105 – Shaoxing, Hangzhou, Huzhou, Nanxun bis Jiaxing

Shanghai war in der letzten Phase unserer Reise in Asien die Stadt, welche wir regelmässig, auch für unsere Rückreisevorbereitungen besuchten. Jian verbrachte seine Winterferien hier in China. Er reiste in den hohen Norden um zu Snowboarden. Bevor er zurück in die Heimat flog, trafen wir uns zwei Mal in Shanghai. 

Bild links: Unsere Reise schliesst sich im unvergesslichen Kreis? Das Bild in der Mitte bedeutet mir viel. Meine Gedanken folgen der Stimmung. 

Die ersten Rückreisevorbereitungen standen an. Wir fuhren am 3. Januar zum Generalkonsulat um das Einreisevisum für Maria zu beantragen. Mit dem Verantwortlichen des Amts für Bevölkerung und Migration im Kanton Freiburg pflegten wir stets guten Kontakt. Maria erhielt seinerzeit die Aufrechterhaltung des Ausweises C bis zum 22. März 2025. Ihr Ausweisdokument lief im Juli 2024 ab. Aus diesem Grund musste sie auf dem Generalkonsulat der Schweiz ein Einreisevisum beantragen. Nach einer Anfrage per E-Mail wurden wir persönlich, freundlich und kompetent bedient.

Das neue Jahr begann. Wir profitieren während dieser Zeit auch, den Kontakt mit der Verwandtschaft von Seiten Maria gebührend zu pflegen. Unsere persönlichen «Habseligkeiten» müssen auch sortiert werden. Wir möchten doch nur Notwendiges mit auf den Heimweg nehmen. Um nicht mit leeren Händen in die Heimat zurückzukehren versuchen wir auch, einige sinnvolle Mitbringsel zu kaufen. Nach dem Besuch auf dem Generalkonsulat verliessen wir Shanghai und fuhren mit dem Zug nach Shaoxing, einer Stadt etwa 200 Kilometer südwestlich von Shanghai. Wir hatten Shanghai kaum verlassen da wurde uns bereits telefonisch mitgeteilt, dass das Einreisevisum vorbereitet sei, das ist Service. 

Wir schwebten In das neue Jahr und durften es angenehm beginnen. 

Nun aber zu unseren Erlebnissen während diesen Wochen. Wir besuchten Shaoxing, wo eine Studienkollegin der Uni von Maria arbeitet. Sie bildet dort die Studierenden an der Zhejiang Yuexiu University 1981 in Englisch aus. Die Zhejiang Yuexiu Universität ist eine Vollzeit-Hochschule, die regelmässige Bachelor-Ausbildungen anbietet. Sie wurde im Jahr 1981 gegründet. Die Uni besteht aus zwei Campus auf einer Fläche von etwa 470'000 m2. Dort stehen viele Mehrfamilienhäuser für Studenten (Zimmer für bis sechs Studierende, f & m getrennt) und Lehrpersonen. Einzelne Lehrpersonen leben mit ihrer Familie in einer Wohnung, wobei im bekannten Fall beide erwachsenen Personen Lehrpersonen sind. Nebst den Unterkünften hat es eine riesige Kantine und mehrere kleine Läden. Eine grosszügige Sportanlage fehlt selbstverständlich nicht. Sogar eine Polizeistation befindet sich im Campus. Die eindrückliche Bibliothek beherbergt eine Sammlung von 2.25 Mio Büchern in Chinesisch und in Fremdsprachen. Es hat hier ca. 17'000 Studierende und gegen 1'000 Lehrpersonen. Für Interessierte hier ein Link zur Uni:   https://en.zyufl.edu.cn/408/list.htm 


Die Freundin von Maria fuhr uns am ersten Tag in die Altstadt Anchang wo wir durch die Gassen schlenderten. Die zweite «moderne» Altstadt Keqiao besuchten wir abends. Am zweiten Tag fuhr sie uns zum Westsee, wo sie uns einen 800 Jahre alten Brückenweg zeigte. Das Besondere dabei ist, dass Steinquader einfach aufeinandergestapelt wurden. Auf dem langen Weg gibt es für kleine Boote nur wenig Möglichkeiten unter einer kleinen Brücke durchzufahren. Abends assen wir im Uni-Restaurant, welches auch westliche Gerichte anbot. Sehr zu empfehlen, Chapeau, es war fein. 

Bild Mitte: Überall kann man getrocknete Enten oder Fische kaufen. Bild rechts: Eine Frau wäscht die vorbereiteten Enten im Kanal. Anschliessend werden diese dann getrocknet. 


Nach zwei Nächten im campuseigenen Hotel zogen wir in den Stadtkern Shaoxing. Hier fanden wir ein Hotel gleich neben der historischen Strasse, wo der in China sehr bekannte Poet Lu Xun wohnte. Wir schlenderten durch die authentischen Gassen, besuchten sein Wohnhaus und weitere historische Orte. 


In Shaoxing wird der wohl bekannteste Reiswein hergestellt. Dieser gilt als bester und berühmtester Reiswein in China. Wir fuhren in die «Reis-Wein-Altstadt» und degustierten diese Spezialitäten. Gleich vor der Altstadt steht eine katholische Kirche. Das Tor war offen und wir gingen in den Kirchenhof. Eine Dame teilte uns mit, dass wir die Kirche innen besichtigen könnten.

 


Hangzhou war unsere nächste Destination. Ganz oben auf der Besuchsliste war das Kanalmuseum. Hier wird eindrücklich gezeigt, wie dieses Bauwerk entstanden ist. Das Gebäude, welches sich am Anfang des Kanals Hangzhou-Beijing befindet, wurde von den Architekten Herzog und de Meuron gebaut. Hier entdeckten wir, dass es in China nicht nur die Grosse Mauer, sondern auch den «der Grosse Kanal» gibt. Dieser hat eine Länge von 1'776 Kilometern. Die ersten Abschnitte wurden gut ein halbes Jahrtausend vor Christus gebaut. Im 7. Jahrhundert AD erfolgte der entscheidende Ausbau unter der Führung der Sui-Dynastie bis Luoyang um die fruchtbare Region zu verbinden. Anschliessend wurde während der Tang- und Song-Dynastie die Strecke angepasst um Peking direkt mit dem Süden zu verbinden. Der Kanal war über Jahrhunderte der wohl wichtigste Transport- und Handelsweg für Getreide und Güter in China. 


Bild Mitte: Eine sehr gut gemachte Videopräsentation des grossen Kanals von Hangzhou bis Beijing. 

In Hangzhou steht das grösste Mehrfamilienhaus der Welt, das Regent International. Wir wollten einmal vor diesem Gebäude stehen und staunen. In diesem Gebäude leben etwa 20'000 Menschen. Nebst Wohnungen gibt es einen Supermarkt, Restaurants, Freizeitangebote und vieles mehr. Von diesem Haus aus, in dem modernen Quartier, spazierten wir zum Qiantang-Fluss. Dieser Fluss ist bekannt durch seine jährliche Springflut. Der «Silberne Drache», wie die weltweit grösste Gezeitenwelle genannt wird, kommt vom Meer her und erreicht in respektabler Höhe die Stadt. Dieses Spektakel konnten wir leider nicht erleben, da dieses Naturphänomen im Herbst geschieht.  

Wir besuchten den berühmten Westsee, wo sich die drei Miniatur-Steinpagoden befinden, die während der Song-Dynastie (960-1127) gebaut wurden. Diese sind übrigens auf dem Ein-Yuan-Geldschein verewigt. Beim Mondfestival im Herbst, wenn der Mond voll erleuchtet ist, werden in den Pagoden Kerzen angezündet. Die Lichter vom Mond und aus den kleinen Pagoden spiegeln auf der Wasseroberfläche. Am Rand des Westsees steht die Leifeng Pagode. Diese wurde ursprünglich im Jahr 975 während der Zeit der Fünf Dynastien und Zehn Königreichen von König Qian Chu des Wuyue-Königreichs gebaut. Hier wird man mit einem herrlichen Ausblick über den See und zur Stadt hin verwöhnt.

Bild Mitte: Kaum sichtbar, die drei kleinen Pagoden auf dem Wasser🥰.

Bei angemessenem Wetter wird jeden Abend eine Wasser-Licht-Musikshow am Ufer bei der Stadt gezeigt. Eine eindrückliche Stimmung, besonders auch während dem Sonnenuntergang. 

Bild rechts aussen: Auf zentralen öffentlichen Plätzen werden des Öftern Militärfilme gezeigt. Der Patriotismus wird geschult und hoffentlich nicht auf Krieg getrimmt. 

In Hangzhou besuchten wir das nationale chinesische Seidenmuseum. Es wurde 1992 eröffnet. Leider wird es nicht optimal unterhalten, was sehr schade ist. Interessant ist es jedoch allemal. Ganz in der Nähe ist auch das Teemuseum, welches wir nebst einem Spaziergang durch die Teefelder und durch einen angrenzenden Wald besuchten.



Weiter besuchten wir den Lingyin Tempel, der Tempel der Seligen Einsamkeit. Einer des berühmtesten und ältesten buddhistischen Tempels in China. In den angrenzenden Feilai-Kalksteinfelsen sind auch viele Steinskulpturen zu bestaunen. 

 

Nach diesem eindrücklichen Aufenthalt verliessen wir die Stadt und reisten nach Huzhou. Hier checkten wir in einem angenehmen Hotel ein. Bei einem Spaziergang sahen wir, dass ganz in der Nähe in einem riesigen Hochhaus auch ein Hotel ist. Maria erkundigte sich bei der Rezeption. Daraufhin buchten wir zu einem «Einführungspreis» zwei Nächte im 39.sten Stock und genossen diese in einem tollen Zimmer mit eindrücklichem Panorama nachts wie tags. Auch das Frühstück liess sich sehen. Der erste Ausflug führte uns zum Tai-See. Ein modernes Quartier mit dem neuen Wahrzeichen der Stadt. Als wir dem See entlang spazierten stiegen in uns Erinnerungen an Spaziergänge am Murtensee auf. In zwei Monaten ist es soweit, dass wir wieder in unserer Heimat «unserem» See entlangwandern dürfen.

 

Unweit vom Hotel entfernt standen wir plötzlich in der ursprünglichen Altstadt. Zu unserer Freude fanden wir einmal ein Restaurant, respektive eher eine Bar mit einer Gartenwirtschaft, was in China doch eher selten ist. Glücklich eine Pause machen zu können genossen wir einen Apéro am einzigen Sonnenplatz.

 

Ein Blick aus dem Zimmer vom Hotel, ein traditioneller Tee-Genuss, offeriert vom Gastgeber und das Gebäude von aussen. 

Abends besuchten wir die vor nicht allzu langer Zeit künstlich angelegte Altstadt Taihu. Eine Touristenattraktion der chinesischen Art. Jeden Abend gibt es vor der Stadt ein Wasserspiel mit Lichtshow zu sehen. Im Stadtinnern ist ein grosser Teich. Dort wird an jedem Abend bei gutem Wetter ein besonderes Lichtspektakel aufgeführt. Eisen wird glühend gemacht. Ein Mann nimmt mit einem Stab etwas flüssiges Eisen auf und ein anderer schlägt auf den Stab. Dann blitzen die Funken grossartig auf, als wäre es ein Feuerwerk. 


Knapp 40 Kilometer von Huzhou entfernt ist die aussergewöhnliche Altstadt Nanxun. Wir buchten ein Taxi (Kostenpunkt knapp CNY 80, wir gaben dem Taxifahrer CNY 100, was ca. CHF 12.50 entspricht) und fuhren dorthin. Nachmittags besichtigten wir einen Teil des spannenden, historischen Ortes. Einige hundert Meter davon entfernt logierten wir im sehr angenehmen Hotel Wanda. Von hier aus konnten wir am darauffolgenden Tag den anderen Teil der Stadt besuchen. Die Stadt beherbergt einige eindrückliche Familien-Residenzen, die besichtigt werden können. In einer Residenz beeindruckte uns eine typisch lokale Gesangsaufführung.

 



Bild Mitte: Der europäische Einfluss ist auffallend. Bild rechts aussen: Beim Bahnhof in Nanxun wird ein neues Quartier gebaut. Ein Wolkenkratzer wird neben dem anderen stehen. Wohl das Wahrzeichen-Pendant zum Huzhou Bogen, das "Elefantenhaus".

Jiaxing war die letzte Station, bevor wir wieder nach Shanghai reisten. Wir residierten in einem Hampton-Hotel, das Übernachtungen mit Frühstück auch zu Einführungspreisen anbot. Wir hatten ein tolles, grosses Zimmer und wurden mit einem reichhaltigen Frühstück verwöhnt. Auch hier steht eine eindrückliche Altstadt am Grossen Kanal. Während der Kulturrevolution wurden auch hier etliche Kulturgüter zerstört. Die neue DeepSeek App bestätigt das, wird jedoch zensurbedingt nach zwei-drei Sekunden unterbrochen. Man liest dann noch «Let’s talk about something else» (Sprechen wir über etwas anderes). Die drei Pagoden wurden neu gebaut und am Rand des Kanals wurde ein besonderer Stein wieder hingestellt. Ein älterer Herr erklärte seinem Schwiegersohn gerade, dass dieser Stein dazu diente, die Handelsschiffe im Kanal um die Ecke zu ziehen. Wir kamen kurz auf ein gemeinsames Gespräch. Man sieht im Stein die Schleifspuren der Seile. Es scheint mir fast unvorstellbar. Er selber habe seinerzeit noch Schiffe mit Kameraden durch den Kanal gezogen. 


In der Altstadt hat es ein Quartier mit Blumenläden und ein Quartier, wo man allerlei Haustiere kaufen kann. Katzen, Kaninchen, junge Hunde, Mäuse, bemalte Schildkröten, einfach alles was das chinesische Kinderherz begehrt. Mir ist ein Fall bekannt, wo eine Familie den gekauften Hund nicht mehr wollte. Dieser wurde einfach irgendwo ausgesetzt. Wird wohl mit anderen Tieren auch so gepflegt. Das Tierwohl hat hier einen anderen Stellenwert. Jiaxing gilt als Ursprungsort für Zongzi, eine Klebereisspezialität, welche in Bambusblätter eingewickelt ist. Da das chinesische Neujahr bevorstand konnte es Maria nicht lassen, einige dieser Spezialitäten zu kaufen. Diese fanden am Fest zum Jahr der Schlange in der Familie grossen Anklang. Weitere Spezialitäten fanden wir in den Gassen. Da war eine Frau die Hühnermagen trocknete. Sie wollte uns einige verkaufen und erklärte uns, dass diese zur traditionellen chinesischen Medizin gehören und entsprechend heilsam sind. Sie unterstützen die Verdauung, lindern Völlegefühl und Blähungen, unterstützen die Leberfunktion und das Immunsystem.

 

Bild rechts aussen: ...und plötzlich kommt mir "de Sauvene Willi" entgegen. Ein Mensch, der mir etwas bedeutet. 

Nebst der Stadtmauer mit den Ausgrabungen und der katholischen Kirche, dieses Mal nur von aussen, besuchten wir das Jiaxing Museum und die Nanhu «Revolutionary Memorial Hall 1911». Auf einer Linie steht das riesige, schon fast umwerfende Museum Jiaxing, anschliessend steht ein ebenso langes Gebäude, die Bibliothek. Dann kommt die Erinnerungshalle 1911, wo das rote Boot als Symbol für die Gründung der kommunistischen Partei China präsentiert wird. Der erste nationale Kongress der Partei fand auf diesem Boot statt. Diese drei Bauten stehen nacheinander auf einer Strecke von etwa einem Kilometer.

 

Um in die Erinnerungshalle 1911 zu gelangen muss man durch ein kleines Gebäude, wo viele Beamte stehen und sitzen. Vier oder fünf Fliessbandscanner stehen da und für die Personenkontrolle stehen einige Beamte bereit, auch wenn sie auf ihr Mobile konzentriert sind. Wir traten ein und standen vor der «Rezeption». Dahinter sassen zwei Damen, auch sie in ihr Mobile vertieft. Da sie uns nicht bemerkten klopfte ich nach einigen Sekunden auf die Theke. Sie erschraken, schauten auf und stellten wohl fest, «es gibt Arbeit». Sie kontrollierten unsere Identitätskarten und liessen uns durch die Kontrolle auf das Gelände gehen. Ein immenses Gebäude in einem riesigen Park stand vor uns. Das Museum beherbergt eine Nachbildung des roten Bootes. Am Schluss des Rundgangs wurde, wie könnte es anders sein, Ping-Pong verherrlicht.

Bild links: Das Eingangs- und Kontrollgebäude. Mitte: Die Halle 1911, welche eine Nachbildung des roten Bootes beherbergt. Bild rechts: Eine Karte von China mit den zwei an Russland abgetretenen Ländereien (blau und gold). 

Zum Abschluss wanderten wir noch zum Nan-See und besuchten die Tempelanlage. Es war 17:05 ...und die Anlage wird um 17:00 Uhr geschlossen. Der Wärter sah uns kommen und liess uns lächelnd noch ein. Wir genossen von der obersten Etage der Pagode einen schönen Blick über den See. Als wir den Tempel verliessen sagte er zu uns, dass demnächst die Lichter eingeschaltet würden. Das sei sehr schön, was wir mit eingefügtem Foto bestätigen können. 

Wir haben den geschichtsträchtigen Ort verlassen und reisten zurück nach Shanghai. Wir wollten das Einreisevisum für Maria auf dem schweizerischen Konsulat noch vor dem chinesischen Neujahrsfest abholen. Das hat bestens geklappt und ich möchte an dieser Stelle dem Kanton Freiburg und dem Bund ein ganz herzlicher Dank für die angenehme Begleitung aussprechen. Nun sind wir formell für die Heimreise vorbereitet und freuen uns natürlich sehr darauf. Noch etwa ein Monat bleibt uns, weitere kulturell wichtige Orte in der Region zu besuchen, was wir auch vorhaben.


Schon bald geniessen wir unseren Tee wieder im Kreis unserer Familien und Freunden. 

Ein herzliches BONJOUR, et à bientôt.


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