104 – Von Guiyang ins Huangshan-Gebirge nach Jingdezhen bis Wuhan
Wir zogen weiter nach Guiyang, der Hauptstadt der Provinz Guizhou. Hier logierten wir im angenehmen Hotel Hampton mitten im Altstadtquartier. Irgendwie hatten wir Lust, nach all den doch anspruchsvollen Bergwanderungen einige Museen zu besuchen und uns einige Tage Erholungszeit zu gönnen.
Guiyang, Hauptstadt der Provinz Guizhou ist eine Grossstadt wie viele in China. Sie beherbergt ebenfalls eindrückliche Museen. Zuerst besuchten wir das Kunstmuseum in der Nähe unserer Unterkunft. Es erinnerte mich ein bisschen an das Guggenheim Museum in Bilbao. Das Museumsgebäude ist nicht so alt und, für chinesische Verhältnisse, ein bisschen klein geraten. Es sieht leider etwas in die Jahre gekommen aus und der Unterhalt lässt zu wünschen übrig. Wahrscheinlich zählt es nicht, oder nicht mehr zu den "Hotspots" der Stadt. Am anderen Tag fuhren wir mit dem Taxi zum Provinzmuseum, wir standen vor einem prächtigen repräsentativen Bau. Hoffentlich wird diese Liegenschaft etwas besser unterhalten und somit für die Zukunft gesichert. Zum Kunstmuseum ist es wie Tag und Nacht. Ein riesiges Gebäude mit spannenden Bereichen, Themen und Ausstellungsobjekten.
Das Hauptziel in dieser Provinz war Huangguoshu, ein riesiges Gebiet mit verschiedenen Wasserfällen. Mit dem Bus fuhren wir vom Bahnhof Anshun aus ins Touristenzentrum und logierten im Hotel 21°. Wir wurden mit einem Maibach beim Busbahnhof abgeholt, schon etwas Besonderes. Ein ganz neu eröffnetes Hotel mit perfektem Service und angenehmem Zimmer. Es passte uns ausserordentlich. Wir besuchten den anscheinend grössten Wasserfall in Asien. Für meine Wahrnehmung, wir haben grössere Wasserfälle gesehen, vielleicht ist dieser besonders lang 😊, ist eigentlich egal.
Nach den zweitägigen Wanderungen reisten wir mit Bus und Zug nach Libo, um die Xiaoqikong-Brücke zu besuchen. Hier, wie an vielen Orten, könnte man einige Tage verweilen und durch das Naturschutzgebiet wandern. Wir wanderten zur berühmten Brücke, die 1835 gebaut wurde. Diese war damals eine wichtige Handels-Verbindung in der Region. Nach dieser Wanderung gingen wir noch dem Zhangjiang-Fluss entlang und bestaunten ein riesiges, natürliches Felstor über dem Fluss. Anschliessend fuhren wir zurück nach Guiyang und wollten spät abends wieder im Hampton einchecken, da wir in diesem Hotel unseren grossen Koffer zurückgelassen hatten. Etwas überrascht vernahmen wir, dass das Hotel ausgebucht sei, doch das Personal an der Rezeption war sehr professionell und sympathisch. Sie haben uns das Hotel Regal, etwa 200 Meter entfernt empfohlen. Es passte und wir waren froh, ein angenehmes Zimmer belegen zu können.
Meine 180 Visa-Tage waren bald abgelaufen und ich musste China kurz verlassen, damit ich weitere 180 Tage durch China reisen kann. Also fuhren wir mit dem Zug nach Zhuhai, das wir ja bestens kennen. In Zhuhai angekommen reiste ich anderntags schnell nach Macao ins «Ausland». Ich wollte China nicht wieder zwei Tage zu spät verlassen. Es klappte perfekt. Früh morgens passierte ich die Grenze und zog einfach der Nase nach durch den Altstadtkern. Dabei entdeckte ich Quartiere, die mir noch fremd waren. Abends ging ich zurück nach China, erhielt den für mich wichtigen Stempel in den Pass. Anschliessend genossen wir in «unserem» Hotel einige Tage Pause. Das Personal, von der Rezeption, bis hin zur Raumpflegerin und dem Frühstückspersonal kannte uns noch und so gab es ein herzliches Wiedersehen.
Während dem Aufenthalt in Zhuhai besuchten wir die Altstadt Zhongshan. Es war ein spannender Ausflug in eine Altstadt, wo die Hauptstrasse im Zentrum gerade saniert wird. Eine riesige Baustelle verhinderte, dass wir schöne Fotos machen konnten. Doch eindrücklich war es zu sehen, wie der Altstadtkern modern gebaut wurde. Angrenzend zum «neuen Altstadtquartier» bleibt es wie es ist, beachte das Bild unten rechts.
Wir wären gerne noch in der Region geblieben, doch Maria wollte zahnärztliche Abklärungen in Shanghai machen. Also flogen wir am 26. November zurück nach Shanghai. Während der Zeit hier besuchten wir das Kunstmuseum, den Zoo, die Altstadt Qibao und weitere Museen in der Region. Ebenso mussten wir ein Einreisevisum für Maria beantragen, da ihr Ausweis C abgelaufen ist. Die Begleitung durch das Amt für Bevölkerung und Migration in Freiburg und Generalkonsulat in Shanghai ist vorbildlich. Dafür sind wir sehr dankbar.
Einmal fuhren wir mit dem Auto durch Shanghai ans Meer nach Lingang. Eine Stadt in Shanghai, die am Entstehen ist. Ein Wohnsilo nach dem anderen, Einkaufszentren und moderne Bürogebäude zieren die gewaltige neue Stadt. Etliche Gebäude stehen und sind zum Mieten bereit. Ob dieses Quartier einmal belebt sein wird, das wird sich zeigen. Der «Twin-Tower» ist noch nicht fertig gebaut. Die Bibliothek hingegen schon. Bücher, Bücher, soweit man schauen kann. Wie man die oberen Bücher abstauben kann bleibt mir ein Rätsel. Das kommunistische Regime ist omnipräsent. Es versteht sich von selbst, an bester Lage im Eingangsbereich werden die Bücher von Xi präsentiert. Es hat Menschen, die diese Bibliotheken nutzen, wie auch schon aus Xiamen rapportiert. In meinen Augen sind es doch eher Prestigebauten für eine Minderheit. Der Welt kann man damit zeigen, dass die CCP (Kommunistische Partei) für die Bildung weder architektonische noch repräsentative Grenzen setzt.
Weitere Quartiere, die wir in Shanghai besuchten: Die Altstadt Qibao, gleich daneben die gleichnamige riesige Sportanlage in kommunistischer Dimension, die wohl eröffnet, vielleicht nie genutzt wurde und heute schon leer steht. Im Raum innen sind die Pflanzen am Verdorren. Vielleicht wird diese im nächsten Fünfjahresplan wieder zum Leben erweckt.
Nach einigen Tagen in Shanghai zog es uns wieder ins Gebirge. Wir fuhren mit dem Zug gut 400 Kilometer westlich ins Naturschutzgebiet Huangshan. Zuerst logierten wir einige Tage in einem modernen Hotel in der Altstadt Tunxi. Die historische Altstadt ist gepflegt und beherbergt eine über 1'000 Jahre alte Handelsstrasse. Besonders ist, dass hier verschiedenste Tintensteine angeboten werden, das haben wir bisher noch nie gesehen. Gleich daneben ist eine zweite (entschuldigt meinen Ausdruck) verschandelte Altstadt. Einige alte typische Gebäude im Anhui-Stil stehen noch, die anderen wurden teils abgerissen oder mit einer modernen Glaskonstruktion «umhüllt». Mitten drin steht eine einst katholische Kirche, die heute als Spielhölle genutzt wird.
Anschliessend fuhren wir in einem Kleinbus in das eindrückliche Granitgebirge Huangshan. Das Dorf Tangkouzhen ist nicht so gepflegt aber gut gelegen. Zum Eingang vom Hotel aus ist es etwas mehr als einen Kilometer. Im Naturschutzpark hat es drei Gondelbahnen. Von unserer Seite her führen zwei in die Höhe. So bestiegen wir am ersten Tag die Gondel links. Wir waren etwas überrascht, dass so viele Touristen dasselbe Ziel hatten. Wir sind uns das nicht so gewohnt, doch es war interessant, mitzuerleben, wie es ist, in einer Masse durch die extrem langen «Metall-Kanäle» bis zur Gondel geleitet zu werden. Ein Expo.02-Feeling kam in mir auf. Nun, wir versuchten das auszublenden und genossen die erste Wanderung durch einen Teil des Gebirges.
Am zweiten Tag liessen wir uns von der Gondel rechts hochfahren. Überzeugt, dass die Gondeln mindestens bis 18°°Uhr fahren, genossen wir die Wanderung durch das Gebirge und liessen uns nicht Stressen. Um 17°°Uhr kamen wir bei der Gondelstation an und staunten nicht schlecht, als uns mitgeteilt wurde, dass die Gondeln nicht mehr fahren. Es seien Unterhaltsarbeiten im Gang. Wir hätten jedoch die Möglichkeit, nach Beendigung der Arbeiten doch noch hinunter fahren zu können. Die Wartezeit sei zwischen einer bis vier Stunden. Wir mussten dann, zusammen mit etwa einem Dutzend anderen gestrandeten Touristen, etwas mehr als eine Stunde an der Kälte warten. Alle waren aber glücklich und dankbar, dass wir zurück ins Tal fahren konnten um im Hotel zu übernachten.
Auf dem Weg von Huangshan nach Jingdezhen machten wir einen Halt in Hongcun, einem malerischen, alten historischen Dorf, welches 1131 gegründet wurde. Die Besitzerin einer grösseren Liegenschaft verkaufte der Stadt die ganze Parzelle, welche auch eine Schule beherbergt, die heute als Museum besucht werden kann. Leider nicht sehr gut unterhalten.
Jingdezhen, Chinas Hauptstadt des Porzellans war unser nächstes Ziel. Für mich ein kleines bisschen Heimat, vom Beruf her gesehen. Hier wird seit über 1'700 Jahren Porzellan und Keramik hergestellt. Nicht nur die Königshäuser von China schätzten die Qualität der Produkte. Entlang der Seidenstrasse herrscht noch heute Handel für diese Produkte für die ganze Welt. Es versteht sich, dass die Produktion nicht mehr in den traditionellen Brennöfen geschieht. Doch viele alte Brennöfen und ihre Quartiere können noch besichtigt werden. Einzelne Brennöfen werden für touristische Zwecke immer noch eingefeuert und genutzt. Es gibt Quartiere, da könnte man Lastwagenweise Porzellan und Keramikprodukte einkaufen. Die Stimmung am Wochenende beim Abendmarkt war schon fast weihnachtlich, auch wenn das ganze Jahr durch.


Ein Museum nach dem anderen, ja die ganze Stadt ist quasi ein Museum. Überall wird Porzellan angeboten.


Bild links: Ein Porzellanpalast von vier Bauten etwas ausserhalb der Stadt Jingdezhen.
Zum Silvestertag wollten wir wieder in Shanghai sein, da Jian seine Ferien über die Weihnachtszeit in China verbringt. Also galt es, unseren Reiseplan zu organisieren. Nanchang war noch auf unserer Liste, doch das haben wir gestrichen. In der nächsten Stadt, in Shangrao blieben wir dann zwei Tage länger. Wir logierten in einem Hotel mit Blick zum Xinjiang-Fluss. In der Stadt wurde gerade an einem neuen Einkaufs- und Vergnügungsquartier gebaut. Dieses sollte am 1. Januar 2025 eröffnet werden. Doch wie es aussieht, wird noch nicht alles eingerichtet und vermietet sein.
Wir machten eine Wanderung im Wald-Naturschutzgebiet dem Fluss entlang. Wiesen und verschiedene Baumgruppen wurden längs dem Fluss angepflanzt. Eine neue Strasse führt zwischen dem Fluss und dem Wald durch. Daneben ist ein riesiges Gebäude für Musik und Sport im Bau. Über der neu gestalteten Fläche stehen ein langer Brückenwanderweg und verschiedene Wanderwege am Boden für die Menschen bereit. Liegeflächen, Picknickplätze, Imbiss-Verkaufsstellen und Toiletten fehlen nicht. So etwas in einem Naturschutzgebiet zu bauen, na ja, das geht eben in China.


Bild rechts aussen: Ein riesiges Gebäude für Musik und Unterhaltung wird demnächst dort eröffnet.
Von Shangrao aus sind wir mit einem Taxi zum Wangxian-Dorf gefahren. Der Taxifahrer holte uns um 14°°Uhr beim Hotel ab und fuhr uns zum Ziel. Das Dorf, eben einfach ein klassisches, chinesisches Touristenziel. Man sieht auf den Touristenfotos Häuser, ähnlich wie die hängenden Kloster in Xuankong Si bei Datong. Es ist davon auszugehen, dass es früher keine solchen Häuser gab. Ganz wenig Gebäude sind vermutlich älter, doch alles Übrige ist neu gemacht. Während unserem Aufenthalt stand an vielen Ecken ein Bagger neben dem anderen. Der Bach durch das Dorf wird gerade «vergewaltigt» mit massenhaft Beton. Sie sind daran, im natürlichen, schönen Flussbett ein Riverraftigkanal zu bauen. Empfehlungen für die Besichtigung lauten: Hankleider mieten und sich fotografieren lassen, Wandern und Naturwunder besuchen, das Holzhandwerk entdecken, Souvenirs kaufen, Shows mitten im Dorf besuchen, lokale Spezialitäten degustieren und schon bald mit einem Schlauchboot den gebauten Kanal hinunter fahren. Wir ziehen Bilanz des Ausflugs: «Schön waren wir hier».
Noch blieben uns drei Tage, um Wuhan zu besuchen. Leider war unsere Aufenthaltszeit von Sonntag bis Dienstag, so konnten wir keine Museen besuchen. Doch das Hauptziel haben wir nicht verpasst. Wir fuhren in der Schwebebahn, die kürzlich eröffnet wurde. Um zur Schwebebahn zu gelangen muss man von der Stadt her eine gute halbe Stunde mit der Metro fahren. Die Schwebebahn führt durch ein neues Quartier, dem «Optic Valley». Eine riesige Fläche, wo Wohnsilos, Bürogebäude, Einkaufszentren und Erholungsparks gebaut werden. Einfach festgehalten, "es wird gebaut was das Zeug hält". Ein neu erstellter Weg durch den Erholungspark ist bereits stark beschädigt, bevor dieser rege genutzt wird. Das Timing der einzelnen Bauten wurde wohl nicht zusammenhängend geplant.
Wuhan ist eine Reise wert. Wir besuchten die berühmte Kranichpagode und die historische Brücke. Die erste Brücke über den Yangtse war für mich eher enttäuschend. Ich erwartete eine schöne, historische Brücke mit eindrücklichen Pfeilern. Es ist ein einfacher Bau, auf der unteren Fläche Schienen für den Zug und oben eine Strasse für den Verkehr. Herrliche Abendstimmungen am Yangtse durften wir hingegen erleben. Um weitere Quartiere und Museen zu besuchen fehlte uns dann leider die Zeit.
Am 31. Dezember 2024 bestiegen wir den Zug um auf das Neujahr zusammen mit Jian und weiteren Familienmitgliedern von Marias Seite her anzustossen. So trafen wir einmal mehr in Shanghai ein und ...ein Besuch beim Generalkonsulat der Schweiz stand bevor 👌🍀.
Unsere Reise wird bald einmal zu Ende gehen. Wir haben Flugbillette gekauft und werden am 25. Februar 2025 in Genf landen. Dann heisst es, eine Wohnung in unserer Heimat, in Murten zu suchen und zu finden, uns wieder einzurichten und den gewohnten Lebensalltag wieder zu finden. Diese Herausforderung wird uns beschäftigen. Wir sind zuversichtlich, dass es uns gelingen wird. Beinahe vier Jahre fernab der Heimat ist eine lange, spannende und schöne Zeit. Bald haben wir wieder Zeit, Familie und Freunde regelmässig zu sehen. Darauf freuen wir uns riesig.


























































































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