109 - Wie sind wieder in der Heimat

 109 - Wir sind wieder in der Heimat.

 

Über die Wohnungssuche schrieb ich im letzten Bericht. Die Suche war intensiv mit Besichtigungen, Abwägungen und dem schlussendlichen Entscheid. Wir fanden innert drei Monaten eine Wohnung und das ist doch sehr zufriedenstellend. Am 28. Mai fuhr der LKW mit dem Container vor und innert zwei Stunden war der gesamte Haushalt in der Dreizimmerwohnung. Wir verabschiedeten die Zügelmänner und begannen mit Sortieren. Der grosse Teil blieb in der Wohnung, einen Teil brachten wir in den Estrich und den kleineren Rest in den Keller. Nun hiess es Möbel montieren. Die Wohnwand war eine Herausforderung, der Schlafzimmerschrank ein «Chrampf» und das Bett sehr einfach. Jian half uns bei der Montage, alleine oder mit Maria wäre es sehr schwierig gewesen. 


Im Anschluss ging es darum, die Kartons zu leeren, die Küche und das Schlafzimmer so einzurichten, dass wir in den eigenen vier Wänden kochen und schlafen konnten. Das gelang uns gut und wir fühlen uns wohl, auch wenn Maria zwischendurch meint, dass die Wohnung doch etwas klein sei. Der Standort, 200 Meter vom Bahnhof, 250 Meter von der Badi und 400 Meter von der Altstadt ist optimal. Kaum eingezogen gingen wir schon fleissig im See Schwimmen.

 


Maria sagt immer wieder, ein halbes Zimmer wäre besser. Es stimmt, die Küche ist klein und der Tisch stellte uns vor eine grosse Herausforderung. Doch endlich; er passt. 

Maria nimmt wieder mit Freude im Frauenturnverein teil. Bekannte Gesichter wieder zu sehen ist ein schönes Gefühl. Meinerseits nahm ich ab dem 10. April wieder an den Sippungen in der Schlaraffia Berna teil. Auch hier, ein fröhliches Wiedersehen und …» das Spiel beginnt». 


Wenn wir durch das Stedtli flanieren oder am Seeufer spazieren, treffen wir regelmässig bekannte Gesichter. Immer wieder gibt es herzliche Gespräche und öfters auch ein: «schön seid ihr wieder da». Es versteht sich, dass wir jeweils ein Bisschen von unserer Reise berichten. Gerne wollen wir aber auch wissen, wie es den Hiergebliebenen erging. 

Am 21. & 22. Juni waren wir schon etwas eingelebt und durften an den historisch-kulturellen Anlässen wie dem Brunnenfest, der Soli und dem Murtenschiessen teilnehmen. An der Soli war ich morgens früh um fünf Uhr schon beim mittleren Brunnen und freute mich an den «Tagwach»-Klängen der Stadtmusik. Da schlägt ein Murtnerherz schon etwas höher.

 
 

Bei unserer Rückkehr von der Reise hatte ich Kontakt mit der Kirchgemeinde Murten. Im Kirchgemeinderat waren einige Sitze frei. Ich stellte mich zur Wahl und so kam es, dass ich in den Kirchgemeinderat gewählt wurde. Mich interessiert das Leben in der Kirchgemeinde und so bin ich motiviert, mich im Rat zu engagieren. Mir wurde das Ressort Liegenschaften zugeteilt. Die Räumlichkeiten der Kirchgemeinde sind mir wohlvertraut, war doch mein Vater über 30 Jahre Pfarrer in Murten und ich wohnte knapp 20 Jahre im Pfarrhaus selber. Es war mir eine Ehre das Geburtszimmer von Jeremias Gotthelf als eigenes «Kinderzimmer» beleben zu dürfen. Es scheint, dass sich ein Kreis vom Buben bis heute schliesst.


Links: Pfarrhaus, mein Geburtshaus. Rechts: Blick zur Kirche

Blick vom Kirchturm.

Philipp und seine Familie dürfen wir nun öfters in Bremgarten besuchen. Dominik und seine Familie besuchten wir auch schon einige Male in Trimmis, wo sie seit etwa einem Jahr wohnen. Alle sind gesund und zufrieden und wir sind glücklich. Wir geniessen es, Momente mit unseren jungen Familien zu verbringen. Die Wochen welche wir mit und bei Jian wohnten waren sehr angenehm. 



In der Zwischenzeit sieht unser Heim schon recht wohnlich aus. Die Wände sind noch leer. Das wird sich bestimmt bald ändern. Einige Bilder warten darauf, aufgehängt zu werden. In unserem Gäste-, respektive Arbeitszimmer, lässt es sich gut arbeiten. Auf dem Pult liegt für meine Wahrnehmung noch viel zu viel herum. Es ist eine kleine Unordnung und diese entspricht genau meinem aktuellen Dasein. Wir fühlen uns wohl in Murten, freuen uns an all den Begegnungen mit bekannten Gesichtern und geniessen die schöne Region. Zum Ferien machen ist es uns nicht so drum, wir wollen vorerst einmal so richtig ankommen. Trotzdem sprechen wir oft von unserer Reise und stellen uns die Frage, ob wir noch einmal den Mut haben werden, erneut eine längere Reise zu unternehmen. Wer weiss 😊.

 


Oft stellt man uns die Frage: «habt ihr euch gut eingelebt?» Meine Antwort ist durchzogen. Grundsätzlich «Ja», aber irgendwie steckt ein kleiner Kulturschock in mir. Wir verbrachten knapp vier Jahre mit wenig Materiellem. Maria begnügte sich mit einem grossen Koffer und einem Rucksack, ich war mit einem kleinen Koffer und einem Rucksack zufrieden. Wir hatten nebst den persönlichen Mobiles auch immer ein Notebook und stets genügend Kleider sowie persönliche Hygieneartikel dabei. Während den zwei Jahren in Europa nahmen wir etwa vier Bananenschachteln zusätzlich mit, da wir mit unserem Auto unterwegs waren. Da führten wir etwas Kochgeschirr, Besteck, Haarföhn, Rasierapparat und eine «Ladung» Bücher mit uns. Während den beiden Jahren in Asien mussten wir auf den «Luxus» aus den Bananenschachteln verzichten. Auf Bücher musste ich insofern nicht verzichten, da ich mir ein e-book kaufte. Wenn eine Hose oder ein Paar Schuhe abgenutzt waren, kauften wir Ersatz. Wir lebten mit wenig und das ging sehr gut. Nun sind wir zurück in der Schweiz, leben in einer Wohnung und stellen fest, was wir materiell alles haben. Wir sind nun nicht mehr im Besitz von zwei Jeans und zwei Paar Schuhen, wir haben ein Mehrfaches. Wenn wir unsere Familien und Freunde besuchen sehen wir, in welchem Überfluss wir leben. Wenn ich übervolle Kühlschränke sehe – wir befinden uns glücklicherweise nicht in einem Kriegsgebiet, es wäre bestimmt nicht notwendig – und mir die sichtbare Armut in Asien vergegenwärtige, bedrückt mich das schon ziemlich. Damit verbunden ist die sichtbare Lebensmittelverschwendung. Da erinnere ich mich öfters an die Feststellung meines Vaters: «häbit Sorg derzue» (derzue = Sache und Lebensmittel, kurz einfach alles).

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