: das Denkmal. Mitte und rechts: Wir haben in Chongqing etwas Einmaliges erlebt. Hinter dieser goldenen Statue auf dem Berg haben wir vom Hotelzimmer her den Vollmondaufgang erlebt. 

Einige Tage später reisten wir mit dem Zug nach Chengdu weiter. In Chengdu, respektive in der Provinz Sichuan sagt man, dass es nur zwei Jahreszeiten gibt. Winter und Sommer. Es scheint schon etwas daran zu sein. Die Klimatabelle zeigt an, dass im Januar die Temperatur gegen Null Grad ist, sie steigt steil aufwärts bis über 30° im Mai bis, wie erlebt, über 40° im Juli/August und dann fällt die Temperatur rasch wieder hinunter. 


Wir besuchten zusammen die Altstadt Dujiangyan, die an einem historischen Stauwehrsystem liegt, welches gut 250 Jahre BC zur Bewässerung des Roten Beckens, einer Fläche von 200'000 km der Provinz Sichuan während der Qin-Dynastie gebaut wurde. Es ist sehr eindrücklich, wie diese Menschen weitsichtig agiert haben.  



Ausserhalb der Stadt ist die grosse Aufzuchtstation für Pandas. Es ist eine riesige Anlage, einem Zoo ähnlich, wo Pandas gezüchtet, gepflegt und geschützt werden. Am Tag, wo wir die Pandas schauen wollten regnete es nur einmal und es strömten viele Menschen in den Park. Pandas sah man kaum, doch die Menschenmenge mit Schirm in der Hand war beinahe unerträglich. Jian sagte nach einer guten halben Stunde: «gehen wir?». Ich war erleichtert und stimmte umgehend zu. Wir gingen zurück nach Chengdu und genossen ein gemeinsames Abendessen.

So sehen Pandas definitiv nicht aus. An der guten Laune hielten wir trotzdem fest. 

Jian hat uns verlassen, er zog Richtung Shanghai weiter. Wir sind noch einige Tage in Chengdu geblieben und besuchten bei idealem Wetter noch einmal das Panda-Gehege. Wir hatten Glück und konnten viele Pandas bestaunen.  


In Chengdu besuchten wir die Tempelanlage Wuhou, welche dem äusserst bekannten Poeten und Politiker Du Fu aus der Tang Dynastie gewidmet ist. Er wohnte auch in einem dieser Häuser.


In Chengdu ist die historische Altstadt Kuanzhai. Ein lebhafter touristische Ort bekannt mit einer schmalen und breiten Strasse.  


Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch des Museums Sanxingdui. Jian wünschte das mit uns zusammen zu besuchen, doch die Tickets waren alle ausverkauft und wir wollten nicht riskieren, 40 Kilometer weit zu reisen um dann ohne den Besuch des Museums gleich die Retourfahrt antreten zu müssen. In Anbetracht, dass Maria und ich über 65 Jahre alt sind, riskierten wir es später. Personen mit chinesischem Pass ab 65 können das Museum kostenlos besuchen. Für Ausländer, na ja, wie geschrieben, wir riskierten es. An der Kasse war eine weniger kompetente Angestellte, sie wies uns direkt zum Eingang. Dort hatten wir Glück, wir wurden von einem kompetenten, höheren Angestellten «abgefangen», er brachte uns zum selben Ticketschalter, gab entsprechende Anweisungen und wir konnten für mich ein Ticket kaufen. Es hatte enorm viele Besucherinnen und Besucher. Vor den Vitrinen musste man sich manchmal so richtig durchboxen, um überhaupt etwas zu sehen. Chinesen sind eben keine Engländer, die eine Kolonne bilden. Da geht es eher wie in einer Schafherde zu und her, die durch ein enges Tor drängen, um ein Foto von einem historischen Kunstgegenstand im Glaskasten knipsen zu können. Das riesige, moderne Gebäude beherbergt unglaublich schöne und eindrückliche Figuren aus dem Neolithikum bis hin zur frühen Shu-Kultur der Shang- und Zhou-Kultur im 12. bis 11. Jahrhundert BC während der Bronzezeit.



Das Jinsha Museum stellt ebenfalls Artefakte der Sangxingdui-Zeit aus. Die Stätte wurde erst im anfangs Februar 2001 entdeckt. Das Museum ist spannend aufgebaut und gibt einen guten Einblick in diese Periode. Hier konnten vor Ort wichtige Ausgrabungen aus der Zeit 1'000 BC gemacht werden. Das gefundene Goldornament (Bild unten links) stellt die Sonne dar um welche vier Vögel kreisen. Es wird "Sonne und unsterblicher Vogel" genannt und gilt nun das Symbol der Stadt Chengdu. 

Im Chengdu Museum ist eine Sonderausstellung im Rahmen der Kultursaison 2024 Chengdu-Europa. Dabei wird der 60. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Frankreich und China gefeiert. Künstler der Akademie des Beaux-Arts aus China (u.a. Wu Weishan) und Frankreich (u.a. Claude Abeille) stellen hier ihre eindrücklichen Werke aus. In der Dauereausstellung wird neben anderen Themen das Schattenspiel und Puppentheater auf eine eindrückliche Art präsentiert. 


Wir sind mit der Metro zur Endstation gefahren. Anschliessend nahmen wir den Zug, es hatte nur noch Stehplätze. Doch für eine halbe Stunde war das zum Aushalten. Wir besuchten den Qingcheng-Berg, der als Begründungsort des Daoismus gilt. Ein eindrücklicher Tempelberg. Bei der Rückfahrt verpassten wir den Zug um zwei Minuten. So mussten wir 1½ Stunden warten, bis der letzte Zug nach Chengdu fuhr. Zum Glück haben wir Zeit und keinen Termin. 

 

Einmal mehr sind wir einfach der Nase nach auf Stadtwanderung. Plötzlich standen wir vor einem Alkohol-Museum, dem Shuijingfang Site Museum. Die Brennerei Shuijingfang ist ein immaterielles Kulturerbe und ist mit 600 Jahren scheints die älteste Brennerei in Chengdu, in welcher noch Alkohol gebrannt und verkauft wird. Im selben Quartier wurde eine Altstadt nach Vorlagen neu aufgebaut, wo sich vor allem das Abendleben in Bars geniessen lässt.

Bild rechts: Eine Degustation zum Schluss mit einer Fachperson. 

Am letzten Abend in Chengdu spazierten wir vor dem lokalen Opernhaus vorbei, wo die Sichuan-Oper aufgeführt wird. Zentral in dieser traditionellen Kunst in China ist das Maskenwechseln. Der Ursprung dieses Maskenwechseln ist hier in der Provinz Sichuan. Wir haben uns spontan entschlossen, eine Aufführung zu besuchen. Wir haben es nicht bereut und genossen einen spannenden, unvergesslichen Abend. 

 

In Chengdu logierten wir gleich drei Mal im Anyee Garden Hotel. Zu einem Preis zwischen CNY 270 und CNY 420, je nach Saison, pro Nacht, (CHF 33 bis CHF 51) inkl. Frühstück. Das Zimmer ist 45 m2 gross, hat eine Sitzgruppe und einen Arbeitsplatz. Das Frühstück, na ja, nicht unbedingt mein Favorit, doch das Hotel passte uns ausserordentlich und wir genossen einen perfekten Service an der Rezeption. Sie konnten es jedes Mal arrangieren, dass wir das Zimmer 701 erhielten. Wir fühlten uns ein bisschen wie zuhause.   


Zum Abschluss unseres Aufenthalts in Chengdu haben wir noch etwas Lustiges erlebt. Maria hat im Internet gesehen, dass eine grosse Chrysanthemen-Ausstellung im People’s Park ist. Wir sind von unserem Hotel dorthin spaziert (gut zwei Kilometer) und fanden keine einzige Chrysantheme. Wir fragten einen Ordnungshüter, wo die Blumenausstellung sei. Er gab uns schmunzelnd zur Antwort, dass diese im letzten Jahr stattgefunden habe, viele Leute haben ihn schon darauf angesprochen. Wir wanderten dann etwas durch den Park, doch es hatte zu viele Menschen. Man stand sich eher mehr als weniger im Weg. Also verliessen wir den Park. Maria hat dann im Internet nachgeschaut und gefunden, dass wir nicht die Einzigen waren, die die Ausstellung besuchen wollten. Sie fand allerlei Posts von Menschen, die enttäuscht nach Hause zurückkehrten. Wir sind im Zeitalter des Internets angekommen, da findet man so viele Informationen, teils ohne Datum, sodass man annimmt, die Veranstaltung oder Ausstellung sei aktuell und nicht aus alter Zeit. Folglich keine Fotos zu diesem Anlass 😊. 

Chengdu in der Woche vom 1. Oktober, dem Nationalfeiertag Chinas und wir... irgendwo mitten drin.  

Vom Grossstadtleben satt, reisten wir «aufs Land» nach Guangyuan weiter. Darüber im nächsten Bericht.

 

Ein herzliches Nihao in die Heimat.


In Chengdu haben wir einige gute Restaurants gefunden. Hier im waren wir gleich drei Mal. Maria schätzte den Fisch und ich das Crevetten-Gericht. Mit Liebe zubereitet und mit Charme serviert. 

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