98 - Von Guangyuan nach Zhaohua zum Janmenpass
Wir haben Chengdu verlassen und fuhren mit dem Zug nach Guangyuan weiter. Die Stadt mit einer halben Million Einwohner fühlt sich angenehm und übersichtlich an. Das Hotel Yishang Oriental, in einem neuen Quartier, war sehr komfortabel. Wir fühlten uns von Beginn an wohl. Am ersten Tag nahmen wir es uns gemütlich und spazierten einfach mal dem Jialing-Fluss entlang. Von der Seite her fliesst der Nanhe-Fluss ein. Wir gingen über die Brücke des Nanhe, den Flussnamen nicht kennend. Wir fragten einen Fischer, wie der Fluss heisst. Er sagte uns, dass beide Flüsse Jialing heissen. Nun ja, wir stellen oft fest, dass die Einheimischen Menschen wenig Kenntnis ihrer eigenen Region haben. Wenn man Ordnungshüter oder Freiwillige (sie werden so genannt und sind auch entsprechend beschriftet. Dass sie auf einer Lohnliste stehen ist für unsere Wahrnehmung doch etwas komisch.) fragt, wo zum Beispiel ein Museum, der Bahnhof, ein Park oder ein Einkaufszentrum, welches sich nach unserer Information ganz in der Nähe befindet, wissen sie es sehr oft nicht.
Erste Eindrücke der Stadt. Minimale Hektik, angenehme Stimmung und spielende Kinder.
Der 1’000-Buddha-Felsen in Guangyuan ist 388 Meter lang und 45 Meter hoch. Die Statuen wurden zwischen der Wei-, Tang- und Qing Dynastie geschaffen (zwischen 220 bis 660 AD). Hier befinden sich über 130 Bodhisattva auf Lotussitzen, welche den Glauben der Menschen zu jener Zeit im westlichen reinen Land widerspiegeln.
Der Huangze Tempel befindet sich schräg gegenüber des 1'000 Buddha-Felsens. Das Kloster wurde in der
Tang-Dynastie während der Zeit der Kaiserin Wu Zetian gebaut. Hinter dem
Kloster befinden sich ebenfalls wertvolle und gut erhaltene Skulpturen in
verschiedenen Grotten. Wu Zetian war die einzige Frau mit dem Titel Kaiser. Sie
herrschte von 690 bis 705 AD. Den Tempel des Himmlischen Friedens durften nur
Männer betreten um für das Volk zu beten. Nur der «Sohn des Himmels» hatte
seinerzeit Verbindung mit den Ahnen und nur er konnte um eine gute Ernte und um
Verschonung von Kriegen und Horden bitten. Wu durfte den Tempel nicht betreten,
doch als nomineller «Kaiser» durfte «er» dort für das Volk beten.
Das Museumsgebäude in Guangyuan ist, wie üblich in China, auch hier überdimensioniert gross. Im selben Gebäudekomplex ist auch ein Kino integriert. Wir mussten suchen, wo der Eingang zum Museum ist. Dazu fragten wir zwei Damen hinter einem Schalter auf dem riesigen Gelände. Sie hatten keine Ahnung und verwiesen uns 70 Meter weiter zu einem anderen Schalter. Vis-à-vis ist ein Theatersaal. Wir fragten dazu, ob und wann eine Aufführung stattfinden werde. Sie verwiesen uns aufs Internet, sie waren nicht auf dem Laufenden. Den Eingang zum Museum haben wir schlussendlich gefunden und wir waren einmal mehr beeindruckt ob der Dimension der Ausstellungshallen. Viele Themen, welche im Steinzeitalter beginnen, wiederholen sich in all den Museen in China. Was uns besonders interessiert sind die spezifischen Ausstellungen über die lokale Kultur.
Wir besuchten das alte Zentrum der Stadt um ein paar neue Jeans für mich zu kaufen. Maria hat die Hose, welche ich vor fast zwei Jahren in Portugal gekauft habe, schon drei Mal geflickt. Doch nun haben sie wirklich ausgedient. Vor dem Einkaufsbummel sind wir noch durch den Stadtpark spaziert und konnten auf den speziellen Turm «Phoenix Tower» steigen. Die Aussicht über die Stadt und Region ist beeindruckend. Vor dem Aufstieg sind wir bei einem Phonak-Geschäft vorbeigekommen. Da haben wir uns ein kurzes Gespräch mit der Leiterin nicht nehmen lassen.
Nach einem erholenden Aufenthalt sind wir nach Zhaohua, einer historischen Altstadt in der Nähe weitergezogen. Eine zentrale Stadt aus der Periode der drei Königreiche in China. Untere Bildreihe; Alltagsleben in der Stadt.
Am Stadtrand wurde ein neuer Markt gebaut. Er steht wohl am falschen Ort, denn er wird scheints nicht als Markt genutzt. Er dient wohl als Platz um Maschinen unterzustellen und um verschiedene Produkte zu trocknen.
Hier haben wir eine eindrückliche Freilichtaufführung besucht. Wir standen vor der Kasse beim Eingang und «werweisten», ob wir die Aufführung besuchen wollen oder nicht. Da kam ein Mann auf uns zu und sagte: «Ihr seid unsere Gäste». Etwas verlegen dankten wir und beschlossen, das Geschenk anzunehmen. Beim Freilichtspiel ging es um die Bildung. Vom Weg der Kinder einer reichen lokalen Familie, durch die strenge Primarschulzeit mit Züchtigung bis zum Hochschulabschluss mit Ball und Feier, wobei bei dieser Szene auch alle Besucherinnen und Besucher mit Früchten, Tee und einem kleinen, lokalen «Schnaps» bedient wurden. Zum Tanz wurde jedoch niemand aufgeboten. Die Stadtmauer, wie man sie heute auf zwei Seiten sehen kann, wurde als touristische Anlage vor gut 20 Jahren gebaut. Gebäude, Familienhäuser und Tempel sind hingegen grösstenteils noch aus der alten Zeit. Wir logierten in einem historischen Gebäude, welches, wie viele andere auch, als Home-Inn ausgebaut wurde.
Nach zwei Nächten fuhren wir nach Jiange County, einer kleineren Stadt, weiter. Wir fanden ein neues Hotel am Stadtrand, wo ebenso eine neue Brücke steht, welche ein Monat vor unserer Ankunft eröffnet wurde. Wir spazierten gemütlich dem Qingjiang-Fluss entlang. Im Altstadtkern angekommen sah ich eine kleine Sattlerei. Schon lange suchte ich ein Geschäft, das mir die Kameratasche neu nähen kann. Hinten im Geschäft sass eine Frau, die nicht so begeistert auf uns zu schaute. Hinter der Theke schlief ihr Mann, er erwachte und stand sofort auf. Vor dem Geschäft steht seine Nähmaschine, er begutachtete meine Tasche und setzte sich an die Maschine. Im zweiten Anlauf hat er die Halterung perfekt festgenäht.
Von hier aus machten wir zwei
Ausflüge. Der erste war zum Jianmen-Pass. Da wir Zeit hatten und diese
Region so spannend war, besuchten wir den Pass gleich zwei Mal. Das erste Mal
nahmen wir den ordentlichen Wanderweg vom Südeingang zum Nordeingang. Der Pass
wird als der uneinnehmbarste Pass der Welt bezeichnet. Beim Tor zum Pass ist
geschrieben, dass hier ein Soldat genügt, um eine ganze Armee zu stoppen. Die
mehrstündige Wanderung war abwechslungsreich und schön.
Das zweite Mal nahmen wir den «Bird-Path». Der ist schon etwas anspruchsvoller. Man geht auf einem mit Geländer gesicherten steilen Fussweg die Felswand hoch. Es gäbe noch einen weiteren Weg, den «Monkey-Path». Der war uns aber zu speziell. Man ist an einem Drahtseil gesichert und geht auf einem sehr schmalen Weg die Felswand steil hoch. Übrigens, für Personen ab 60 Jahren wären beide Wege verboten. Maria sagte bei der Kontrolle, dass wir als Ausländer keine entsprechende APP haben und uns nicht anmelden könnten. Der Kontrolleur blickte uns etwas komisch an, studierte einen Moment, was auch immer, und winkte uns dann durch.
Einen weiteren Ausflug machten wir in den Cuiyun Corridor. Dort stehen teils über 2'000 Jahre alte Zypressenbäume. Der Park wird gut gepflegt. Die alten Bäume sind sehr eindrücklich und könnten viele Geschichten erzählen. Mein Vater hatte eine Zypresse in seinem Garten. Beim Lothar, dem Orkan im Dezember 1999, welcher mit über 200 kmh durch die Schweiz fegte, wurde nebst der Spanischen Tanne mit drei Stämmen und anderen Bäumen seine Zypresse flachgelegt. Mit Seilen hat er diesen Baum hochgezogen und verankert. Ich glaubte nicht daran, dass sich der Baum wieder erholt. Doch nach einem guten Jahr entfernte Vater die Seile und siehe da. Die Zypresse stand wieder aufrecht neben der von ihm in eine Kugelform geschnittene Buchspflanze.
Bevor wir nach diesem spannenden Reiseteil im Zusammenspiel der Geschichte mit der Natur zurück nach Guangyuan fuhren, erfreuten wir uns noch einmal an der Stimmung am Fluss, der neuen Brücke gleich neben dem Hotel (Bild unten links) und der Menschen, die in Frieden den Moment leben, eine Wohltat.
Wir übernachteten noch einmal
im Hotel in Guangyuan und bereiteten uns für die Weiterreise vor. Abends gingen
wir noch einmal dem Nanhe entlang zum Wanda-Einkaufszentrum, wo wir in einem
Restaurant zu Abend assen. Morgens, nach dem Frühstück sind wir dann
aufgebrochen um ins Min-Shan-Gebirge reisen. Eine sieben stündige Busfahrt
stand uns bevor.
Bis bald, nach Ankunft einer langen Busfahrt - Bye-Bye Switzerland.























































Kommentare
Kommentar veröffentlichen