99 - Im Min-Gebirge, Jiuzhaigou und Songpan

Die Orte, welche wir in den Regionen von Jiuzhaigou und Songpan im Min-Gebirge entdeckten haben uns sehr beeindruckt. Vielseitige Naturlandschaften und Orte auf gut 3'000 m.ü.M brachten uns in eine traumhafte, andere Welt. 


Eine siebenstündige, kriminelle Fahrt im Bus nach Jiuzhaigou belastete unsere Nerven. Erschöpft sind wir am Ziel angekommen. Der Busfahrer hat während der halben Zeit telefoniert, teils mit dem Mobile am Ohr, teils mit dem Sprechmodus. Zwischendurch hat er gesungen, wohl um sich wach zu halten. Überholt hat er in allen Situationen, in Rechtskurven, ob er etwas sehen konnte oder nicht, er hupte einfach ununterbrochen und hoffte wohl, dass ein allfällig entgegenkommendes Fahrzeug ausweichen würde. Kurz, es war nicht gemütlich. Auf halbem Weg stellte er irgendeine Panne am Fahrzeug fest. Er hielt bei einer einheimischen Werkstatt an und sie suchten nach dem Problem. Es konnte nach einer guten halben Stunde gelöst werden. Der Fahrer sagte, dass er nun direkt und ohne Halt bis zum Ziel fahre, da wir keine Zeit mehr für eine Pause hätten. Auf solche Fahrten könnten wir gut verzichten, doch das weiss man leider nicht im Voraus. 

 

Bilder links: Fahrer und lokale Garage. Bild rechts aussen: Eigentlich hätte es eine schöne Fahrt sein können!

Wir sind in Jiuzhaigou angekommen, doch nicht dort, wo wir dachten. Wir gingen davon aus, dass der Busbahnhof in der Stadt Jiuzhaigou sei. Nun, der Bus fuhr bis Jiuzhaigou Scenic Spot und es gäbe einige Kilometer weiter noch ein Jiuzhaigou Village. Wir rechneten mit diesem Szenario und haben deshalb kein Hotel gebucht. Wir verliessen den Bus. Ich stand auf dem Trottoir und Maria ging zu drei Hotels in der Nähe um zu schauen, ob noch Zimmer frei sind und zu welchen Preisen. In diesem Umfeld hat es nur Hotels, Home-Inns, Souvenir-, Lebensmittelläden und Restaurants. Die «Siedlung» ist einige 100 Meter vom Eingang des Jiuzhai-Nationalparks entfernt. Nach einer halben Stunde winkte mir Maria zu und wir bezogen ein angenehmes Zimmer. Ich habe mir meinen Geburtstag etwas anders vorgestellt. Zwei ruhige Tage in einem etwas besseren Hotel und dann auf Wanderung. Nun, ich habe ja im nächsten Jahr auch wieder Geburtstag. Wir sind flexibel und haben unser Reiseprogramm der Situation angepasst. Wir beschlossen, an meinem Geburtstag den Nationalpark Jiuzhai zu erwandern. Ein riesiges Gebiet mit zwei Tälern lag vor uns. Bis zuhinterst ins Tal sind es über 15 Kilometer. Maximum 40'000 Besucher haben pro Tag Eintritt. Zum Glück war nicht Hochsaison. Ein Busservice ist organisiert und der klappt bestens. 15 Kilometer zu Fuss hin und zurück wäre an einem Tag kaum zu machen. Wir haben es auf etwa 10 Kilometer gebracht. Wir sind mit dem Bus zu einigen Stationen gefahren, wo wir dachten, das seien gute Ausgangspunkte für Wanderungen. Von der Haltestelle her sind wir dann 2-3 Kilometer gewandert um dann eine andere Station mit dem Bus anzufahren. Man müsste in diesem Tal wohl einige Tage verbringen um alles bestaunen zu können. Abends waren wir nachvollziehbar etwas müde aber glücklich und dankbar, was wir alles erleben durften. In einem lokalen tibetischen Restaurant haben wir ordentlich gegessen. 

Nach zwei Übernachtungen an diesem Ort fuhren wir dann gut 30 Kilometer zurück in die Stadt Jiuzhaigou. Dort fanden wir ein tolles, neues Hotel, wo wir uns sofort sehr wohl fühlten. Wir logierten eine knappe Woche und hatten auch Zeit, uns von der langen Wanderung zu erholen und zu informieren, wohin wir noch Ausflüge machen könnten. 

Bilder links: Hotel und Frühstück auf der Hotelterrasse. Bilder rechts: Post- und Postverteilung. 

Einige lokale Geschäfte der Strasse entlang. 

In der Stadt gibt es ein Museum das wir besuchten. Hier war im 2017 ein starkes Erdbeben. Das Museum behandelt dieses Thema. Nur – dieser Teil im Museum war geschlossen. Im Museumsgebäude waren auch eine Tanzschule und eine Bibliothek integriert. Ein bisschen viel Raum in Kombination mit noch mehr Leerraum.

Wir sind dem Baishui-Fluss hoch spaziert und erreichten den Altstadtkern. Auf Google-Map sah ich, dass es hier eine Moschee hat. Wir wollten diese besuchen. Wir waren etwa 200 Meter nahe dran, doch wir sahen keine Moschee. Wir fragten eine Passantin nach dem Weg. Doch sie wusste nicht, dass in ihrer Stadt eine Moschee steht. Wir gingen die Strasse dem Navi folgend weiter. Maria sah die Dachspitze der Moschee und wir suchten nach dem Zugang. Um viele Ecken haben wir diesen schlussendlich gefunden. 

Es ist nachvollziehbar, dass wir den Weg zur Moschee nicht einfach gefunden haben. 

Der kleine Markt in einer Zwischengasse von zwei Hauptachsen hat uns angesprochen. Wir gingen durch den Markt und sahen allerlei lokale Spezialitäten und Kulturen. Da sieht man Marktwanderer, um nicht Marktfahrer zu schreiben, mit ihren Hutten, gefüllt mit Gemüse, Früchten und Beeren, welche dann in der Gasse zum Verkauf angeboten werden. Ein Huhn, das man in der Pfanne kochen möchte, kann man sich noch lebend auswählen. Frischer geht wohl kaum.

 Bild links: lokales Restaurant, rechts davon die Küche. Mitte: Geflügel kann man noch frisch kaufen. Rechts: Da wird Kartoffelstock in der Holztruhe mit dem Holzstössel handgestampft. 

Auf der Karte haben wir das Banyan Tree Resort gefunden. Wir bestellten ein Taxi um dorthin zu fahren. Der Taxifahrer bot uns an, für die Rückfahrt auf uns zu warten. Die Hinfahrt kostete etwa 70 CNY, also keine 10 Franken. Wir einigten uns auf CNY 160 und gaben ihm dann CNY 200 für die Hin- und Rückfahrt inkl. Wartezeit. Es wäre wohl nicht einfach gewesen, ein Taxi für die Rückfahrt zu rufen. Beim Resort angekommen wussten wir nicht eigentlich, in welche Richtung wir gehen sollen. Beschilderungen gab es dazu nicht. Wir gingen einmal mehr einfach der Nase nach. In der Nähe sollte ein kleiner See sein. Nach fünfzehn Minuten durch den Wald entdeckten wir plötzlich den See. Es gab einen Weg um den See durch das Gehölz, auf den wir zugingen. Eine herrliche Gegend erfreute unsere Herzen. Wir freuten uns auch an den vielen verschiedenen Blumen, die in voller Blüte standen. Eigentlich passten diese nicht in diese Berge. Im 2010 wurde hier auf dem Berg ein Golf- und Hotel-Resort gebaut. Das Hotel steht noch und ist in Betrieb. Die angrenzende Siedlung ist ein Ruinenplatz. Etwas weiter ist noch einmal eine Häusergruppe, die noch nicht fertig gebaut ist. In der Mitte eine Liegenschaft, die belebt ist. Dort kann man Freizeitartikel mieten und wohl auch kaufen. Man sah, dass hier ein Golfplatz eingerichtet wurde. Dieser war vermutlich nur kurz, wenn überhaupt, in Betrieb. Nun ist auch nachvollziehbar, weshalb es hier so viele verschiedene Blumen gibt, die in der Alpenwelt eigentlich nicht heimisch sind. Am kleinen See waren drei Fischer, die mit zwei Golfwagen angefahren am See ihr Glück suchten. Die ganze Anlage ist wohl ein überdimensionierter Korruptionsfall, wo anscheinend auch Ping-Pong die Nase drin hatte. Sein Kollege ist im Gefängnis, er konnte – so haben wir vernommen – den Kopf aus der Schlinge ziehen. Ob es der Tatsache entspricht lassen wir offen. Auf jeden Fall, die Natur auf der Höhe von ca. 3'000 m.ü.M. ist wunderschön.


Mitten in der traumhaften Natur...

...im Hintergrund das noble Hotel, wo man auch einen Kaffee geniessen kann. Davor eine der Bauruinen-Gruppen.

Bei der Rückfahrt sahen wir noch Menschen beim Kartoffeln ernten. 

Am Altstadtrand ist ein Hügel, auf welchem ein Tempel thront. Maria machte eine kleine Pause und ich stieg die Treppen steil hoch. Die Aussicht über die Stadt ist beeindruckend und der zentrale, ältere Tempel ebenfalls. 



Nach den erholsamen und schönen Tagen in der Stadt buchten wir eine Fahrt mit dem Bus nach Songpan. Am Vortag der Abreise gingen wir zum Busbahnhof, der etwa 500 Meter neben dem Hotel ist. Die Station ist auch hier sehr gross und es hat kaum Fahrzeuge. Die Dame am Ticketschalter sass halb liegend auf dem Sessel und schaute auf ihrem Mobile einen Film an. Maria hat sie sichtlich gestört. Sie war eher unhöflich und man hatte das Gefühl, dass sie Maria eigentlich nicht bedienen wollte. Als sie dann sah, dass da noch ein «Lauwei» (Langnase) steht, hat sie sich bemüht sich auf den Sessel hinter dem Schalter zu setzen. Wir konnten Fahrkarten für den kommenden Tag kaufen. Am Abreisetag bei der Ticketkontrolle sass eine Dame in Uniform, auch halb liegend. Maria passierte die Kontrolle und sie reagierte kaum. Plötzlich rief sie eher unhöflich zu Maria, dass sie zurück kommen soll um das Ticket zu präsentieren. Kurz, solches Personal hätte im Tourismussektor oder im ÖV in Europa keinen Arbeitsplatz. Der Bus fuhr pünktlich los und wir genossen eine herrliche und angenehme Fahrt über einen Pass von fast 3'500 m.ü.M. 

Wir erreichten Songpan am Nachmittag. Auch hier haben wir aus Erfahrung kein Hotel gebucht. Vom Busbahnhof her bis zum Altstadttor waren es nur gut 300 Meter. Wir gingen mit unserem Gepäck bis vor das Tor, Maria zog in die Stadt um eine Unterkunft zu finden und ich «bewachte» das Gepäck. Bald kam sie zurück und wir bezogen mitten in der Altstadt ein sehr angenehmes Home-Inn.

Die Altstadt Songpan hat uns begeistert. Viele echte historische Bauten sind gut sichtbar und die friedlichen Menschen gehen ihrem Alltag nach. Man hat das Gefühl, sie leben in ihrer Welt und sind damit zufrieden. Man spürt es, Beijing ist weit weg von hier, auch wenn überall chinesische Flaggen wehen und an allen Ecken Überwachungskameras montiert sind.

Die Waage ist bereit!



Der Junge öffnete uns die Türe zu "seiner" Moschee. Er begleitete uns dann noch einen Moment. 

Wir waren auch überrascht von all den Möglichkeiten, Naturplätze zu besuchen. Damit hatten wir gar nicht gerechnet. Aus diesem Grund logierten wir doppelt so lange wie vorgesehen. Steigern wir einmal die Sehenswürdigkeiten der Natur: Erstes Ziel «schön»: Die Erdaohai Gebirgswelt mit einigen Seen, verschiedenen Wäldern bis hin zu einer Thermalquelle auf der Höhe, wo man sich die Füsse wärmen könnte. 


Zweites Ziel «schöner»: Das Mounigou-Reservat. Die Wanderung das Tal hoch bis zum eindrücklichen Wasserfall hat uns begeistert. Als Pensionierte war für uns der Eintritt kostenlos, auch für Ausländer. Pro Person mussten wir jedoch 10 CNY für die Versicherung bezahlen.  


Drittes Ziel «am schönsten»: Der Nationalpark Huanglong. Mit der Seilbahn ging es hoch. Ein absoluter Höhepunkt erwartete uns. Von der Station aus ging es zu Fuss bis zu den Kalksteinterrassen und dann zur Talstation hinunter. Uns blieb öfters der Mund offen vor Staunen. Eine traumhafte, vielseitige und unbeschreiblich schöne Berglandschaft, durch die wir wandern durften, breitete sich vor uns aus. Die acht Kilometer lange Wanderung kam uns sehr kurz vor, da wir immer wieder einen Halt machten um uns an der Natur zu erfreuen.

 


Auf dem Weg hinunter kam uns ein Mann entgegen, der Coca-Cola auf einer Trage hatte, die er auf den Berg bringen musste, das Gewicht… gut 70 Kilogramm. Maria sagte, dass wir diesem Mann 10 Yuan geben könnten. Ich hatte einen Schein im Portemonnaie und gab Maria das Geld. Kurz nachdem wir weiter gingen kam uns ein anderer Mann mit derselben Last entgegen. Ich zückte einen weiteren Schein und Maria gab ihm diesen in die Hand. Bald darauf kam wieder einer daher und ich stellte fest, dass ich nur noch kleine Noten hatte. Also zählte ich auf 10 und Maria gab auch diesem Mann einen Batzen. Es folgten noch zwei weitere «Lastenträger-Männer». Diesen konnten wir leider keinen Batzen mehr in die Hand drücken.

 

Während dem Aufenthalt in Songpan machte ich zwei kurze Wanderungen auf den Berg links und rechts der Altstadt. Einmal morgens früh stieg ich auf den Hügel links vom Minjiang-Fluss. Oben angekommen geniesst man ein herrliches Panorama über die Berge. Die Ruine eines Festungsgebäudes steht auf dem Gipfel.

 

Die zweite Wanderung ging rechts vom Mingjiang-Fluss steil hoch. Bei jeder Aussichtsplattform sah man auf die Altstadt. Ein Bild schöner als das andere. Oben auf dem Gipfel steht ein Tempel, leider etwas verwahrlost. Vermutlich kommen nicht sehr viele Menschen hier hinauf.

  

Wieder durften wir zwei unvergessliche Wochen erleben. Zwischendurch haben wir das Gefühl, dass wir pausenlos unterwegs sind. Kaum haben wir etwas gesehen und erlebt sind wir am Planen, wohin es weiter gehen soll. Über das Ziel Jiuzhaigou und Songpan haben wir öfters und lange diskutiert. Maria wollte diese Region aufgrund der Empfehlung ihres Neveu besuchen, ich eher nicht, da es weit und umständlich zu erreichen ist. Dann hat sie vernommen, dass der Neveu gar nicht dort gewesen sei. Also dachten wir, eher nicht, und so ging es einige Male hin und her bis wir uns doch entschieden haben, die Reise anzupacken. Wir hätten etwas verpasst, wenn wir nicht dorthin gereist wären. 

Ein herzlicher Gruss von der asiatischen Gebirgswelt in die Alpenwelt unserer Heimat. 

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